

In den nächsten Wochen und Monaten dürfte in den Fußballdiskussionen in Deutschland wieder ein Begriff zu hören und zu lesen sein, der vor großen Turnieren der Nationalmannschaft zuverlässig gesagt und geschrieben wird: Bayern-Block. So wird die Gruppe der deutschen Spieler des FC Bayern München genannt, die auch in die Nationalmannschaft berufen werden. Mit Blick auf die Weltmeisterschaft ist in den vergangenen Wochen schon diskutiert worden, ob der 17-jährige Lennart Karl nicht das neueste Mitglied des Bayern-Blocks werden sollte. Doch am Sonntag hat Vincent Kompany, dem solche Diskussionen völlig egal sind, mit einer Entscheidung womöglich einen weiteren seiner Kicker ins Spiel gebracht.
Als Kompany die Aufstellung für das Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg ausgewählt hat, fehlte dem Trainer des FC Bayern ein Spieler, der sonst fast immer da ist. Am Sonntagabend aber musste Joshua Kimmich wegen Sprunggelenksproblemen ausnahmsweise aussetzen. Und es war interessant, dass Kompany in der Mittelfeldmitte neben Aleksandar Pavlović
nicht den 30-jährigen Leon Goretzka aufstellte, sondern den 20-jährigen Tom Bischof.
Unaufgeregter Auftritt von Bischof
In seiner ersten Saison mit dem FC Bayern hat es Bischof schon mehrmals als Linksverteidiger, am Sonntag aber erst zum zweiten Mal auf seiner Lieblingsposition in die Startaufstellung geschafft. Dort machte er das, was ein Mittelfeldspieler machen sollte. Von seinen 92 Passversuchen kamen 89 an (60 von 62 in der Hälfte des Gegners). So trug er mit unaufgeregten Aktionen zur aufregendsten Statistik bei: dass sein Team tatsächlich mit 8:1 siegte und damit nach 16 Spieltagen in der Bundesliga immer noch nicht verloren hat.
Es waren noch nicht mal fünf Minuten vorbei, als Bischof den Ball mit leichtem Schwierigkeitsgrad zu Josip Stanišić passte (einer von vier Bayern-Spielern, der sich bei Minus-Temperaturen in der Arena in München für das kurzärmelige Trikot entschied). Stanišić wiederum spielte den Ball mit schon höherem Schwierigkeitsgrad zu Luis Díaz. Kurz danach war der Ball dann das erste Mal an diesem Abend im Tor, weil der Wolfsburger Kilian Fischer, der verhindern wollte, dass Michael Olise den Querpass von Díaz ins Tor schoss, das dann aus Versehen selbst machte.
Als Díaz den Ball fünf Minuten später knapp am Tor vorbeischoss, glaubte man, dass es eines dieser Spiele werden wird, die man in dieser Saison schon so oft gesehen hat, wenn die Bayern einen Gegner überrennen. Doch dann brachte Dayot Upamecano (der zweite Bayern-Spieler mit kurzärmeligem Trikot) seine Mitspieler in Bedrängnis, als er den Ball in der eigenen Spielfeldhälfte von der Seite unnötigerweise hoch in die Mitte spielte, wo die Wolfsburger ihn eroberten. Ein guter Pass von Konstantinos Koulierakis auf Lovro Majer. Ein sehr guter Pass von Majer auf Dženan Pejčinović. Ein Schuss an Manuel Neuer vorbei. Schon stand es 1:1 (13. Minute). Und es hätte aus Sicht des FC Bayern sogar 1:2 stehen können, wenn Christian Eriksen in der 23. Minute etwas genauer geschossen hätte.
Es ist in dieser Saison den wenigsten Mannschaften gelungen, gegen den FC Bayern in Führung zu gehen. Und es gelang dann auch den Wolfsburgern nicht mehr, weil in der 30. Minute Olise flankte und Díaz köpfte. 2:1. Und Tom Bischof? Sein Trainer applaudierte ihm kurz danach, als er im Pressing aggressiv war und mit einer schnellen Bewegung einen Pass der Wolfsburger ins Aus blockte.
Traumtor von Kane zum 6:1
In der zweiten Halbzeit ist es dann doch noch eines dieser Spiele geworden, die man in dieser Saison schon so oft gesehen hat. Weil Michael Olise in der 50. Minute das 3:1 schoss. Weil er in der 53. Minute vor dem Wolfsburger Tor so gut auf Díaz passte, dass Moritz Jenz dazwischengrätschen musste und mit dieser Dazwischengrätsche ins eigene Tor traf. Und weil Olise und seine Bayern den Gegner danach überrannten.
68. Minute: Harry Kane passte in einer Kombination der übrigen Kurzärmeligen im Strafraum zum eingewechselten Raphaël Guerreiro, der den Ball nur noch ins leere Tor schießen musste. 5:1. 69. Minute: Kane schoss dieses Mal am linken Strafraumeck selbst – und zwar so präzise, dass der Ball gegen die Unterseite der Latte, gegen die Innenseite des Pfostens und dann ins Tor flog. 6:1. 76. Minute: Díaz auf Olise, den Spieler des Spiels. 7:1. Als der eingewechselte Leon Goretzka dann auch noch das 8:1 machte (88. Minute), war es dann doch ein Spiel, das man in dieser Saison so noch nicht gesehen hat. Weil acht Tore in einer Partie in dieser Saison selbst für die Rekord-Bayern ein Rekord waren.
Der FC Bayern wirkt seinen deutschen Gegnern im Januar 2026 aber so überlegen, dass selbst das Außergewöhnliche nicht mehr so außergewöhnlich scheint. So durfte man während dieses Acht-Tore-Spiels auch auf die Nebendarsteller schauen. Und fürs Erste festhalten, dass man Tom Bischof fünf Monate vor dem ersten Spiel der WM mit Blick auf einen möglichen Bayern-Block zumindest auf dem Zettel haben sollte.
