Besuch bei Kinderbuch-Illustratorin Kathrin Schärer: Ein bisschen Angst darf sein – Kultur

In Kathrin Schärers Atelier hängt der „Nachtmahr“. Aber nicht in der gruseligen Version von Johann Heinrich Füssli. Wo bei dem Meister der dunklen Romantik eine Frau schlafend oder bewusstlos auf einem Bett liegt, Kopf und Arme hängen über die Kante, da räkelt sich auf Schärers parodistischer Version davon ein zufrieden schlummernder Eisbär. Das grimmig dreinschauende Wesen, das bei Füssli auf dem Bauch der Frau sitzt, ist bei Schärer ein freundliches gelbes Monster, es streckt die Finger aus, um den Eisbären unter der Achsel zu kitzeln. Und das unheimliche Pferd mit den weißen Augen, das im Original zwischen den Vorhängen hervorlugt, knabbert bei Schärer gerade die Kordeln an.