Das Münchener Fachmagazin VerkehrsRundschau verleiht den Jury-Preis VR Innovation Awards in drei Kategorien. Beworben haben sich Unternehmen aus dem Bereich Transport & Logistik, die durch innovative Projekte und Maßnahmen einen erheblichen Beitrag zur Reduzierung von CO2-Emissionen leisten, einen bedeutenden Schritt im Hinblick auf die Digitalisierung im Unternehmen gemacht haben oder sich durch innovative Maßnahmen im Bereich der Nachwuchsförderung hervorgetan haben.
Den VR Innovation-Award erhält das Unternehmen für das wöchentliche Ausbildungsformat „Meet & Eat“. Mit diesem Format begleitet die Reichhart Logistik GmbH ihre Auszubildenden strukturiert und kontinuierlich durch ihre Lehrzeit. Das Treffen am Standort Gilching bringt Ausbilder und Auszubildende zusammen und verbindet schulische Inhalte mit betrieblichen Anforderungen und lebenspraktischen Themen. In enger Abstimmung mit der Berufsschule werden Berichtshefte geprüft, Übungs‑ und Hausaufgaben bearbeitet sowie fachbezogene und persönliche Fragestellungen aufgegriffen – von wirtschaftlichen Grundlagen bis zur Steuererklärung. Besonders wirksam ist der starke Praxisbezug: Gearbeitet wird mit realen Unterlagen, Aufgabenstellungen und Beispielen aus dem betrieblichen Alltag. Der bewusst geschaffene Zeit‑ und Lernraum ermöglicht individuelle Betreuung, die weder im regulären Berufsschulunterricht noch im Tagesgeschäft selbstverständlich ist. „Meet & Eat“ wirkt damit sowohl berufs‑ als auch lebensvorbereitend und stärkt die Ausbildungsqualität nachhaltig. Das hat die Jury überzeugt.

© Foto: Jan Scheutzow/ VerkehrsRundschau
In diesem Jahr gab es ein Novum bei den VR Innovation-Awards. Punktgleich landen gleich zwei Einreichungen auf dem ersten Platz:
Ausgezeichnet wird der EV Truck Route Planner von PTV Logistics. Er bewertet Einsatzszenarien für E-Trucks und Transporter auf Basis von über 450 digitalen Zwillingen und liefert damit eine verlässliche Grundlage für datengetriebene strategische Entscheidungen. Die präzisen Verbrauchsmodelle berücksichtigen Fahrzeugtyp, Beladung, Wetter und Topografie. Zudem lassen sich Ladevorgänge an eigenen Standorten simulieren und optimieren, um wirtschaftlich tragfähige Elektrifizierungsstrategien für den Fuhrpark zu entwickeln. Als einziges Tool seiner Art schlägt der PTV EV Truck Route Planner für eine große Bandbreite elektrischer Nutzfahrzeuge automatisch kosten- und zeitoptimierte Ladestationen entlang der Route vor – unter Berücksichtigung von Ladezeiten, Umwegen, externen Ladekosten und der Eignung für das jeweilige Fahrzeug. Im Ergebnis erhalten Transportunternehmen klare Empfehlungen, wo und wie lange geladen werden muss – und machen Elektromobilität im Schwerlastverkehr praktisch umsetzbar. Durch die automatische Bewertung von Ladezeiten, Umwegen, Kosten und Fahrzeuganforderungen erhält jedes Unternehmen sofort praxistaugliche, verlässliche Empfehlungen. Das macht den Umstieg auf elektrische Nutzfahrzeuge deutlich einfacher, reduziert Planungsaufwand und Risiko – und ebnet den Weg für skalierbare, alltagstaugliche Elektrifizierungsstrategien.
Auch die Bewerbung von CO2OPT konnte die Jury überzeugen. Das Unternehmen hat eine innovative Software für digitales Reifenmanagement entwickelt, die Transportunternehmen unterstützt, ihre Kraftstoffkosten und CO₂-Emissionen erheblich zu senken. Die eingereichte Lösung nutzt eine Kombination aus Fahrzeugdaten und externen Open-Source-Informationen, wie beispielsweise Straßentypen, Straßenbeläge, Topografie und Wetterdaten. Mithilfe künstlicher Intelligenz wird das Fahrzeugeinsatzprofil kategorisiert, um für jedes Fahrzeug eine herstellerunabhängige und auf das Einsatzprofil abgestimmte Reifenempfehlung zu generieren. Neben präzisen Handlungsempfehlungen für den nächsten Reifenkauf bietet die Software von CO2OPT eine Reihe zusätzlicher Services: Analysen der Reifenlaufleistung nach Einsatz und Hersteller, Berechnungen der Reifenkosten pro Kilometer, vorausschauende Serviceplanung sowie die Dokumentation der tatsächlich erzielten Einsparungen bei Kraftstoffverbrauch und CO₂-Emissionen. Das besondere an der CO2OPT-Lösung ist das Zusammenspiel von umfassender Datenerfassung, KI-basierter Auswertung und einer benutzerfreundlichen Oberfläche.

