„Bin kein Pornostar“: OnlyFans als Sponsor für Olympia-Traum

Berlin

Lisa Buckwitz zeigt gern, was sie hat – nur eben nicht alles. „Ich werde mich auf keinen Fall nackt zeigen“, betont die Bobfahrerin, die sich bei der Erotik-Plattform OnlyFans mitunter sehr freizügig präsentiert. Und das nicht nur, weil sie eher extrovertiert und mit ihrem Körper sehr zufrieden ist. „Es ist auch ein Glücksfall für mich, da ich so mein Team finanzieren kann“, sagte die Weltmeisterin von 2024 der Deutschen Presse-Agentur. Die vor einem Jahr begonnene Zusammenarbeit mit OnlyFans sei daher „das Beste, was mir hätte passieren können“.

Nur mit der Akquise von herkömmlichen Sponsoren hätte Buckwitz längst nicht die finanziellen Möglichkeiten, die sie nun auch mit Blick auf die Olympischen Spiele im Februar in Italien nutzen kann. Auch andere Athleten gehen immer öfter ungewöhnliche Wege, um sich den Leistungssport auch leisten zu können: Crowdfunding, Akt-Kalender, Tiktok-Content. Die Gelder von der Sporthilfe, aus öffentlichen Töpfen und von lokalen Sponsoren reichen allein oft nicht aus.

Ohne Selbstvermarktung „interessiert sich keiner für Lisa Buckwitz“

Es sei „ein bisschen traurig“, sagte Buckwitz, „dass ich nicht einfach nur meinen Leistungssport machen kann“. Sie müsse sich parallel auch vermarkten – selbst nach Olympia-Gold 2018 als damalige Anschieberin. „Klar, ich bin eine Olympiasiegerin. Aber nur mit der Goldmedaille interessiert sich keiner für Lisa Buckwitz. Das ist leider die Schattenseite der Medaille“, sagte Buckwitz in der ZDF-Doku „OnlyBob – Mein Körper. Mein Kapital“. 

Sie rechnete vor, dass eine Bob-Saison mit Trainingslager, Flugtickets, Materialaufwand und Prämien für ihre Anschieberinnen rund 50.000 Euro verschlingt. Geld, dass sie auch durch ihre Bilder, Videos und Aktivitäten bei der Erotik-Plattform reinholt. „Für mich ist es ein Sponsor, der mir neben der Bundeswehr den Sport ermöglicht. Also was ganz Normales“, sagt Buckwitz. Doch sie gibt zu, dass das Sexuelle „natürlich ein Thema“ sei.

Bob-Anschieber bei OnlyFans: „Ich bin kein Porno-Star“ 

Die Athletin sorgt – mal im Sport-BH, mal im Bikini, mal im knallengen Bobanzug – auf der Plattform beständig für Content und kommuniziert auch mit ihren Fans. Diese zahlen schließlich 24,99 US-Dollar pro Monat und erwarten eine gewisse Nähe zur Sportlerin. „Eine Belastung ist es nicht, eher was Positives“, sagt die 31-Jährige. 

Auch Bob-Anschieber Georg Fleischhauer hat einen Account bei OnlyFans, wo sich auch reichlich Darsteller aus dem Porno-Geschäft tummeln. Er aber betont: „Ich bin kein Porno-Star.“ Dort habe er die Chance, „einen Einblick in das Leben eines Spitzensportlers“ zu geben. „Und natürlich auch unseren Körper und unsere Muskeln zeigen.“

Paarläufer kommen mit Mischfinanzierung über die Runden

Haut zeigten auch sechs Eisschnellläufer aus Erfurt. Hendrik Dombek, Max Strübe, Stefan Emele, Felix Maly, Konstantin Götze und Sophie Warmuth standen für den Akt-Kalender „Eis, Eis, Baby 2026“ Modell. Mit einer ähnlichen Aktion hatte das Sextett im Vorjahr etwa 3.500 Euro eingenommen. Damit konnte eine Finanzierungslücke bei den Sportlern geschlossen werden.

Die Paarläufer Annika Hocke und Robert Kunkel verdienen sich unter anderem über Social Media etwas dazu, ihr Tiktok-Account hat mehr als 148.000 Follower. „Wir haben für uns eine gute Mittellösung gefunden – teilweise eigenfinanziert, teilweise durch den Verband, teilweise durch Shows und auch Preisgelder“, sagt Kunkel. Seine Eiskunstlauf-Partnerin Hocke erinnert, dass das Duo 2023 finanziell gefühlt „im Minus“ gestartet sei und kreative Lösungen unumgänglich seien: „Es ist fast wie ein zusätzlicher Job.“

Crowdfunding rettete Weltmeister die Karriere

Nicht wenige Athleten sind schon mit dem Crowdfunding in Berührung gekommen. Dabei wird über das Internet für einen bestimmten Zweck Geld gesammelt. Die Schwarmfinanzierung rettete einst auch die Karriere des Schweizer Ski-Rennfahrers Franjo von Allmen, als dieser im Alter von 17 Jahren durch den Tod seines Vaters auch finanziell getroffen wurde. Fans spendeten so viel Geld, dass von Allmen sich eine weitere Saison finanzieren konnte. Daran dachte er zurück, als er sich im Vorjahr zum Doppel-Weltmeister kürte.

All diese Aktionen seien „absolut legitim“, sagt Biathlet Danilo Riethmüller. Er und die meisten seiner Teamkollegen müssen nicht darauf zurückgreifen, weil es im Biathlonsport vergleichsweise gut dotierte Sponsorenverträge und Prämien gibt. Außerdem sind die meisten bei der Polizei, Bundeswehr oder Zoll angestellt. Doch diese Bedingungen haben längst nicht alle Leistungssportler -sie müssen kreativ sein. „Ich stelle da keinen an den Pranger, weil er sich da ein bisschen nackig macht oder irgendwas“, sagt Riethmüller.