

Zweifellos hat die Exzellenzstrategie Bewegung ins deutsche Wissenschaftssystem gebracht. Seit Beginn des Wettbewerbs sind Universitäten gezwungen, sich stärker denn je über ihre Ziele und Strategien bewusst zu werden und auch ihre Schwächen zu analysieren. Die Konzentration auf Spitzenforschung bei gleichzeitigem Nachdenken über die Zukunft der gesamten Institution und ihre Entwicklungsziele hat durchaus positive Effekte gehabt. Im Ausland wird die Exzellenzstrategie aufmerksam beobachtet, zum Teil in abgewandelter Form kopiert.
Wer allerdings glaubt, dass die sogenannten Leuchtturm-Universitäten hierzulande auch in den internationalen Rankings eine Rolle spielten, irrt. Im Times Higher Education Ranking dieses Jahres findet sich die TU München auf Platz 27, die Ludwig-Maximilians-Universität München auf Platz 34 und die Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg auf Platz 49. Beim Leiden-Ranking rangiert die TU München als erste deutsche Universität gar auf Platz 110.
Auch wenn solche Rankings ihre eigenen Probleme haben und durchaus nicht immer nach überzeugenden Indikatoren bewerten, zeigt sich eine aufschlussreiche internationale Entwicklung. Auf den ersten Plätzen stehen jetzt nämlich chinesische Universitäten, nur noch Harvard schafft es auf einen der ersten Plätze. Die amerikanische Ivy League spielt durch den Trumpismus keine führende Rolle mehr.
Fünf Milliarden Euro von Bund und Ländern
Die stolze Summe von fünf Milliarden Euro, die Bund und Länder in den nächsten sieben Jahren in die Exzellenzstrategie investieren, nimmt sich im internationalen Vergleich eher gering aus. Jedenfalls reicht das Geld sicher nicht aus, um Weltklasse-Universitäten hervorzubringen, zumal selbst an Exzellenzstandorten immer nur einzelne Fachbereiche und nicht die gesamte Universität Spitzenleistungen aufweisen. Der Wissenschaftsrat findet Rankings nachrangig und hebt die Qualität der Studienbedingungen, die Forschungsmöglichkeiten, die Freizügigkeit und die Freiheit hervor.
Dass zehn der bewährten Exzellenzstandorte auch weiterhin ihren Exzellenzstatus behalten, bedeutet für die elf Neubewerber im Herbst, dass sich nicht einmal die Hälfte dafür qualifizieren kann. Denn mehr als 15 Exzellenzunis insgesamt wird es nicht geben. Die erfahrenen Universitäten wissen längst, wie sie ihre Selbstberichte abfassen müssen und welche Schlüsselbegriffe geradezu gesetzt sind.
Frauenförderung ist kein wissenschaftliches Kriterium
Wer die Anträge der erfolgreichen zehn vergleicht, wird viel Interdisziplinarität, Zusammenarbeit vor allem mit außeruniversitären Forschungseinrichtungen, Impact, Karriereförderung und institutionelle Dynamik finden. Der Hinweis der internationalen Gutachter, die Strategiebildung noch stärker mit einem datenbasierten Nachweis über deren Wirksamkeit zu verbinden, ist berechtigt.
Skeptisch stimmt allerdings deren Bemerkung, dass die Universitäten sich in Fragen der Diversität und Chancengerechtigkeit noch stärker an den verschiedenen Personengruppen orientieren sollen. Angesichts dieser Forderung überzeugt die gebetsmühlenartig wiederholte Floskel nicht, dass es sich hier um ein rein wissenschaftsgeleitetes Verfahren handele. Frauenförderung und Gleichstellung sind keine wissenschaftlichen Kriterien, sondern gesellschaftspolitische. Inwiefern zunehmend gesellschaftspolitische Normierungen die Forschungsförderung beeinflussen, wird man in Deutschland sehr viel selbstkritischer als bisher analysieren müssen. Das gilt für Förderinstitutionen, Wissenschaftspolitik und Hochschulen.
Die Schattenseiten der Exzellenzstrategie zeigen sich in einem riesigen Apparat, den die Universitäten in Strategieabteilungen, zur Verwaltung der Cluster und zur Antragserstellung aufbauen mussten. Jahrelang werden die Kräfte von Spitzenforschern gebunden, die während der Antragstellung kaum zum Forschen kommen und weitgehend von der Lehre freigestellt werden. Wenn die Zukunft des Wettbewerbs – wie im Koalitionsvertrag der Bundesregierung beabsichtigt – grundlegend überdacht wird, muss man nüchterner als bisher Aufwand und Ertrag bewerten.
Kritiker der Exzellenzstrategie sind schon längst der Auffassung, dass der Auftrag in keinem Verhältnis zum Ertrag steht. Die zehn erfolgreich verlängerten Exzellenzuniversitäten waren in vielen Fachbereichen schon vorher herausragend. Ob sie wirklich als Vorbilder für andere, nicht geförderte taugen, wird sich erst noch zeigen.
