
Der FC Bayern tritt im letzten Heimspiel der Gruppenphase der Champions League gegen Royale Union Saint-Gilloise an. Bei der Partie fehlen die Fans in der unteren Südkurve. Grund ist eine Sperre und eine Entscheidung des Klubs. Diese sorgt für Ärger.
Es war ein sehr ungewohntes Bild, das sich den Zuschauern im Münchner Stadion und den Fans am Fernseher am Mittwochabend bot. Im vorletzten Gruppenspiel und letzten Heimspiel des FC Bayern in der Champions League gegen den belgischen Fußball-Meister Royale Union Saint-Gilloise blieb die untere Südkurve der Münchner Arena leer. Entsprechend war die Stimmung und Lautstärke im Stadion. In der Südkurve stehen die aktivsten Fans, darunter viele Ultras.
„Gegen Kollektivstrafen – für eine lebendige Fankultur“ – das stand auf einem Banner über den leeren Rängen, den die Fans aufgehängt hatten. Sie sangen zudem: „Scheiß Uefa! Scheiß Uefa!“
Hintergrund: Wegen einer Pyro-Strafe des europäischen Verbandes Uefa wurde die Partie ohne Bayern-Fans im Unterrang der Südkurve ausgetragen. Nationalspieler Aleksandar Pavlović nannte den Stimmungsverlust durch weniger lautstarke Fans im Stadion „schade“.
Die Uefa-Disziplinarkommission belegte den FC Bayern nach den Pyrotechnik-Vorfällen im Spiel gegen Sporting Lissabon (3:1) am 9. Dezember 2025 mit einer Geldstrafe von 50.000 Euro und der Sperrung der Blöcke 111 bis 114 im Unterrang der Südkurve. Eine komplette Tribünensperrung blieb dem Verein damit eigentlich erspart. Aus technischen Gründen sah sich der Klub jedoch dazu veranlasst, beinahe doppelt so viele Fans auszusperren.
„Da bei Heimspielen des FC Bayern im Unterrang der Südkurve keine blockweise Ticketvergabe erfolgt und alle 9.336 Tickets für die Blöcke 109 bis 117 gültig sind, ist es dem Klub technisch nicht möglich, ausschließlich die 4.800 Tickets für die Blöcke 111 bis 114 gezielt zu stornieren“, hieß es in einer Mitteilung, die der Klub am 8. Januar verschickte. Deshalb wurden alle Eintrittskarten für diesen Bereich komplett storniert. Der Eintrittspreis wird an den Käuferinnen und Käufer erstattet.
„Haben bewiesen, dass Kollektivstrafen ins Leere laufen“
Die aktive Fanszene des FC Bayern, darunter viele Ultra-Gruppierungen, versendete Mittwochabend eine Mitteilung. Darin heißt es: „Selbst bei einer Kollektivstrafe wie dem Teilausschluss am heutigen Heimspiel sind wir lautstark und zahlreich im Stadion vertreten. Wir haben bewiesen, dass Kollektivstrafen ins Leere laufen und die Strafenpolitik des Verbands und unseres Vereins jederzeit ad absurdum geführt werden kann.“
Rund 1000 Ultras hatten sich im Oberrang der Südkurve mit Tickets eingedeckt und sorgten dafür, dass die Stimmung nicht völlig weg war. Die Fanszene äußerte weiter deutliche Kritik am Klub: „Die Uefa hat fast 4800 Plätze im Unterrang der Südkurve für das heutige Heimspiel geschlossen. Der FC Bayern München hat diese bereits unverhältnismäßige Strafe aus freien Stücken verdoppelt, wodurch alle 9.336 Plätze im Unterrang gesperrt wurden. Ein solches Vorgehen ist ein beispielloser Präzedenzfall, der nicht unwidersprochen bleiben darf. Kollektivstrafen sind nicht mit dem Rechtsgedanken einer freiheitlichen Gesellschaft vereinbar, auch im Teilbereich des Sports. Sie spielen die Betroffenen gegeneinander aus und nehmen Unbeteiligte in Sippenhaft.“
Des Weiteren hieß es in der Mitteilung: „Wir fordern alle Vereine und insbesondere den FC Bayern dazu auf, sich für seine Fans und Mitglieder einzusetzen und das unverhältnismäßige Rechtsverständnis der Uefa kritisch zu hinterfragen. Wir werden Kollektivstrafen niemals akzeptieren, denn ‚wir sind immer hier‘!“
Julien Wolff ist Sportredakteur im Sportkompetenzcenter. Er berichtet für WELT seit vielen Jahren aus München über den FC Bayern und die Nationalmannschaft sowie über Fitness-Themen.
