
Die italienische Großbank Unicredit hat ein offizielles Übernahmeangebot für die Commerzbank
vorgelegt. Die Eigner des Frankfurter Geldhauses sollten 0,485
neue Unicredit-Papiere für jede Commerzbank-Aktie erhalten, teilte
Unicredit mit. Unicredit ist bereits der größte Investor bei der
Commerzbank.
Für Mai soll eine außerordentliche
Hauptversammlung einberufen werden, um die Zustimmung der Aktionäre
einzuholen. Die Bafin und die Europäische Zentralbank müssen dem Angebot noch zustimmen.
„Das Angebot zielt darauf ab, die im deutschen
Übernahmerecht vorgesehene 30-Prozent-Hürde zu überwinden“, teilte Unicredit mit. Die italienische Großbank kontrolliert nach eigenen Angaben
direkt oder über Termingeschäfte bislang 29,9 Prozent der
Commerzbank-Anteile – und wirbt seit Monaten für eine Übernahme.
Widerstand bei der Commerzbank
Hessens Ministerpräsident
Boris Rhein reagierte zurückhaltend auf das Angebot. „Wir werden die neue Situation
ergebnisoffen und verantwortungsvoll prüfen und bewerten“, sagte der CDU-Politiker. Der europäische Finanzplatz Frankfurt am Main dürfe nicht geschwächt werden. Er betonte zudem, die Interessen von Mitarbeitern und Kunden müssten berücksichtigt werden.
Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp hatte sich wiederholt dagegen ausgesprochen. „Eine Transaktion ist kein Selbstzweck, sie muss für Aktionäre, Kunden
und Mitarbeitende Sinn ergeben und Wert schaffen. Das sehen wir auf dem
aktuellen Bewertungsniveau nicht“, sagte Orlopp im Dezember.
Bund will Anteile nicht verkaufen
Auch der Vizechef der Commerzbank, Michael Kotzbauer, hatte vor den Folgen einer möglichen Übernahme gewarnt. Über ihr Tochterunternehmen, die Hypovereinsbank, stünde Unicredit im direkten Wettbewerb mit der Commerzbank in Deutschland. Er sprach von einem Interessenkonflikt.
Bei der Bundesregierung, dem
zweitgrößten Commerzbank-Aktionär, stieß das Vorhaben ebenfalls
auf Ablehnung. Die italienische Großbank hatte im September 2024 den Teilausstieg des Bundes
genutzt, um im großen Stil bei der Commerzbank einzusteigen. Sie baute ihre Beteiligung nach und nach aus und löste den deutschen Staat
als größten Commerzbank-Aktionär ab. Der Bund, der die Commerzbank in
der Finanzkrise unterstützt hatte, hält gut 12 Prozent der Anteile und will die Beteiligung nicht
verkaufen.
