Bamberg besiegt favorisierten FC Bayern München im Basketball-Pokal-Halbfinale – Sport

Sogar die Pressekonferenz nach dem Spiel gestaltete sich seltsam, ganz wie das Pokal-Halbfinale zwischen dem klar favorisierten FC Bayern und den Bamberg Baskets davor. Svetislav Pesic, Trainer der Münchner, entfuhr auf die Frage, ob er denn stolz sei auf Anton Gavel, ein Lachen. Der hatte 2014 und 2015 zwei Spielzeiten in München unter Pesic gespielt, ehe er vier Jahre später seine Karriere beendete und nach Ulm in die Nachwuchsakademie wechselte, um dort die Trainerlaufbahn einzuschlagen. Und in neuer Profession hatte er nun eine veritable Überraschung im Top-Four-Turnier des Pokalwettbewerbs verantwortet: einen 103:97-Sieg des Außenseiters Bamberg Baskets gegen den FC Bayern. Pesic dozierte also über seinen ehemaligen Schüler: „So wie er als Spieler war, hat sein Team heute gespielt: immer über 100 Prozent. Man hat gemerkt, dass er bei mir gelernt hat.“ Es sollte der einzige Lacher des Münchner Trainers bleiben, ansonsten war Pesic angemessen bedient ob der Leistung seiner Mannschaft.

Schlechte Defense, schlechte Würfe, keine Energie: Die Bayern lassen alles vermissen, was sie zuletzt stark gemacht hat

Die schien bei der 97:103-Pleite nach Verlängerung lange den Ernst der Lage zu verkennen, ein Umstand, der dem allein schon nominell deutlich besser besetzten Favoriten in einer hektischen und spannenden Schlussphase mit maximaler Wucht auf die Füße fiel. Denn die Münchner fanden nie zu ihrem Spiel, mit dem sie die Bundesliga-Konkurrenz scheinbar nach Belieben beherrschen. Beide Kontrahenten starteten schwach, wenngleich die Bamberger von der ersten Sekunde an den notwendigen Biss an den Tag legten, um einen vermeintlich überlegenen Gegner zu düpieren. Hinzu kam, dass Gavel seine Spieler optimal eingestellt hatte, wie er verriet: „Wir wollten aggressiv verteidigen und versuchen, Andi aus dem Spiel zu nehmen. Ich meine, es ihm schwer zu machen, aus dem Spiel kann man ihn nicht nehmen.“ Besagter Andi, also Welt- und Europameister Andreas Obst, war in den vergangenen Spielen stets Dreh- und Angelpunkt der Münchner Offensive gewesen, er ist der Topscorer beim Meister. Zur Halbzeit lag Obst bei zwei Punkten und Bamberg 36:34 vorn. Gavels Taktik war aufgegangen.

Und an diesem Abend war kein Akteur im hochgelobten Münchner Ensemble in der Lage, für Obst in die Bresche zu springen. Am besten gelang das noch Nenad Dimitrijevic, mit 24 Punkten bester Werfer der Münchner, sowie Kapitän Vladimir Lucic, der 17 Zähler sammelte. Bamberg legte immer vor, war allerdings nie in der Lage, weiter zu enteilen, denn auch die Gäste zeigten offensiv lange keine gute Leistung. Das Spiel plätscherte wenig ansehnlich vor sich hin, Bamberg traf, die Münchner zogen nach, zur Halbzeit lagen die Gäste knapp vorn, die Münchner Dreierquote bei miserablen 17 Prozent. Auch nach der Pause änderte sich wenig, dieses Mal legten die Bayern vor, führten 68:61 und es deutete sich einer dieser schmucklosen Pflichtsiege an, für den allein die individuelle Münchner Qualität so oft den Ausschlag gegeben hat.

Anton Gavel gab alles bei seinem ersten Auftritt im SAP Garden. Es solte reichen, Bamberg kegelte den haushohen Favoriten im Halbfinale aus dem Wettbewerb.
Anton Gavel gab alles bei seinem ersten Auftritt im SAP Garden. Es solte reichen, Bamberg kegelte den haushohen Favoriten im Halbfinale aus dem Wettbewerb. (Foto: Alexander Trienitz/Imago)

Nicht so an diesem Abend. Der Favorit ließ auch dieses Momentum eigenartig energielos verpuffen. Bamberg kam wieder auf, und so trudelte die Partie der vertanen Möglichkeiten ihrem Ende entgegen. Und dieses Mal waren es die Bamberger, die alle Chancen auf ihrer Seite hatten: Cobe Williams, der 22 Punkte sammelte, traf 57 Sekunden vor dem Ende zum 83:77, aber nun war Obst zur Stelle, der trotz intensiver Bewachung 17 Punkte sammelte und zum 80:83 verkürzte, ehe Dimitrijevic elf Sekunden vor Schluss zum Ausgleich traf und die Overtime erzwang.

Und in dieser wurde es spektakulär. Bambergs Williams eröffnete mit seinem Distanzwurf einen Schlagabtausch von sechs Angriffen, die in schneller Reihenfolge jeweils mit einem erfolgreichen Dreier abgeschlossen wurden. Den letzten traf Ibi Watson, mit 24 Punkten bester Werfer der Partie, zum 99:96 für Bamberg. Und als der letzte Distanzversuch von Obst an den Ring ploppte, war die Überraschung perfekt und hinterließ 11 500 weitestgehend entsetzte Zuschauer. Nur eine Gruppe von etwa 1000 mitgereisten Bambergern wollte gar nicht mehr aufhören zu jubeln.

„Wir können besser spielen, natürlich, aber man spielt auch nur so gut, wie es der Gegner erlaubt“, analysierte Pesic die Partie. „Unsere Defensive war schlecht, unsere Würfe waren schlecht, wir hatten keine Energie, und das zu Hause.“  Als Pesic dies sagte, wurden seine Worte von finsteren Blicken begleitet.

Das zweite Halbfinale zwischen Alba Berlin und den Baskets Oldenburg hingegen nahm den erwarteten Verlauf, die favorisierten Berliner führten zur Pause mit 46:38 Punkten, schraubten den Vorsprung im dritten Viertel in den zweistelligen Bereich und ließen bis zum 98:78-Sieg gegen schwache Niedersachsen keine Spannung mehr aufkommen – und stehen am Sonntag im Finale gegen Bamberg.