Baden-Württemberg: AfD-Politiker kritisieren Anstellung von Familienmitgliedern

Nach Vorwürfen
der Vetternwirtschaft gegen den baden-württembergischen AfD-Spitzenkandidaten
für die Landtagswahl, Markus Frohnmaier, haben sich Spitzenvertreter seines
Landesverbands von der Beschäftigung von Familienmitgliedern distanziert. Das habe „ein Geschmäckle“, sagt etwa Südwest-Fraktionschef Anton Baron der Nachrichtenagentur dpa. Zwar sei die Praxis der Überkreuz-Anstellungen völlig
legal. Aber man könne dabei nicht ausschließen, dass es wirklich nur um
Leistung gehe.

AfD-Spitzenkandidat
Frohnmaier steht derzeit wegen Vorwürfen der Vetternwirtschaft in der Kritik. Er hatte bestätigt, dass seine Frau für den AfD-Bundestagsabgeordneten
Johann Martel arbeitet, wies die Vorwürfe aber zurück.

Es ist nicht der einzige Fall: Seit einigen Wochen sieht
sich die AfD mit dem Vorwurf konfrontiert, in den eigenen
Reihen ein System der Vetternwirtschaft etabliert zu haben
. Im Zentrum steht der Landesverband Sachsen-Anhalt. Zuletzt erreichten die Vorwürfe auch die Bundesebene: AfD-Chef Tino Chrupalla beschäftigt einer ZEIT-Recherche zufolge die Ehefrau eines Parteifreundes in seinem Büro.

Er wisse von keinem solchen Fall in seiner Fraktion, sagte der Südwest-Fraktionschef Baron. Er kenne aber auch nicht alle
Mitarbeiter der Abgeordneten. 

AfD-Landeschef Sänze: Keine weiteren Fälle bekannt

Auch Co-Landeschef Emil Sänze, der seit
Jahren eng mit Frohnmaier den Südwest-Landesverband führt, äußerte Kritik. „Ich begrüße
das nicht“, sagte er zu dieser Art von Beschäftigungsverhältnissen. „Für
mich arbeitet keiner aus der Verwandtschaft oder dem Bekanntenkreis.“
Sänze sagte, er komme aus dem Bankenbereich, da gebe es strikte
Regularien. Auch im Südwest-Landesverband seien ihm keine weiteren
solchen Angestelltenverhältnisse bekannt.

Zugleich nahm Sänze Frohnmaier auch in Schutz. Dessen Frau habe eine akademische Ausbildung, ihre Anstellung bei dem AfD-Kollegen sei „nicht verwerflich“. Die Fälle würden auch benutzt, um die AfD in der Öffentlichkeit bloßzustellen. Zudem sei es eine große Herausforderung für die AfD, qualifizierte Leute zu finden. „Die, die zu uns wollen, die scheuen die Öffentlichkeit, weil sie angegriffen werden.“

Frohnmaier ist
auch Vizefraktionschef der AfD im Bundestag und enger Vertrauter von
Parteichefin Alice Weidel. Er will Ministerpräsident Baden-Württembergs werden,
kandidiert aber nicht für den Landtag.