
Neun Quadratmeter groß ist die Zelle, in der Marc Dutroux im Gefängnis von Nivelles, südlich von Brüssel, einsitzt. Bei der Suche nach eingeschmuggelten Handys fanden Justizbeamte dort 2024 etwa zweihundert pornografische Bilder bei dem Kindervergewaltiger und -mörder, die Hälfte davon sollen nackte Minderjährige zeigen. Das berichtet das flämische Wochenmagazin Humo. Der zuständige Staatsanwalt bestätigte diesen Dienstag, im Juli 2024 sei ein Ermittlungsverfahren eingeleitet worden. Es handele sich um „vier Umschläge mit Bildern nackter Frauen, unter ihnen auch Minderjährige“.
Dutroux gilt als einer der gefährlichsten Verbrecher Belgiens. Wie konnte das Material in seine Zelle kommen? Der 69-Jährige lebt dort allein, angrenzend sind jedoch andere Häftlinge untergebracht. Bei Spaziergängen im Gefängnishof bleibt er für sich, einziger physischer Kontakt zur Außenwelt ist laut Humo sein Anwalt Bruno Dayez.

:Sie wusste alles und verhinderte nichts
Als Marc Dutroux die 21-jährige Michelle Martin kennenlernt, stellt er klar: „Ein Mann braucht mehrere Frauen.“ Sie heiratet ihn trotzdem, und immer wieder geht er auf die Suche: nach jungen Mädchen.
Laut dem Magazin Humo behauptete Dutroux gegenüber Dayez, dass Mitgefangene die Bilder während eines Hofgangs in seine Zelle gelegt hätten, um ihn zu schikanieren. Das sei denkbar, heißt es in Medienberichten, Kindervergewaltiger werden oftmals verachtet in Gefängnissen. Auf Filmschnipseln sei zu sehen, wie Häftlinge Dutroux beim Hofgang beschimpften. Andererseits geben Journalisten zu bedenken, dass Dutroux ein notorischer Lügner und Manipulator sei, der seine Schuld reflexartig auf andere abwälze. Außerdem habe er den Fund der Bilder nicht bei der Aufsicht angezeigt.
Sein Anwalt Dayez argumentiert laut Humo, dass die gefundenen pornografischen Bilder außerhalb des gesetzlich Verbotenen lägen, ihr Besitz sei nicht strafbar. Das Magazin spekuliert, dass ein bestochener Aufseher oder Mithäftling das Material besorgt haben könnten. Das nötige Geld könnte Dutroux von Unterstützern erhalten haben, mit denen er Briefkontakt haben soll.
Eine neuerliche psychiatrische Beurteilung von Dutroux fiel verheerend aus
Im Falle einer neuerlichen Verurteilung wegen Besitzes kinderpornografischen Materials drohen bis zu zehn Jahre Haft. An der Situation von Dutroux, der seit fast 30 Jahren einsitzt, würde das vermutlich nichts ändern. 2004 wurde er zu lebenslanger Haft mit Sicherheitsverwahrung verurteilt, aller Voraussicht nach wird er nie wieder in Freiheit kommen.
Dayez wurde 2016 Dutroux’ Anwalt, seither setzt er sich vergeblich für die Freilassung seines Mandanten ein. In Belgien kann eine lebenslange Freiheitsstrafe unter Bedingungen auf 15 Jahre verkürzt werden. Dayez gelang es immerhin, eine neue psychiatrische Beurteilung Dutroux’ zu erwirken. Diese fiel allerdings verheerend aus: Der Häftling sei noch immer ein Psychopath und stelle weiterhin eine Bedrohung für die Gesellschaft dar.
Marc Dutroux gilt in Belgien bis heute als die Verkörperung des Bösen. Seine Taten bis zur Verhaftung 1996 traumatisierten das Land. Dutroux entführte, vergewaltigte und folterte sechs Mädchen und tötete vier von ihnen. Sein Fall wird wegen vieler Schlampereien der Ermittler auch als symbolisch für ein Versagen von Justiz und Polizei gesehen. Dutroux war schon früher wegen Entführung und Misshandlung junger Frauen verurteilt worden, aber vorzeitig freigekommen. Experten und sogar die eigene Mutter hatten vor ihm gewarnt.
