Börsenentwicklungen: Donald Trumps Zolldrohungen belasten die Börsen

Nach den jüngsten Eskalationen im US-Streit um Grönland sind die Kurse an der Wall Street gefallen. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte sank um rund 1,5 Prozent auf 48.727 Punkte. Der breiter gefasste S&P 500 sowie der Index der Technologiebörse Nasdaq verloren in etwa genauso viel und fielen auf 6.843 beziehungsweise 23.135 Zähler. Diese Entwicklungen stehen vor dem Hintergrund, dass US-Präsident Donald Trump am vergangenen Samstag damit gedroht hatte, weitere Zölle gegen acht europäische Staaten zu verhängen, sollte den USA der Kauf Grönlands nicht gestattet werden.

Auch der deutsche Aktienmarkt leidet unter diesen Entwicklungen. Für den Dax, der zu Wochenbeginn wieder unter die runde Marke von 25.000 Punkten gefallen war, setzt sich die Korrektur der vorherigen Rekordjagd fort. Zum Handelsschluss sank der deutsche Leitindex um 1,03 Prozent auf 24.703,12 Punkte. In der Vorwoche hatte er noch eine Bestmarke von 25.507 Punkten erreicht; inzwischen ist der Jahresgewinn fast vollständig aufgezehrt.

Der MDax der mittelgroßen Börsenwerte büßte am Dienstag 1,86 Prozent ein und fiel auf 30.803,23 Punkte. Auch der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 verlor 0,57 Prozent auf 5.892,08 Punkte und entfernte sich damit weiter von seinem Rekordhoch von deutlich über 6.000 Zählern in der Vorwoche.

Gold und Silberpreise steigen an

Demgegenüber stiegen die Kurse sicherer Anlagen. So überschritt der Goldpreis erstmals die Marke von 4.700 Dollar und erreichte in der Spitze ein Allzeithoch von 4.757,43 Dollar je Feinunze. Auch der Silberpreis stieg auf ein Rekordhoch von 95,87 Dollar.

„Trumps unberechenbarer Politikansatz in internationalen Angelegenheiten und sein Wunsch nach niedrigeren Zinsen kommen Edelmetallen sehr zugute“, sagte Tim Waterer, Chef-Marktanalyst von KCM Trade. Diese Entwicklung ist bereits seit Beginn von Trumps zweiter Amtszeit zu beobachten: Seitdem ist der Goldpreis um mehr als 70 Prozent gestiegen.

Unter Druck stand hingegen der Dollar-Index, der rund ein Prozent auf 98,432 Punkte nachgab. Gleichzeitig verkauften Anleger US-Staatsanleihen, wodurch die Rendite zehnjähriger Bonds von 4,2310 Prozent am Freitag auf 4,2786 Prozent stieg.

Europäischer Aktienmarkt leidet unter Verschärfung der transatlantischen Spannungen

Jeff Buchbinder, Chefstratege beim Broker LPL Financial in Kalifornien, geht jedoch davon aus, dass sich die Lage beruhigt. „Einen militärischen Konflikt mit Grönland, Dänemark oder unseren europäischen Verbündeten erwarten wir ganz sicher nicht. Die Zolldrohungen haben die Anleger allerdings etwas verunsichert“, fügte er hinzu.

Die Aktienmarktstrategin der Citigroup, Beata Manthey, sprach hingegen davon, dass die Verschärfung der transatlantischen Spannungen und die neue Zollunsicherheit an der europäischen Anlagestory nagten. Es liege nun ein Schatten über der erwarteten Gewinnbelebung europäischer Konzerne. Am Montag hatten bereits europaweit Autowerte und Technologiewerte gelitten. Der Auto-Branchenindex war zeitweise auf den tiefsten Stand seit Oktober gefallen. Auch noch am Dienstag war dieser im Minus. So verloren Mercedes und VW jeweils mehr als ein Prozent.