Der FC Bayern zieht einsam seine Kreise wie ein Greifvogel in der Thermik. Gegen Union Berlin erzielten Michael Olise, zweimal Serge Gnabry und Harry Kane die Tore beim 4:0. Alles zum Spiel des FC Bayern finden Sie hier. Der Rest der Liga bot aber an diesem Samstag beste Unterhaltung – nicht nur das Derby zwischen dem 1. FC Köln und Borussia Mönchengladbach.
Ist dieses Derby wirklich passiert?
Alles deutet darauf hin. Am besten erzählt man es der Reihe nach: Erster Angriff Gladbach, Franck Honorat spielt einen Traumsteilpass an zwei Kölner Abwehrspieler vorbei zu Jens Castrop, der vor der natürlich sehr emotionalisierten Kölner Kurve das 1:0 erzielt. Hui. Direkter Gegenzug: Einen langen Schlag von Isak Johannesson nimmt Said El Mala traumhaft an und verwandelt mit der direkt folgenden Drehung nicht weniger sehenswert zum 1:1. El Mala, der am Donnerstag von Bundestrainer Julian Nagelsmann nicht fürs DFB-Team nominiert wurde und angeblich mit dem englischen Klub Brighton über einen Wechsel kommenden Sommer verhandeln soll, dürfte allein durch dieses Tor wieder ein paar Millionen Euro teurer geworden sein. Aber halt, das war’s noch nicht. Wieder gelingt Köln ein ganz feiner Spielzug über Jakob Lundt und Jakub Kaminski, der volley auf Ragnar Ache ins Zentrum passt. Tor. 2:1. Ekstase nach nicht mal acht Minuten. Es dauert dann doch ewig erscheinende 13 weitere Minuten, bis Gladbachs Philipp Sander den Ausgleich schießt, diesmal durch ein vergleichsweise normales Tor, nach einem Block staubte der Innenverteidiger ab.
Mit 2:2 ging es nach einem Pfostenschuss von Gladbach in die Pause einer Begegnung, bei der zuvor mal wieder Fragen nach der Zukunft von Kölns Trainer Luka Kwasniok gestellt wurden. Das ist selten ein gutes Zeichen, der FC konnte vor dem Derby keines der vergangenen sechs Spiele gewinnen.
Den fußballerischen Höhepunkt dieses Spiels hob sich dann Jens Castrop für die 60. Minute auf. Der gebürtige Düsseldorfer, der in der Jugend des 1. FC Köln ausgebildet wurde, knallte den Ball von der linken Strafraumecke aus in das rechte obere Toreck. Kevin Diks polierte dem Torschützen symbolisch den Schuh. Es wäre aus Borussia-Sicht die perfekte Pointe gewesen. Aber Eric Martel köpfte in der 84. Minute den zu diesem Zeitpunkt verdienten Ausgleich. Und weil in diesem Spiel wenig normal war, sah er kurz darauf Gelb-Rot, weil er mit dem Ellbogen voraus in einen Luftzweikampf sprang.
Gladbach, das den Rivalen vom Rhein schon in der Hinrunde besiegte, verpasst damit knapp die perfekte Derbysaison, kann mit diesem Punkt aber sehr gut leben. Köln dagegen könnte bei einem Sieg von St. Pauli am Sonntag auf den Relegationsrang rutschen. Und die Fragen nach Lukas Kwasnioks Zukunft werden nun in höherer Frequenz gestellt werden. „Unterm Strich muss man sagen, dass der Punkt zu wenig ist“, sagte Kölns Geschäftsführer Sport Thomas Kessler nach dem Spiel bei Sky. Eine Garantie, dass Kwasniok nach der Länderspielpause noch Trainer ist, wollte er nicht abgeben.

Wird für den VfL Wolfsburg alles noch schlimmer?
Ja. Denn Wolfsburg verlor wieder, zum 16. Mal in dieser Saison. Aber von vorn: Schon vor dem Anpfiff dieses pikanten Abstiegskampfduells zwischen Wolfsburg (17.) und Werder Bremen (15.) lagen offenbar bei einigen die Nerven blank, zumindest bei manchen vermeintlichen Fans. Denn nach Vorfällen rund um Bremer Anhänger, die angeblich Ordner angegriffen hatten, ließen Werder-Ultras ihre Plätze im Stadion leer. Die Werder-Fanhilfe machte wiederum der Polizei Vorwürfe. Man muss es leider sagen: Jede Woche Theater irgendwo rund um Bundesligaspiele.
Friedlicher verlief die Partie, aber schön war sie über weite Strecken nicht. Beizeiten sah sie aus wie italienischer Catenacchio der Achtzigerjahre, angereichert nur mit dem obligatorischen Verschieben der Positionen. Überlebensfußball ist kein ästhetischer Fußball. Immerhin, bei zwei Wolfsburger Chancen durch Christian Erikson und Jesper Lindström kurz vor der Halbzeitpause blitzte Können auf. Beide Mal rettete Werders Torwart Mio Backhaus.
Der VfL blieb bemüht, doch Bremen, kaum offensiv auffällig, traf aus dem Nichts. Justin Njinmah schob im Strafraum mit Eiseskälte vom rechten Rand ins lange Eck ein. VfL-Verteidiger Moritz Jenz kassierte noch die gelb-rote Karte. Werder schaffte mit dem siebten Saisonsieg einen Mini-Befreiungsschlag, Wolfsburg erlebte den nächsten Mini-Absturz. Nur langsam wird’s wirklich düster für die Niedersachsen.

Wie verkraftet Leverkusen das Champions-League-Aus?
Gut. Aber nur eine Halbzeit lang. Dabei hatte Bayer Leverkusen den idealen Aufbaugegner, um sich nach der Niederlage beim FC Arsenal aufzubauen. Und um sich im Kampf um die Champions-League-Plätze in der Bundesliga zurückzumelden. Der 1. FC Heidenheim ist abgeschlagen Tabellenletzter, wobei man der Mannschaft aus dem Osten Baden-Württembergs hoch anrechnen muss, wie ehrenhaft sie dieses Schicksal angenommen hat. In anderen Klubs würden sie sich längst selbst zerfleischen.
Leverkusen dominierte mit seinem flüssigen Kombinationsstil sofort die Partie, so wie Arsenal vor wenigen Tagen die Bayer-Auswahl noch beherrscht hatte. Dem Deutsch-Amerikaner Malik Tillman gelang nach 22 Minuten das 1:0 für die Gäste-Elf mit einer Volleyabnahme im Strafraum. Das 2:0 erzielte Patrik Schick per Kopfball nach einer Chip-Flanke von Alejandro Grimaldo.
Ein Glücksschuss brachte Heidenheim in der zweiten Halbzeit tatsächlich zurück in die Partie. Hennes Behrens flankte, der Ball flog durch mehrere Beine im Strafraum hindurch und landete ohne weitere Berührung im Bayer-Netz. Und als Robert Andrich eher weniger geschickt Marvin Pieringer von hinten zum Straucheln brachte und es Elfmeter gab, glich Pieringer selbst sogar zum 2:2 aus. Leverkusen reagierte souverän, Ecke Grimaldo, wieder Kopfball Schick, 3:2 für Bayer.
Heidenheim? Dachte sich, was die können, können wir auch. Ecke, Kopfball Pieringer, 3:3. Dabei blieb es. Das Remis hilft beiden Teams nicht viel, aber weil Heidenheim sich, wie erwähnt, ehrenhaft in sein Schicksal fügt, werden die zwei verlorenen Punkte Leverkusen vermutlich mehr ärgern.
