Was macht eine Tapirmutter mit ihrem Baby in Caldes de Malavella? Überrascht blicke ich der größeren der beiden Tapirfiguren in die braunen Augen. Ich dachte immer, diese Tiere gäbe es nur in Amerika. Caldes de Malavella kannte ich bisher nur wegen der heißen Quellen, die hier aus dem Boden sprudeln. Schon zu Zeiten der römischen Besiedlung wurden hier Thermalbäder errichtet und auch heute noch kann man in den Balnearios, so heißen Wellness-Oasen und Spas, die wohltuende Wärme des aus den Tiefen der Erde stammenden Wassers genießen.

Aber natürlich gibt es nicht nur heiße, sondern auch kalte Quellen in Caldes de Malavella. Auch zum Trinken wird das mineralhaltige Wasser hier in Flaschen gefüllt. Bestimmt hast du auch schon einmal ein Vichy Català oder eines der anderen Wasser probiert? Und es gibt noch mehr zu sehen. Ein kleines Museum das “Espai AQUAE” nahe der historischen Therme, erklärt nicht nur die besondere Geologie des Ortes, sondern auch, warum ich hier den beiden Tapiren gegenüberstehe.


In Caldes prägte eine ganze Reihe an Vulkanausbrüchen vor vielen Millionen Jahren die Landschaft rund um den beliebten Kurort. Auf dem Puig de Sant Maurici entstanden beispielsweise sechskantige Basaltsäulen, von denen ein paar Steine vor dem kleinen Museum aufgebaut sind. An einer anderen Stelle, an der die Erde vor über drei Millionen Jahren ebenfalls bebte, liegt heute eine ganz besondere Ausgrabungsstätte, el Camp dels ninots. Der Besuch des kleinen Interpretationszentrums bestätigt meine These, dass sich hier alles ums Wasser dreht, sogar wenn es gar nicht mehr da ist.


Denn weil so viel Wasser im Boden war, entstand bei der Eruption eines Vulkans ein riesiger Krater, der sich nach der Explosion wieder mit Wasser füllte. Doch unter diesem See waren Gase eingeschlossen, die einen Weg nach draußen suchten. Irgendwann im Laufe der Jahrtausende fand die brodelnde Masse unter der Erde einen Weg nach oben. Bei dieser Explosion wurden so giftige Gase frei, dass alle Lebewesen in der Umgebung sofort starben. Eine Tragödie. Tapire, Nashörner und viele andere Geschöpfe, die mit ihren Jungtieren am See friedlich Wasser tranken, fielen einfach tot um.

Für die Paläontologen heute stellt dieser Ausbruch eine unschätzbare Fundgrube dar. Die Lage der gefundenen Skelette zeigt keinerlei Anzeichen von Fluchtverhalten. Zum Weglaufen oder um irgendwie zu reagieren, blieb den Tieren einfach keine Zeit. Von einem Augenblick auf den anderen erlosch rings um den See alles Leben. Wieder füllte sich der Krater mit Wasser und begrub die toten Tiere unter sich. Die vollständig erhaltenen Knochen, die bei den jährlich stattfindenden Ausgrabungen zutage gefördert werden, verraten den Wissenschaftlern viel über die Geschehnisse damals.


In dem kleinen Museum staune ich noch über etwas anderes, die Ninots. Ninots werden kleine weiße Steinchen mit teilweise skurrilen Formen genannt, die dort, wo einst der See lag, im Boden zu finden sind. Ein wenig erinnern mich diese kuriosen Ninots an Bleigeißen oder an die Figuren der Barbapapas aus den 70er Jahren. Doch was sind sie genau?

Auf Deutsch heißen diese länglichen Steinchen Menilithen (Leberopale/ Knollensteine). Sie entstehen, wenn sich in den löchrigen Aushöhlungen des Gesteins kleine Staub- oder Sandpartikel sammeln, die – ähnlich wie Perlen in einer Auster – mit der Zeit immer größer werden, bis sie die Aushöhlung komplett ausfüllen und nicht mehr weiterwachsen können. Viele Jahrtausende lagern diese Opale dann unter der Erde bis der Boden aufgebrochen und die äußere Gesteinsschicht „geknackt“ wird. Dann purzeln die kleinen Ninots aus ihren Löchern und mischen sich mit der Erde und kleinen Steinen der Umgebung. Weil es auf den Äckern und Feldern, die dort liegen, wo sich einst der Vulkankrater befand, ungewöhnlich viele dieser Sedimentknöllchen gab, die die Kinder früher einsammelten und damit spielten, nannte man die Gegend el Camp dels Ninots, das Feld der Ninots.
Informationen zum Camp dels Ninots
Wo befindet sich das Museum? Der Espai Aquae liegt im Zentrum von Caldes de Malavella auf dem „Puig de Sant Grau“ einer kleinen Anhöhe, auf der im 12. Jahrhundert die Burg von Caldes stand. Die mittelalterliche Burg hatte man oberhalb der antiken Badeanlage der Römer errichtet, daher befinden sich die Überreste der römischen Therme direkt neben dem Interpretationszentrum.

Carrer de Sant Grau 23
17455 Caldes de Malavella (Girona)
Website Espai Aquae: visitcaldes.cat

Das Museum erklärt in mehreren Sälen, was es alles in und um Caldes zu sehen gibt: der erste Saal ist den Vulkanen gewidmet, ein anderer den Quellen und ein dritter Saal widmet sich der römischen Epoche der Stadt. Kurz bevor der Rundgang endet gelangt man durch die Ausstellung über die industriellen Wasserabfüllanlagen in den Bereich der paläontologischen Funde des Camp dels Ninots. Forschungsinstitut Institut Català de Paleoecologia Humana i Evolució Social (auf Englisch) iphes.cat

Eine beschilderte Route mit Erklärungstafeln und Bildern führt rund um „el Camp dels Ninots“: wikiloc.com/rutas-senderismo/


Hinweis: Bereist im Oktober 2025. Besuch auf Presseeinladung – Danke an La Selva Turisme
