Für sie: Nicht ganz echt
Eigentlich dachten wir, zu Demi Moore sei alles gesagt. Also sagten wir letzte Woche nichts, als sie, ein wenig schwach wirkend, bei der Gucci-Show auftauchte. Die Leute waren aber ganz aus dem Häuschen, weil die Schauspielerin, die man im vergangenen Jahr wegen ihrer Rolle in dem Anti-Jugendwahn-Horrorstreifen „The Substance“ zur feministischen Ikone hochstilisiert hatte, mal wieder noch jünger aussah. Das musste an ihrem neuen Haarschnitt liegen, der die Schlagzeile der Woche war: Demi Moore jetzt mit Bob! Irgendwie war man darüber wirklich erleichtert, weil es einem wehtat, eine Frau in diesem Alter mit solch langen, seidigen Haaren zu sehen, während man selbst mit strohigem, immer dünner werdendem, mittelaltem Haar kämpft. Leute wie Demi Moore sind daran schuld, dass man Unsummen für Shampoos ausgibt, weil man denkt, dass schönes Haar auch im Oma-Alter noch möglich ist.

Dass der vermeintliche Haarparadigmenwechsel nun aber nur ein paar Tage hielt und Demis Mähne jetzt schon wieder lang ist, wie hier auf einer Party zu sehen, war dann ein weiterer Befreiungsschlag. Denn damit ist klar: Echt waren diese Filmdivenhaare schon lange nicht mehr, sie sind einfach eine sehr teure angeschweißte Tressensammlung. Unzählige Frauen – nicht nur Filmstars – arbeiten mit falschen Haaren, und dass man es am Ende doch immer sieht, weil oben die Kopfhaut durchscheint und nur unten Jugend ist – geschenkt. Wir haben nichts dagegen einzuwenden, solange es so offen geschieht wie bei Demi Moore. Schlechter Stil wäre ja nur die Lüge.
Für ihn: Nicht ganz ernst
Der kanadische Schauspieler Ryan Gosling hat in den vergangenen 30 Jahren schon eine große Bandbreite an Frisuren gezeigt – vom knapp schulterlangen Boyband-Look in den späten 90er-Jahren über rasierte, stachelige und im schönsten Sinne klassisch frisierte Haare bis hin zur unvergesslichen platinblonden Ken-Tolle im Barbie-Film. Bei dem Mann hört die Wandlungsfähigkeit jedenfalls nicht bei der Mimik auf. Angesichts der Präsentation seines aktuellen Films „Der Astronaut“ (englisch: „Project Hail Mary“) – an der Seite von Sandra Hüller – möchte man aber schon mal kurz fragen, wie das frisürlich denn bitte weitergehen soll? In der aktuellen Haartracht mit den bronzeblond gefärbten und sorgsam texturierten Strähnen sieht Gosling jedenfalls aus wie jemand, der ein Motivationsseminar für Vertriebsmitarbeiter leitet oder wie ein Stürmerstar aus der Kreisligasaison 2004, fehlt nur noch der Sponsorenaufdruck auf dem Hemdkragen.

Klar, einen schönen Mann entstellt so schnell nichts, aber irritierend jugendlich und irgendwie K-Pop-mäßig wirkt das Gewuschel schon. Nur so ein Gedanke: Männer ab 40 sollten doch bitte an der Fontanelle langsam in eine stilvolle Souveränität finden und im besten Falle mit ihrem Haarstil nicht mehr großen Gesprächsstoff liefern. Der wahre Gentleman hat seinen Schnitt und seinen Coiffeur dann längst gefunden und ändert daran so lange nichts, wie es die Haardichte zulässt. Denn auch wenn es sicher nicht fair ist –von einem gewissen Alter an wirkt bei Männern zu viel Beschäftigung und Aufwand mit der eigenen Frisur etwas dümmlich. Es genügt jedenfalls völlig, wenn sie unter der Hirnrinde jung und zeitgeistig bleiben, obendrüber darf es gerne ein wenig gelassener zugehen.
