Busemanns WM-Kolumne: Merlin Hummel: kein Hämmerchen – eher ein Vorschlaghammer


Kolumne

Stand: 16.09.2025 16:57 Uhr

Merlin Hummel ist der Hammer. WM-Silber mit KI – kolossaler Intelligenz. Dabei ist WM-Silber nur eine Durchgangsstation, meint ARD-Leichtathletik-Experte Frank Busemann.

Das war ja mal der Hammer! Nie war eine Floskel treffender. Nach vielen erfolgreichen deutschen Hammermännern vor langer, langer Zeit haben wir jetzt wieder einen Big Boy in der Weltelite des gepflegten Vierfachkreisens. Und was für einen. Kein Hämmerchen, eher ein Vorschlaghammer. Sozusagen der Supermottek aus Bayern.

Die Hoffnungen auf eine außergewöhnliche Performance für ein Topergebnis hatte Merlin Hummel selbst eingefädelt. Klar in der Birne, nerdige Hirnwindungen. Einer, der sich in den Tiefen der Technik und neuen Methoden wohlfühlt und eine Entwicklung macht, wie man sie braucht, wenn man zu den Besten der Welt gehören will.

WM-Silber nur eine Durchgangsstation

Behutsam von seinem Trainer aufgebaut, unterstützt, begleitet, mit einem langfristigen Plan. Mit 23 Jahren ist er bei der Silbermedaille angekommen. Dieser Karrierehöhepunkt soll und wird nur eine Durchgangsstation sein. Als Markus Esser die letzte Hammerwurf-Medaille für Deutschland gewann, war er drei. Ein kleines Kind, dieser Koloss, kaum vorstellbar.

Zaubern kann nur Merlin

Mittlerweile sind wir im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz angekommen. Die schmeißt zwar keine Hämmer weg, die kann aber bei der Analyse unterstützen. Hummel hat da einfach auch studientechnisch Interesse. Bei ihm sozusagen eine Win-Win-Situation, und er kann sich sicher sein, dass ihn die KI nie ersetzen wird.

Zaubern kann die nämlich nicht. Das kann nur der Merlin. Zudem bastelt er mit seinem Trainer an seltsamen Geräten rum, die die Welt noch nicht gesehen hat. Man muss unkonventionelle Wege gehen, um exponentielle Leistung zu erzeugen.

Die Ruhe eines erfolgreichen Werfers

Gleich im ersten Versuch warf er seine beste Leistung und das, indem er nachlegte! Die späteren Medaillengewinner hatten zuvor in ihren ersten Versuch angedeutet, geschenkt gibt es hier nichts. Dann die Ruhe zu bewahren, dann auf Anhieb anderthalb Meter über Bestleistung zu werfen, das ist schwer. Schwerer als die 7,26 Kilo am Draht. Das zeugt von eben dieser Ruhe, die man als erfolgreicher Werfer benötigt.

Marshmallow-Test bestanden

Er hätte als Kind, zu Zeiten der bis dato letzten deutschen Medaille von Markus Esser den sogenannten Marshmallow-Test bestimmt „bestanden“. Darin wird Kindern ein Marshmallow gegeben, den sie verzehren können, aber wenn sie eine unbestimmte Zeit warten, gibt es einen zweiten. Belohnungsaufschub nennt man das.

Das muss ein Sportler können und ganz speziell ein Werfer. Ich investiere im Hier und Jetzt, im Training, oder schon im Anschwung, mit Muße, mit Ruhe, weil ich weiß, dass ich hintenraus explodiere. Da gibt es die Belohnung. Kann er. 82,77 Meter. Test bestanden. Die Mühen wurden mit Silber entlohnt.

Fortschritt ist Lernen

Und er ist noch lange nicht fertig. Die Fühler sind schon ausgetreckt, Fortschritt ist Lernen. Was können sie von der KI lernen, was von anderen Trainern, was von anderen Athleten? Sie sind im Austausch, überall gibt es Potenziale, die gehoben werden können. Dafür muss man wach und mit offenen Augen durch die Welt gehen und lernen. Das ist die KI. Ihre kolossale Intelligenz.