Stand: 05.02.2026 12:14 Uhr
Der uralte Brauch aus vorchristlicher Zeit hält sich bis heute: An der nordfriesischen Küste brennen am 21. Februar die Biikefeuer. Gäste können das Fest gemeinsam mit den Einheimischen erleben.
Knisternde Feuer, Punsch und Grünkohl: Zahlreiche Gemeinden an der nordfriesischen Küste, auf den Inseln und Halligen feiern im Februar wieder das traditionelle Biikebrennen. In der Abenddämmerung werden aufgeschichtetes Holz, Zweige und Bäume entzündet, meterhohe Flammen schlagen in den Himmel.
Dutzende Orte laden zum Biikebrennen ein
Das Biikebrennen ist ein sehr alter Brauch. Heute markiert es als erste große touristische Veranstaltung des Jahres traditionell zugleich den Start der neuen Saison. Rund 60 Küsten- und Inselorte von Tönning bis List auf Sylt bieten Rahmenprogramme und Pauschalpakete an. Touristen und Einheimische ziehen meist gemeinsam in einem Fackelzug von einem zentralen Treffpunkt zum Brennplatz. Nach einer Feuerrede wird das aufgeschichtete Holz angezündet. Wenn die Feuer erloschen sind, servieren zahlreiche Lokale das typische Biike-Gericht: Grünkohl mit Fleisch, Wurst und Kartoffeln.
Biikefeuer entlang der Nordseeküste
Biikefeuer brennen in fast allen Orten an der nordfriesischen Küste und auf den Inseln. Eine Auswahl:
Festland: Bordelum (auf dem Stollberg), Dagebüll, Drelsdorf, Emmelsbüll-Horsbüll, Friedrichstadt (am Treene-Bad), Hattstedt, Hattstedtermarsch, Husum (Dockkoog und Schobüll), Mildstedt, Neukirchen, Niebüll/Deezbüll, Risum-Lindholm, Simonsberg, Stedesand, St. Peter-Ording, Tönning (am Hafen), Wobbenbüll
Die Veranstaltungen beginnen zwischen 17 und 19 Uhr. In Tönning lädt das Multimar Wattforum alljährlich zur „Langen Nacht der Biike“ ein (17 bis etwa 21 Uhr), mit Fackelzug zum Biikefeuer und Grünkohl im Multimar-Restaurant (Tischreservierung erforderlich). Der Eintritt ist an diesem Abend frei.
Biikebrennen auf Sylt, Amrum, Föhr, Pellworm und Nordstrand
- Amrum: in allen fünf Inselorten Wittdün, Norddorf, Süddorf, Nebel, Steenodde, jeweils ab 18 Uhr, mit Speisen und Glühpunsch
- Föhr: insgesamt 13 Biikefeuer an verschiedenen Orten auf der Insel, darunter in Wyk, Nieblum, Dunsum und Alkersum, jeweils um 18.30 Uhr, anschließend traditionelles Grünkohlessen in Föhrer Gastronomiebetrieben (unbedingt vorher reservieren!)
- Nordstrand: am Süderhafen, ab 17 Uhr, mit Musik und Ausschank
- Pellworm: Parkplatz am Leuchtturm, um 18 Uhr, mit Speisen, Getränken und Biikeparty; Biikebaden am 15. Februar um 12.30 Uhr an der Badestelle Hooger Fähre
- Sylt: insgesamt zehn Biikefeuer in Archsum, Hörnum, List, Kampen, Wenningstedt/Braderup, Keitum/Munkmarsch, Morsum, Westerland, Tinnum, Rantum. Start der Veranstaltungen zwischen 17 und 18 Uhr, meist mit vorherigem Fackelumzug. Der Sylter Tourismusverband informiert im Detail über die einzelnen Standorte.
Auch auf den Halligen brennen traditionell die Biikefeuer, so etwa auf Hooge. Das Biikebrennen auf Langeneß kann man auch im Rahmen einer Wattwanderung von Dagebüll zur Hallig erleben. Die Nordsee-Tourismus-Service GmbH hat Termine und Informationen zusammengestellt. Sollte der Wind zu stark wehen, müssen die Feuer kurzfristig abgesagt werden. Bei entsprechender Wetterlage empfiehlt es sich deshalb, sich kurz vorher bei der örtlichen Touristinformation zu informieren, ob das Biikebrennen stattfindet.
Biikebrennen: Bedeutung des Brauchs
Die Bedeutung der jahrhundertealten Tradition hat sich mehrfach verändert. Das Biikebrennen gilt als ältester nordfriesischer Brauch und war ursprünglich ein heidnisches Ritual, das die bösen Geister des Winters vertreiben und für Fruchtbarkeit bei der Aussaat sorgen sollte. Christliche Missionare versuchten um das 10. Jahrhundert, den Brauch zu beenden. Das Biikebrennen wurde jedoch als fröhliche Fastnachtsfeier fortgesetzt.
Zunächst brannten keine großen Holzhaufen, sondern einzelne Feuer an langen Stangen. Häufig ging auch eine Strohpuppe, der Pider, in Flammen auf – ein Brauch, der sich mancherorts bis heute gehalten hat. Später brannten die Biiken, um den Winter zu vertreiben. Zeitweise dienten die Feuer wohl auch als Warnsignal bei Piraten-Angriffen und zum Abschied der Walfänger, die sich mit ihren Schiffen auf ihre riskante Fahrt begaben. Im Sylter Friesisch steht der Begriff Biike für Feuerzeichen.
Kinder spielen Erwachsenen Streiche
Seit dem 19. Jahrhundert sind die Biikefeuer auch ein Symbol für das Zusammengehörigkeitsgefühl und das Traditionsbewusstsein der Nordfriesen. Kinder nutzen die Feier, um rußverschmiert Streiche zu spielen. In manchen Orten, etwa auf Sylt, haben sie am nächsten Tag, dem Petritag zu Ehren des Schutzpatrons der Fischer, sogar schulfrei. Seit 2014 steht das Biikebrennen im nationalen Verzeichnis der immateriellen Kulturgüter der deutschen UNESCO-Kommission.






