Bundesliga aktuell: Can sichert spät Dortmunds Sieg, Erleichterung in Köln – Sport

Die Bundesliga-Rückrunde hat schon vor dem ersten Spiel mit einer Enttäuschung begonnen, wenngleich es keine besonders überraschende war: Niko Kovac, Trainer vom Tabellenzweiten Borussia Dortmund, hat angesichts von elf Punkten Rückstand auf den FC Bayern den Kampf um die Meisterschaft aufgegeben. „Dass wir die Bayern nicht angreifen können, ich glaube, das sieht jeder“, sagte er. Und das stellten die Dortmunder trotz eines in letzter Minute errungenen 3:2 gegen St. Pauli auch am Samstag wieder unter Beweis. Relevanter waren am 18. Spieltag (alle Ergebnisse finden Sie hier) aber andere Tabellenregionen als die ganz oben.

Wo ist die Krise gerade am akutesten?

In Frankfurt. Bei der Eintracht stellte Sportchef Markus Krösche nach dem 3:3 in Bremen am Freitagabend recht offen Trainer Dino Toppmöller infrage: „So können wir nicht weitermachen, so können wir nicht auftreten. Wir sind Eintracht Frankfurt und wir haben einen Anspruch an uns selber, wie wir Fußball spielen wollen.“

Wo ist die Krise erst mal abgewendet?

In Köln. Von gravierenden atmosphärischen Verstimmungen zwischen Trainer Lukas Kwasniok und Mannschaft war seit Tagen die Rede. Trotz einer für den Abstiegskampf recht komfortablen Position im Tabellen-Mittelfeld waren sich alle einig, dass es sich beim Spiel gegen Mainz um eine Art Endspiel für den Trainer handelte. Und er drohte es zunächst zu verlieren: Nach einem verdienten 0:1-Rückstand zur Pause – Mainz-Verteidiger Stefan Ball traf wie ein Mittelstürmer mit einem Schuss aus der Drehung unter die Latte (29.) – gab’s Pfiffe von den Fans, die am vergangenen Wochenende schon gegen Kwasniok protestiert hatten.

In einer für ihn persönlich wahrscheinlich ziemlich wichtigen Halbzeitpause wechselte der Trainer dann den Stürmer Ragnar Ache ein. Und der Sommer-Zugang vom 1. FC Kaiserslautern sorgte mit zwei Kopfballtoren (57., 85.) dafür, dass die Kölner das Spiel noch drehten und erstmals seit dem neunten Spieltag wieder gewannen. Das Tor zum 2:1-Endstand erzielte Ache im Nachsetzen am Pfosten mit seinem Gesicht. Mainz, ohne den erkrankten Nadiem Amiri angereist, ist derweil erst mal wieder Tabellen-Vorletzter.

Noch jemand unzufrieden?

Es fehlte nicht viel, und in Dortmund wäre die Stimmung wohl ausgesprochen schlecht gewesen. War sie dann aber gar nicht, im Gegenteil: Das Westfalenstadion bejubelte ein Elfmetertor von Emre Can in der Nachspielzeit zum 3:2-Sieg gegen den FC St. Pauli.

Ähnlich wie unter der Woche beim 3:0 gegen Werder Bremen verwöhnte der BVB seine Fans gegen den Abstiegskandidaten nicht unbedingt mit einem Spektakel. Auch Friedrich Merz, der auf der Tribüne neben Dortmunds Präsident Hans-Joachim Watzke erstmals als Bundeskanzler im Stadion war, sah erst mal wenig, was ihn von seinem gerade nicht unbedingt erfreulichen Job ablenkte.

Bundeskanzler Friedrich Merz sieht das Spiel des BVB gegen St. Pauli.
Bundeskanzler Friedrich Merz sieht das Spiel des BVB gegen St. Pauli. (Foto: Christof Koepsel/Getty Images)

In der Nachspielzeit der ersten Halbzeit fand der BVB schließlich einen Weg durch die Hamburger Defensive, Karim Adeyemi legte den Ball auf Brandt zurück, der nur noch ins leere Tor treffen musste (45.+1). Anders als gegen Bremen wurde es danach aber kein gemütlich-souveräner Sieg: Nachdem Adeyemi zunächst erhöhte (54.), glich der FC St. Pauli, also die schwächste Offensive der Liga, durch James Sands (62.) und den eingewechselten Ricky Jade-Jones (72.) aus. Doch tatsächlich wurde der Dortmunder Sturmlauf mit dem spät eingewechselten Serhou Guirassy noch belohnt, und Can behielt vor der Südtribüne die Nerven.