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Ausgezeichnet wird die Microsoft Power Plattform als strategisches Werkzeug, um logistische Kernprozesse schnell, flexibel und tiefgreifend zu digitalisieren. Mit einem eigenen Application‑Management‑Team entwickelte Reichhart Logistik GmbH Power Apps, Power BI‑Dashboards und automatisierte Workflows, die Transparenz erhöhen, Medienbrüche eliminieren und operative Abläufe messbar verbessern.
Die Einsatzbereiche reichen von der Transportlogistik bis zu standortübergreifenden Supportprozessen: Digitale Power‑BI‑Dashboards visualisieren in Echtzeit den Beladungsstatus von Lkw. Eine Konsolidierungs‑App unterstützt den Mehrwegboxen‑Prozess, indem kleinteilige Packstücke aus vielen Bestellungen zu einem verfolgbaren Ladungsträger verdichtet werden. Digitale Schichtübergaben oder Besuchermanagement‑Apps ersetzen papierbasierte Dokumente vollständig und stellen alle Informationen strukturiert sowie jederzeit abrufbar bereit. Diese Lösungen zeigen, wie REICHHART Low‑Code gezielt einsetzt, um Kundenprozesse zu verbessern und zugleich die eigene digitale Professionalität auszubauen.

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Mit dem sogenannten „Euroschwanenhals“ hat Elflein Europe Transport GmbH ein innovatives Transportkonzept zur nachhaltigen Reduzierung von Fahrten und CO₂-Emissionen entwickelt. Kern der Maßnahme ist ein speziell konstruierter Eurotrailer mit angepasstem Schwanenhals, der die Zweifachstapelung großer, leichter Behälter im Tiefbett ermöglicht. Zusätzlich erlaubt die Mehrlänge des Eurotrailers die Aufnahme eines weiteren Behälters. Dadurch steigt die Transportkapazität pro Fahrt signifikant. Die Lösung wurde direkt in den operativen Realbetrieb integriert und ersetzt bisherige Transporte mit geringerer Auslastung. Ziel der Maßnahme ist es, durch intelligente Fahrzeugkonstruktion strukturell Emissionen zu senken und Ressourcen effizienter zu nutzen. Durch den Einsatz des neuen Trailers konnte die Transportkapazität pro Fahrt von zwei auf fünf Behälter erhöht werden. Die daraus resultierende CO₂-Einsparung beträgt rund 210 Tonnen pro Jahr. Die Maßnahme führt somit zu einer strukturellen und dauerhaft wirksamen Emissionsreduktion bei gleichbleibender Transportleistung.

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Ausgezeichnet wird ein neuentwickeltes Tankcontainer-Chassis, das den Einsatz von ADR-zugelassenen BEV-Sattelzugmaschinen unter Berücksichtigung der gesetzlich maximalen Antriebsachslast möglich macht. Köppen setzt seit Februar 2026 fünf BEV SZM Typ MAN TGS 20.449 4×2 ein. Diese Fahrzeuge sind die ersten mit einer gefahrgutrechtlichen Zulassung nach ADR für die Beförderung von gefährlichen Gütern in Tanks mit den Klassen AT und FL. Die Einheiten kommen vornehmlich für zwischenwerkliche Verkehre und im Vor- und Nachlauf zum kombinierten Verkehr zum Einsatz. Der Verwendungsfähigkeit der Fahrzeuge stand die maximale Antriebsachslast von 11.500 kg entgegen. Durch das hohe Eigengewicht der vorliegenden Fahrzeuge sinkt die Nutzlast um ca. 2.000 kg gegenüber vergleichbaren Diesel-Lkw. Die Lastverteilung üblicher Chassis führt bereits bei einer Gesamtmasse von 40.000 kg zu einer leichten Überschreitung der Antriebsachslast. Damit ist die Ausnutzung der gesetzlich möglichen Gesamtmassen von 42.000 kg für elektrische Fahrzeuge oder gar von 44.000 kg im kombinierten Verkehr nicht zu erreichen. Fliegl Fahrzeugbau hat die Konstruktion des Container-Chassis so angepasst, dass unter allen Beladungszuständen die Achslasten und das Gesamtgewicht eingehalten werden. Das spart nach einer ersten Kalkulation bei 397.500 kg CO2 pro Jahr.

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