
Der CDU-Spitzenkandidat in Baden-Württemberg, Manuel Hagel, hat sein Verhalten in einem Fernsehbeitrag gegenüber einer Lehrerin verteidigt. Manchmal sage man „im Eifer des Gefechts“ etwas, wo man hinterher denke, „das hätte man auch freundlicher sagen können“, sagte Hagel dem Sender Welt. „Ich bin ja jetzt auch kein Roboter, sondern ein Mensch mit ganz normalen Gefühlen.“
In einem Beitrag im ARD-Mittagsmagazin hatte eine Lehrerin bei einem Besuch in einer Schule ihm eine Frage gestellt. Hagel fiel ihr ins Wort und wies die Frage mit dem Satz „Jetzt spreche ich gerade mit den Schülern“ ab.
Die Schüler in der Klasse hätten an dem
Tag viele wichtige Fragen an ihn gehabt, die er habe diskutieren
wollen, sagte Hagel. „Was natürlich jetzt leider nicht gezeigt worden ist, waren die
einige Male vorher, wo mir die Lehrerin ins Wort gefallen ist. Und
irgendwann habe ich dann mal gesagt, ich würde gerne mit den Kindern
sprechen – weil das ist ja auch der Sinn von einem Schulbesuch“, sagte er.
Lehrerin kritisierte bisherige Regierungspolitik
Das TV-Team hatte Hagel im Rahmen einer Serie über die Spitzenkandidaten zur Landtagswahl begleitet. Der am Montag ausgestrahlte Beitrag zeigt den 37-Jährigen bei dem zweistündigen Besuch in einer Gemeinschaftsschule in Stuttgart. Die Lehrerin, deren Klasse er besucht, zeigt sich in dem Beitrag kritisch gegenüber Hagel und stellt auch immer wieder Fragen – etwa, als es um die CDU-Forderung nach einem beitragsfreien Pflichtjahr im Kindergarten ging.
„Seit zehn Jahren sind Sie doch an der Landesregierung, deswegen wundert es mich, warum da so lange nicht reagiert wurde“, sagte die Lehrerin zu Hagel. „Ja, was ist denn die Alternative – dass wir jetzt nichts machen?“, erwiderte Hagel. „Ich habe halt einfach die Befürchtung, angenommen, Sie könnten weiterhin mitregieren, dass das alles Blabla war im Wahlkampf“, sagte die Lehrerin. Als die Frau zum Thema Inklusion und Personalmangel eine Frage stellen wollte, kam es zu der abweisenden Reaktion Hagels.
Hagel wegen früherem Video unter Druck
Ende Februar war Hagel bereits wegen eines mehrere Jahre alten Interviews unter Druck geraten. Dieses war nach einem Besuch Hagels in einer Schulklasse entstanden. Der CDU-Politiker hatte damals gesagt, die Klasse habe zu 80 Prozent aus Mädchen bestanden – „also da gibt’s für 29-jährige Abgeordnete schlimmere Termine als diesen“. Eine der Schülerinnen habe ihm eine Frage gestellt, das werde er „nie vergessen“. Er nannte ihren Vornamen und beschrieb ihr Aussehen mit den Worten „braune Haare, rehbraune Augen“.
Hagel tritt am Sonntag für die CDU bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg an. Das aktuelle ZDF-Politbarometer sieht die CDU und die Grünen gleichauf bei 28
Prozent. So könnten nach der Wahl beide Parteien erneut eine
Koalition in Baden-Württemberg bilden – die stärkste Partei
stellt dann voraussichtlich den Ministerpräsidenten. Spitzenkandidat für die Grünen ist Cem Özdemir.