Wo ist die Stimmung gut?

In Hoffenheim war das Stadion zwar erneut nicht ausverkauft, aber die Überraschungsmannschaft der Liga ließ trotzdem von Beginn an zu erkennen, dass sie gar nicht mehr die Überraschungsmannschaft der Liga ist. Man rechnet inzwischen ja fast damit, dass die Hoffenheimer Bayer Leverkusen mal eben hinten reindrängen, oder? Die Leverkusener rechneten jedenfalls damit, nicht zufällig schlugen sie vor allem in der Anfangsphase nahezu jeden Ball lang und weit nach vorne – offenkundig war es der Plan, dem berüchtigten Hoffenheimer Pressing zu entkommen. Ob das ein sinnvoller Plan war, ließ sich kaum beurteilen, denn schon nach neun Minuten konterte Hoffenheim die List der Leverkusener mit einer (selbstverständlich überraschenden) Gegenlist. Mittelfeldspieler Wouter Burger verwandelte aus Flankenposition einen direkten Freistoß – ob Absicht oder nicht, verriet er nicht.

Dass Leverkusens Torwart Mark Flekken später das Feld verlassen musste (60.), lag allerdings nicht an dem etwas ratlosen Eindruck, den er bei diesem Tor hinterlassen hatte. Er musste wegen einer Verletzung passen – und von draußen mit ansehen, wie Leverkusens Mittelstürmer Patrik Schick eine riesenhafte Chance zum Ausgleich vergab. Nach einer Parade von Hoffenheims Keeper Oliver Baumann kam Schick aus drei Metern Torentfernung frei zum Volleyschuss, schoss aber drüber (68.). Den Leverkusenern gelang keine Drangphase mehr, was im zweiten Spiel des Jahres 2026 die zweite Niederlage zur Folge hatte. Und Hoffenheim? Alle, die ins Stadion gekommen waren, gingen nach dem 1:0 beim Blick auf die Blitztabelle äußerst gut gelaunt. Dort stand Platz 3.

Bleibt wenigstens der Abstiegskampf spannend?

Schon. Im ebenfalls nicht ausverkauften Stadion in Wolfsburg mussten die 19 360 Fans endgültig erkennen, dass ihr heimischer VfL wohl wieder nicht in der Lage sein wird, seinen Anhängern eine sogenannte ruhige Saison anzubieten. Zumindest nach den Erkenntnissen dieses ersten Rückrundenspieltags dürfte es komplizierter werden. Sorgen dürften den Wolfsburgern vor allem die Tatsache bereiten, dass den Gästen aus Heidenheim schon ihre wiedergefundene Intensität reichte, um konkurrenzfähig zu sein – und kurz vor der Pause nicht mal unverdient in Führung zu gehen. Zu einem Zeitpunkt, als die ohnehin nicht sehr intensiven Wolfsburger besonders unintensiv dem Pausentee entgegenfieberten. Mittelfeldspieler Adrian Beck, von Trainer Frank Schmidt in die Startelf zurückgeholt, vollendete nach einer Flanke von Marvin Pieringer und einer kleinen, freundlichen Abfälschung aus der Drehung. Später hätte Beck per Kopf fast noch das 2:0 erzielt (60.) – aber weil der Fußballgott offenbar über einen schrägen Humor verfügt, schenkte er den Wolfsburgern in der 80. Minute noch ein klassisches Heidenheim-Tor: Nach einem Eckball von Christian Eriksen köpfelte Moritz Jenz den Ball irgendwie zum 1:1 ins Tor. Was für Heidenheim angesichts der turbulenten Schlussmomente auf den anderen Plätzen immer noch ausreichte, um von Platz 18 auf Relegationsrang 16 zu springen.

Und was war noch?

In Hamburg widmeten die Fans den mutmaßlichen Umständen der Trennung von Sportchef Stefan Kuntz große Spruchbänder: „Ob Block oder Vorstandsflur: Kein Platz für Übergriffe in unserem Verein/ Solidarität mit allen betroffenen HSV-Mitarbeiterinnen“. Auf dem Platz überzeugte die Mannschaft gegen Borussia Mönchengladbach, hatte den Gegner vollends im Griff – schaffte es aber nicht, ein Tor zu schießen. Ergebnis: 0:0. Der Vorsprung der Hamburger auf den Relegationsplatz beträgt vier Punkte.