Selbst Gymnasiasten sollen jetzt Goethe und Schiller nur noch in einfacher Sprache lesen. Das verkennt das Wesen von Literatur – passt aber bestens in die Gegenwart.
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Warum
die Aufregung jetzt? Seit über zwanzig Jahren bietet der Schulbuchverlag
Cornelsen stark vereinfachte und gekürzte Ausgaben von Klassikern für den
Deutschunterricht an. Die Reihe mit dem aufmunternden Titel einfach
klassisch wurde schon kurz nach Erscheinen von Medien und Verbänden für
ihre nicht gerade subtilen Bearbeitungen gerügt. Sogleich wurde auch die Frage
nach dem Nutzen einer Lektüre aufgeworfen, die den Schülern den wahren Wortlaut
einer Dichtung vorenthält. Die Antwort liegt freilich auf der Hand: Den Nutzen
haben die Lehrer, die sich das mühselige Heranführen an ältere Ausdrucksweisen
und Stilmittel der deutschen Sprache ersparen.
