Debüt von Maria Grazia Chiuri bei Fendi

Am Eingang des Schauentheaters von Fendi steht eine Art Handtaschen-Choreograph bereit. Die Promis, die in Fendi zu Fendi gekommen sind, kommen auch hier vorbei. „Drei, zwei, eins, los“, ruft er. Die Promis, die mit dem Rücken zur Kamera stehen, müssen sich daraufhin umdrehen und ihre Fendi-Taschen in die Kamera halten. Jetzt ist die englische Schauspielerin Yasmin Finney dran, die Italienerin Valeria Golino hat das Prozedere gerade hinter sich. Uma Thurman und Dakota Fanning sitzen schon auf ihren Plätzen. Die Taschen-Choreographie erzählt einiges über Stärken und Schwächen dieses Debüts.

Mittwochmittag in Mailand. Es ist die Saison nach der Saison des Jahrzehnts. Im Herbst fingen so viele neue Designer an alten Modehäusern an, wie schon lange nicht mehr. 13 Premieren waren es, darunter Chanel, Dior und Balenciaga. Was soll jetzt noch kommen? Zunächst einmal: Fendi. Es ist das größte Debüt dieser ruhigeren Saison.

Fendi und Maria Grazia Chiuri – das passt gleich mehrfach

Im Mai vergangenen Jahres verließ Maria Grazia Chiuri nach einem knappen Jahrzehnt als Kreativdirektorin Dior. Jonathan Anderson übernahm. Im Oktober wurde Chiuri zur Kreativdirektorin der kleineren, feineren Marke Fendi ernannt. Das passte in mehrfacher Hinsicht. Fendi und Chiuri stammen beide aus Rom. Bei Fendi begann Chiuri 1989, mit 24 Jahren, und blieb ein Jahrzehnt. Die Zeit muss sie stark geprägt haben: So viel Matriarchat wie bei dieser Marke, die von fünf Fendi-Schwestern groß gemacht wurde, ist in der Mode selten. Immer wieder arbeitete Chiuri bei Dior dann mit Künstlerinnen, sprach über Feminismus. Fachlich war sie bei Fendi in den Neunzigerjahren für das wachsende Accessoire-Geschäft zuständig. Dior und Valentino, im Duo mit Pierpaolo Piccioli, bescherte sie später Rekordumsätze.

Designerin Maria Grazia Chiuri am Ende der Show
Designerin Maria Grazia Chiuri am Ende der ShowAFP

Bei allem Erfolg wurde ihr eben der zum Vorwurf gemacht: zu viel Kommerz, hieß es häufig. (Jonathan Anderson wiederum vergraule die Bestandsklientel, heißt es nun. Recht machen kann es ein Dior-Designer vielleicht nie.)

Wie falsch abgebogen Richtung Fendi-Laufsteg

Dass sich Maria Grazia Chiuri nicht von ihrem Kurs abbringen lässt, sieht man nun an neuer, alter Stelle, an diesem Mittwoch bei Fendi: Anzüge, weiße Hemden, Spitzenkleider. Hier und da ein bisschen Fendi-Gelb. Das Spiel mit dem Pelz an Kapuzen und auf Fußballschals – die Chiuri mit der italienischen Künstlerin SAGG Napoli entworfen und in Anspielung auf die Fendi-Schwestern mit dem Wort „Sisters“ versehen hat – sind unabhängig davon, was von Pelzmode zu halten ist, ganz originell.

Flauschig: Die Baguette-Bag legt Chiuri in vielen Versionen neu auf.
Flauschig: Die Baguette-Bag legt Chiuri in vielen Versionen neu auf.AFP

Nicht alle Ideen funktionieren auf dem Niveau einer durchschnittlichen Chiuri-Kollektion: Die Männer in Jeanshosen zu Jeanshemden mit langen Gürteln wirken wie falsch abgebogen Richtung Fendi-Laufsteg. Und warum folgen auf die feine sartoria Cargohosen? Fendi-Kunden führen doch ein so unverschämt luxuriöses Leben, dass Chiuri ihnen mit fantastischeren Ideen begegnen könnte. Immerhin, die Baguette-Bag legt Chiuri in vielen Versionen neu auf. Deshalb auch der Taschen-Choreograph für die Promis. Diese Modelle sollten nicht übersehen werden.

Nur, steckt in dieser Debüt-Kollektion irgendein diskussionswürdiges Stück, wie damals das „We Should All Be Feminists“-T-Shirt zum Debüt bei Dior? Auf den ersten Blick – leider nicht. Wird sich Fendi unter Chiuri trotzdem gut verkaufen? Ganz sicher. Nach der Schau drängen die Promis Richtung backstage. Iris Law, die Tochter von Jude Law und Sadie Frost, steht schnell an Chiuris Seite, schwarzes Slipdress, schwarze Pelzstola, schwarze Sonnenbrille, und flüstert ihr zu: „In dieser Kollektion ist so vieles, was ich gerne tragen würde.“