Der VfB Stuttgart und der 1. FC Heidenheim haben sich in einem torreichen Schwaben-Duell an der Brenz unentschieden getrennt. Zwei Stuttgarter Treffer zählten nicht.
Chris Führich hatte den VfB Stuttgart schon nach fünf Minuten in Führung gebracht, Eren Dinkci traf eine Viertelstunde später zum Ausgleich (20. Minute). Nach 34 Minuten drehte Heidenheim per Foulelfmeter von Arijon Ibrahimovic sogar die Partie, zuvor war ein Treffer von Ermedin Demirovic wegen eines vorangegangenen Foulspiels aberkannt worden. Maximilian Mittelstädt erzielte kurz vor der Pause per Strafstoß den 2:2-Ausgleich (45.). In der 82. Minute traf Sirlord Conteh zum 3:2 für den 1. FC Heidenheim, Deniz Undav stellte mit seinem 3:3 den Endstand her (88.).
Besser hätte der Beginn für den VfB Stuttgart kaum laufen können. Im schwäbischen Duell mit dem Tabellenletzten aus Heidenheim sorgte Angreifer Chris Führich bereits mit der ersten nennenswerten Offensivaktion für die Stuttgarter Führung. Vorausgegangen war ein Ballverlust von Heidenheims Jan Schöppner in der eigenen Hälfte – Führich nutzte den Aufbaufehler, umspielte in hohem Tempo FCH-Kapitän Patrick Mainka und ließ Keeper Diant Ramaj aus rund 13 Metern keine Chance – 1:0 für den VfB (5. Minute).
VfB besser, Heidenheim gibt sich nicht auf
Im Gegensatz zu vergangenen Auftritten ließen die Gastgeber sich vom frühen Rückstand jedoch nicht gänzlich verunsichern. Zwar blieb der VfB Stuttgart das spielbestimmende Team, doch Heidenheim versuchte immer wieder, sich mit langen Bällen vor das Tor der Gäste zu spielen. Mit Erfolg. Nach 20 Minuten vollendete Eren Dinkci einen Querpass von Conteh aus elf Metern zum 1:1-Ausgleich (20.). Zehn Minuten später stand die Leihgabe des SC Freiburg schon wieder im Mittelpunkt des Geschehens.
Nach einem Heidenheimer Konter über Christian Conteh auf der rechten Seite erlief der Deutschtürke im Gästestrafraum den Ball und kam im Zweikampf mit Mittelstädt zu Fall. Schiedsrichter Sascha Stegemann entschied zunächst auf Weiterspielen. Den Stuttgarter Gegenstoß über Bilal El Khannouss veredelte Ermedin Demirovic sehenswert per Drehschuss zum 2:1 für den VfB Stuttgart – dachten zunächst alle (30.). Während Stuttgart jubelte, protestierten die Hausherren vehement. Zurecht, wie der Referee nach Ansicht der Videobilder entschied. Mittelstädt hatte im Zweikampf mit Dinkci lediglich dessen Schienbein, jedoch nicht den Ball erwischt. Statt der erneuten Führung für den VfB Stuttgart entschied Stegemann auf Strafstoß für Heidenheim.
Ibrahimovic dreht das Spiel, Stuttgart kommt zurück
Diesen verwandelte Sommerneuzugang Arijon Ibrahimovic ins rechte untere Eck (34.). Der 1. FC Heidenheim hatte das Spiel gedreht. Die Freude über die FCH-Führung währte jedoch nicht lange an der Brenz. Kurz vor dem Pausenpfiff entschied Stegemann schon wieder auf Elfmeter. Dieses Mal auf der anderen Seite. Conteh hatte Chema Andrés mit einer Berührung am Knie von den Füßen geholt. Eine harte, aber vertretbare Entscheidung. Den fälligen Foulelfmeter verwandelte Maximilian Mittelstädt zum 2:2. Kurz vor dem Pausenpfiff hätte Heidenheim sogar noch einmal in Führung gehen können, doch der Kopfball von Mainka segelte knapp am Tor vorbei. So gingen die Teams mit einem Remis in die Kabine.
Die zweite Hälfte begann zunächst ohne zwingende Offensivaktionen. Weder der VfB Stuttgart, noch der FCH schaffte es, gefährliche Momente zu erarbeiten. Ein Schuss von Dinkci aus rund 14 Metern konnte VfB-Keeper Alexander Nübel nicht vor Probleme stellen (50.). So reagierte Stuttgarts Cheftrainer Sebastian Hoeneß früh mit einer ersten Auswechslung. Für Tiago Tomas kam Deniz Undav (52.). In der Folge erspielte sich der VfB langsam aber sicher ein Übergewicht, Heidenheim verlegte sich aufs Kontern.
Demirovic trifft wieder – Treffer zählt wieder nicht
Nach 73 Minuten jubelte der VfB Stuttgart erneut. Wieder hatte Demirovic getroffen, dieses Mal per Kopf nach einem Freistoß-Chip von Angelo Stiller an den Elfmeterpunkt. Doch einmal mehr entschied Stegemann nach Videobeweis gegen den VfB. Demirovic hatte im Moment des Abspiels knapp im Abseits gestanden. Es blieb beim 2:2.
„Es sollte heute nicht sein“, so der verhinderte Torjäger nach dem Spiel am SWR-Mikrofon. „Es ist extrem bitter. Vor zwei Tagen in Glasgow wurde schon ein Treffer von mir zurückgenommen, jetzt wieder zwei. Da hat man das Gefühl, man darf gar nicht mehr jubeln“, so Demirovic weiter, um dann aber doch noch optimistisch hinzuzufügen: „Irgendwann zählt er schon wieder und dann werde ich auch wieder jubeln können.“
Conteh und Undav sorgen für den Endstand
Vor allem die Gastgeber aus Heidenheim wollten sich mit der Punkteteilung nicht zufrieden geben, suchten nun immer stärker den Weg nach vorne und wurden für das erhöhte Risiko belohnt. In der 82. Minute erkämpfte sich Stefan Schimmer am Mittelkreis gegen Ramon Hendriks den Ball und schickte Ibrahimovic steil an den Sechzehner. Dessen Abschluss konnte Nübel nur nach vorne parieren – genau in die Beine von Sirlord Conteh, der aus wenigen Metern abstaubte. Die erneute Führung für den FCH.
Für den Schlussakkord durfte dann aber wieder Stuttgart ran. Der kurz zuvor eingewechselte Jamie Leweling setzte mustergültig den ebenfalls eingewechselten Deniz Undav am Heidenheimer Strafraum in Szene, der von der Sechzehnerkante freistehend abzog – und traf. Diesmal zählte der Stuttgarter Treffer. Der letzte Akt in einem verrückten Spiel, das am Ende keinen Sieger mehr fand.
Durch die Punkteteilung steht der VfB Stuttgart am Ende des 23. Spieltags auf dem vierten Tabellenplatz, zwei Punkte vor Verfolger Leipzig. Der 1. FC Heidenheim bleibt mit 14 Zählern am Tabellenende und hat weiter sechs Punkte Rückstand auf St. Pauli und den Relegationsplatz. Am kommenden Wochenende trifft Heidenheim im Abstiegskracher auf Tabellennachbar Werder Bremen. Der VfB Stuttgart empfängt zuhause den VfL Wolfsburg.
