

Der Fußball ist zum Zahlenspiel verkommen. Wer am Mittwochabend die XXL-Konferenz mit 18 parallelen Spielen anschaltete, bekam im Schnitt alle 90 Sekunden ein Tor zu sehen. Es fühlte sich an wie Champions League im Tiktok-Format: kurze Clips, schnelle Schnitte, Dauerbeschallung. Kaum fiel irgendwo ein Treffer, war man schon wieder im nächsten Stadion. Das befriedigte den Wunsch, alles gleichzeitig zu sehen, und sorgte dafür, dass man am Ende wenig von der Entwicklung eines einzelnen Spiels verstanden hatte.
Damit hat der europäische Fußballverband UEFA eines seiner Ziele zumindest teilweise erreicht: Die Ligaphase sorgt für mehr Abwechslung, mehr Entscheidungen, mehr Unterhaltung – und erschwert zugleich jegliche Einordnung. Klubs kämpfen schon lange nicht mehr unter denselben Bedingungen, aber seit der Reform tun sie es noch weniger. Jeder Verein spielt seine eigene Champions League, gegen acht verschiedene Gegner, aber nicht dieselben wie die der Konkurrenz, und am Ende treffen sich alle in einer Tabelle wieder. Warum Team A besser war als Team B, lässt sich nicht immer erklären, nur noch berechnen.
Die großen Klubs können stolpern, ohne zu fallen
Die reformierte Champions League produziert zwar Überraschungen, sie haben aber nicht mehr den gleichen Effekt. Und genau hier liegt das Problem, das auch der letzte Spieltag nicht verdecken kann: Der neue Modus erzeugt Dramatik, aber auch ein System, in dem Niederlagen folgenlos bleiben können. Paris Saint-Germain, Inter Mailand – in der vergangenen Saison immerhin Finalteilnehmer – und Real Madrid haben den Direkteinzug ins Achtelfinale verpasst, gegen Mannschaften aus der unteren Tabellenregion dürften sie sich in den Play-offs aber trotzdem durchsetzen. Die großen Klubs können stolpern, ohne zu fallen – das neue Format stellt ihnen das Netz bereit.
Die Reform nutzt vor allem denen, die ohnehin schon oben stehen: den reichen Klubs und der UEFA. Mehr Spiele bedeuten mehr TV-Einnahmen, mehr Planungssicherheit und – durch die Play-offs – eine zusätzliche Absicherung. Wer einen breiten Kader und ein großes Budget hat, kommt durch, selbst mit mittelmäßigen Leistungen.
So hat sich die Hierarchie im europäischen Fußball trotz der Reform weiter verfestigt. Fünf der acht Vereine, die im Achtelfinale stehen, kommen aus der englischen Premier League. Die vier zusätzlichen Vereine im Wettbewerb sorgen für mehr Spiele und mehr Geld, für mehr Durchmischung eher nicht. Klubs wie Qarabağ Ağdam oder Bodø/Glimt mögen vielleicht die Play-offs überstehen, aber dass sie weiter kommen als ins Achtelfinale, erscheint angesichts der finanziellen Unterschiede illusorisch.
Der letzte Spieltag in der Ligaphase zeigt das Dilemma dieser Champions League: maximale Bewegung, minimale Folgen – und ein Modus, der vor allem eines tut, die europäische Elite absichern. Aufregend ist das schon, fairer macht es den Wettbewerb aber nicht.
