

Der Präsident des Leichtathletik-Weltverbandes World Athletics, Sebastian Coe, hat bei einer Medienrunde die Einführung von verpflichtenden Gentests verteidigt. Die Entscheidung sei bereits im März bei der Hallen-WM in Nanjing getroffen und sofort kommuniziert worden, sagte Coe: „Das hätte keine Überraschung sein dürfen.“ Seit dem 1. September müssen sich alle Frauen, die an Weltranglistenwettbewerben teilnehmen wollen, einmalig in ihrer Karriere einem SRY-Gentest unterziehen, mit dem das biologische Geschlecht bestimmt werden soll.
Nationale Verbände wie der Deutsche Leichtathletik-Verband hatten die knappen Fristen bei der Ende Juli verkündeten Maßnahme kritisiert. „Das Ziel war nicht, bis Tokio alle Testergebnisse zu haben, sondern dass bis Tokio alle Athletinnen getestet worden sind.“ Das sei gelungen, betonte Coe: 100 Prozent der WM-Teilnehmerinnen hätten den Gentest absolviert.
Bei der Leichtathletik-WM vom 13. bis 21. September dürfen nur Athletinnen in der Frauen-Kategorie starten, bei denen nicht das sogenannte SRY-Gen festgestellt wurde, das nur Personen mit einem Y-Chromosom haben, und die somit das Ergebnis „weiblich“ vorweisen. Das hatte vor allem französische und in Frankreich ansässige Athletinnen vor Probleme gestellt. Dort sind Gentests nur unter strengen Auflagen erlaubt.
Man müsse akzeptieren, dass nationales Recht Vorrang habe, sagte Coe, aber dann sei es die Aufgabe eines internationalen Verbandes, nach Lösungen zu suchen, damit umzugehen. „Wir hatten kein Interesse daran, unsere Verbände zu bitten, gegen nationales Recht zu verstoßen.“ Viele der Athletinnen seien daher außerhalb Frankreichs getestet worden, etwa bei Wettkämpfen wie der Diamond League.
Coe betonte nochmals, dass die Sicherheit persönlicher Daten „absolut unantastbar“ sei. Bei Problemen im Zusammenhang mit dem Gentest fände ein Gespräch zwischen der Athletin und dem medizinischen Beauftragten statt. Das könne in manchen Fällen auch jemand von World Athletics sein, aber: „Sobald der Test validiert wurde, werden die Daten vernichtet.“
Der Präsident des Weltverbands ist überzeugt davon, dass Gentests die richtige Maßnahme sind, für Chancengleichheit im Sport zu sorgen. Eine Reihe internationaler Verbände führte „sorgfältige und vertrauliche Gespräche“ mit den eigenen Gesundheits- und Wissenschaftsteams darüber, wie man vorgegangen sei. World Athletics habe Entscheidungen getroffen und durchgesetzt: „Im Gegensatz zu anderen Organisationen, die große Reden schwingen und in fünf Jahren immer noch versuchen werden, eine Lösung zu finden.“
