Deutsch-französische Küche im Weinhaus Bluhm in Mainz

Für einen Moment hört es sich so an, als ginge es um die Söhne und Töchter der drei Damen. Aber dann wird schnell klar: Sie sprechen über ihre Katzen. Wie viel Aufmerksamkeit die eine braucht, wie oft die andere zuletzt zum Tierarzt musste, was die lieben Kleinen am liebsten so fressen und wie langweilig es ohne sie wohl wäre.

All das möchte man als Tischnachbar eigentlich gar nicht wissen. Aber im „Weinhaus Bluhm“ kommt man manchmal gar nicht darum herum, die Gespräche der anderen mitzuhören. Denn bei Murielle Stadelmann geht es gesellig zu, und deshalb müssen die Gäste in Ihrem Mainzer Altstadtrestaurant nicht nur an besonders lebendigen Abenden damit rechnen, dass die Hausherrin weitere Leute mit an den Tisch setzt. Das tut sie nicht nur wegen des begrenzten Platzes in den beiden Räumen ihres Lokals, sie macht es auch aus Prinzip – und tut es Neulingen online auch ausdrücklich kund.

So sitzen wir an diesem Abend mit den drei Katzenfreundinnen und ihrem eher schweigsamen Begleiter an einem Tisch – und kommen ins Gespräch. Stammgäste wie diese hat Murielle Stadelmann viele. Ihr Lokal in einem 300 Jahre alten Fachwerkhaus an der Badergasse ist in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt eine Institution. Zusammen mit ihrem Vater Pierre hat sie es vor zehn Jahren, im März 2016, in den Räumen eines alten Weinlokals eröffnet, und seit dessen überraschendem Tod im Juni 2024 führt sie es allein weiter.

Murielle Stadelmann tritt als „singende Köchin“ auf

Vor dem gastronomischen Engagement mit ihrem Vater hat Murielle Stadelmann 15 Jahre lang als ausgebildete Mezzosopranistin und Schauspielerin unter anderem in Wien und München auf der Bühne gestanden. Kostproben ihres Könnens gibt die „singende Köchin“ mitunter immer noch zu später Stunde mit Liedern und Chansons zum Besten.

Pierre Stadelmann war in Mainz über Jahrzehnte eine gastronomische Legende. 1950 an der Atlantikküste geboren, kam er als junger Mann in die Stadt und machte sich schnell einen Namen. In einem Nachruf hieß es: „Er war der französischste Meenzer oder der Mainzerischste aller Franzosen“ – und der Erfinder jener französisch-meenzerischen Küchenfusion, für die das „Weinhaus Bluhm“ auch weiterhin geliebt wird.

Winterliches Traditionsgericht: Die Gänsebrust wird mit Rotkraut, Knödeln, Maronen und einer kräftigen Schwarzbiersoße serviert.
Winterliches Traditionsgericht: Die Gänsebrust wird mit Rotkraut, Knödeln, Maronen und einer kräftigen Schwarzbiersoße serviert.Wonge Bergmann

Ein Blick auf die Karte genügt, um zu verstehen, was es mit dieser Kombination auf sich hat. Dort treffen Austern auf Handkäs und Weinbergschnecken auf Spundekäs mit Brezelchen, in der Saison sind stets Miesmuscheln in Pastis-Sahnesoße (27,50 Euro) im Programm. Natürlich gibt es klassisches Tatar (kein 15,50 Euro, groß 21,50 Euro) und Pierres legendäre Fischsuppe (26,50 Euro), aber eben auch Hackbraten und Bratkartoffeln und in der Weihnachtszeit immer wieder die zarte Gänsebrust mit Rotkraut, Knödeln, Maronen und Schwarzbiersoße (36,50 Euro). Auch ohne den früheren Patron kommen all diese Speisen tadellos und mit einer ganz eigenen Handschrift auf die Tische, nicht im Stile feiner französischer Hochküche, sondern eher wie in einem bodenständigen, aber durchaus anspruchsvollen deutschen Gasthaus.

Während sich die Unterhaltung von den Katzen weg auf andere Themen verlagert hat, lassen sich die drei Damen und ihr Begleiter den Bohneneintopf „Garbure des Pyrénées“ (25 Euro), die vegetarischen Ravioli mit Trüffelsoße (21, 50 Euro) und das Wildragout „Bourguignon de Gibier“ (28,50 Euro) mit Spätzle schmecken. Wir sind schon fast beim Dessert, genehmigen uns vorher zu den letzten Schlücken des grandiosen Blaufränkisch vom Weingut St. Antony aber noch die große Käseauswahl (21,50 Euro), die mit Brot, Butter und Feigensenf serviert wird.

Überhaupt, die Weine: Auch bei deren Auswahl setzt Murielle Stadelmann auf die bewährte deutsch-französische Mischung. Die meisten Tropfen kommen aus deutschen Anbauregionen in der unmittelbaren und der etwas erweiterten Nähe, also Rheinhessen, der Nahe, der Pfalz und dem Rheingau. Aber natürlich stehen auch Weine und Champagner aus Frankreich auf der Karte – das ist im „Weinhaus Bluhm“ keine Frage.

Weinhaus Bluhm, Badergasse 1, Mainz, Telefon 0 61 31/4 90 63 43, Internet www.weinhaus-bluhm.de. Geöffnet dienstags bis samstags von 17.30 bis 23 Uhr, sonntags und montags geschlossen.