Mehr als eineinhalb Jahre ist es inzwischen her, dass der Münchner Agrar- und Handelskonzern Baywa in eine Krise geraten ist, die zwischenzeitlich sogar existenzbedrohend war. Seitdem mussten bereits zwei Vorstandsvorsitzende gehen. Der Aufsichtsrat unter der Leitung des ehemaligen Volksbankers Gregor Scheller ist aber noch immer weitgehend derselbe wie vor der Krise. Doch das soll sich jetzt ändern. Endlich, kann man sagen, denn geplant war das bereits länger.
Der Aufsichtsrat soll „umfassend“ erneuert werden, teilte die Baywa am Sonntag mit. Die CSU-Politikerin Monika Hohlmeier habe in der vergangenen Woche ihren Rücktritt zum 31. März 2026 angekündigt. Zum gleichen Zeitpunkt scheidet auch der Österreicher Michael Höllerer aus, der für den österreichischen Großaktionär Raiffeisen Agrar Invest AG im Aufsichtsrat sitzt. Per Ende Mai folgt dann Monique Surges, eine ehemalige Stewardess und derzeit Chefin der deutschen Außenhandelskammer in Neuseeland. Im Amt bleibt dagegen weiter Joachim Rukwied, der 65-Jährige ist seit 2012 Präsident des Deutschen Bauernverbandes. Seine Rolle bei der Baywa ist wie die der Politikerin Hohlmeier umstritten. Die beiden Prominenten hätten zu lange den riskanten Kurs der Baywa unterstützt, lautet die Kritik.
„Wie mit Pattex festgeklebt“, so lautete die Kritik
Aktionäre waren auf der letzten Hauptversammlung den Aufsichtsrat heftig angegangen. Die Aufseher seien ihren Verpflichtungen nicht nachgekommen, leider klebe der verantwortliche Aufsichtsrat bei der Baywa „auf seinen Stühlen, wie mit Pattex festgeklebt“, hatte damals Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) kritisiert. Bereits im Herbst 2024 war Wolfgang Altmüller aus dem Aufsichtsrat ausgeschieden wie auch der Banker Wilhelm Oberhofer – für beide wurden per Amtsgerichtsbeschluss bereits Nachfolger bestellt.

Rukwied ist bereits seit 2013 Mitglied des Aufsichtsrats, seine Bestellung läuft noch bis 2028. In seine Zeit in dem Aufsichtsgremium fällt die starke Expansion der Geschäfte der Baywa, die am Ende in eine hohe Verschuldung, zu großen finanziellen Problemen und zu einer Fast-Insolvenz führte. Offenbar wollte Rukwied aber nicht weichen. Auf eine Anfrage dazu reagierte der Bauernverband nicht.

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:Mit herzlichen Glückwünschen von der Baywa
Seltsame Vorgänge bei der Krisenfirma: Die CSU-Politikerin und Strauß-Tochter Monika Hohlmeier feiert Geburtstag. Das Unternehmen lässt einen Kabarettisten auftreten und erhält dafür eine üppige Rechnung. Anteilseigner fordern neue Aufsichtsräte für die Baywa.
Auch die Staatsanwaltschaft München ermittelt im Fall Baywa. Zuletzt wurden die Privaträume von offenbar bis zu 19 Personen durchsucht, darunter auch die des ehemaligen Chefs des Vorstands und des Aufsichtsrats, Klaus Josef Lutz. Der gab daraufhin sein Amt als Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) München und Oberbayern ab, führt aber weiterhin als Chef den Aufsichtsrat der Geldnoten- und Sicherheitsfirma Giesecke & Devrient.
Die nun frei werdenden Aufsichtsratsmandate sollen neu besetzt werden, unter anderem auch vom Großaktionär, der Bayerischen Raiffeisen-Beteiligungs-AG (BRB). Dabei würden Fachkenntnisse in den vier Kernbereichen Landwirtschaft, Bauen & Wohnen, Handel, sowie in den Bereichen Marketing & Vertrieb sowie Digitalisierung & Künstliche Intelligenz berücksichtigt werden, teilte die Baywa mit. Zudem werde ein rotierendes Wahlsystem eingeführt: Jährlich werden zwei Mitglieder neu gewählt und die Amtszeit von fünf auf vier Jahre verkürzt. Auf der nächsten Hauptversammlung am 15. Juli sollen die Aktionäre den neuen Aufsichtsrat wählen.
