„Der Staatsbewohner“ : Ein Land ohne Sonne

Andrej Platonow gehörte zu den Mutigsten in Stalins Diktatur. Nun erscheinen seine Erzählungen über das brutal verrückte Sowjetreich in einer neuen Übersetzung.



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"Der Staatsbewohner" : Sie stürmen noch immer in die Zukunft: "Arbeiter und Kolchosbäuerin", Vera Muchinas 1937 entstandene Skulptur in Moskau.
Sie stürmen noch immer in die Zukunft: „Arbeiter und Kolchosbäuerin“, Vera Muchinas 1937 entstandene Skulptur in Moskau.
© Maksim Blinov/​Sputnik/​Imago

Es brauchte nicht viel, um als Schriftsteller in der Sowjetunion gedruckt und von Stalin persönlich gelesen zu werden. Stalin las viel, und um Stalin zu gefallen, reichte es, aufzuschreiben, was Stalin hören wollte. Zum Glück für die Weltliteratur und zu seinem persönlichen Leidwesen ging Andrej Platonow (1899–1951) dieses Einfühlungsvermögen völlig ab. Als Schriftsteller war er so kompromisslos, wie er Zeitzeugen zufolge im persönlichen Umgang unscheinbar war. Bei Veranstaltungen setzte er sich stets an den Rand, sagte nichts, trug ärmliche Hosen und wollte am liebsten von der Welt vergessen werden – was in gewisser Weise auch geschah.