Chanel: Matthieu Blazy begeistert mit neuer Kollektion – Gesellschaft

Die Mode, das lässt sich nach diesem dritten Wurf jetzt mit Sicherheit sagen, hat einen neuen Lieblingsdesigner: Es handelt sich um den romantischen Belgier Matthieu Blazy bei Chanel. Im April 2025 hat er den Job angetreten und seither nichts als Begeisterungsstürme geerntet. Auf dem schmalen Grat zwischen Erneuerung und Bewahrung, von dem so viele schon heruntergepurzelt sind, balanciert der 41-Jährige wie ein professioneller Seiltänzer. Nicht zu verachten natürlich auch die Kulissen: Bei seinem Debüt auf der Fashion Week im Oktober hängte er Planeten ins Pariser Grand Palais, die Métiers d’Art-Kollektion – eine Werkschau der hauseigenen Ateliers – zeigte er in der stillgelegten Bowery Station der New Yorker Subway. Für seine erste Haute-Couture-Show, abermals im Grand Palais, wuchsen am Dienstag nun Pilze aus dem Boden. Pilze, warum eigentlich? Blazy war auf ein japanisches Haiku gestoßen, ins Deutsche übersetzt lautet es etwa: „Vogel auf einem Pilz / Ich sah die Schönheit auf einmal / Dann fort, davongeflogen“. Unsereinem fiele dazu maximal ein T-Shirt ein, auf dem ein Vogel auf einem Pilz sitzt. Blazy aber – und das ist eben die Meisterschaft – hat aus diesem Haiku eine ganze Couture-Kollektion gemacht. Nur wer genau hinsah, erkannte die Federtextur der Kleider, die fungusartige Struktur der Gewebe, die mit Pilzen bestickten Säume und dass an den Absätzen der Pumps wahrhaftig Schwammerl emporwuchsen. All dies höchst kunstvoll und dabei federleicht – als könne die Kollektion im nächsten Moment davonfliegen.