Australien: Wissenschaftler bringen gefährdetem Vogel seinen Balzruf wieder bei – Panorama

Denken wir an Tiere – uns selbst betrachten wir ja meist fälschlicherweise nicht als Tiere -, dann denken wir vor allem: Instinktwesen. Wenn das kleine Gnu schon fünf Minuten nach der Geburt vor einer Raubkatze davonläuft oder die kleinen Seepferdchen sofort herumschwimmen wie die großen Seepferdchen, dann könnte man ja auch den Eindruck kriegen: Die können alles sofort, die müssen nichts lernen.

Aber vieles, was den Geschöpfen zuzufliegen oder genetisch eingeschrieben zu sein scheint, muss erlernt werden. Das gilt zum Beispiel für den Vogelgesang. Der ist wie eine Sprache, die von Generation zu Generation weitergegeben wird. Und diese Sprache fällt bisweilen dem Artenrückgang zum Opfer.

Ein besonders ungewöhnliches Beispiel ist der bedrohte Warzenhonigfresser in Australien, der seinen natürlichen Balzruf neu erlernen muss. Es leben nur noch rund 300 dieser Vögel in freier Wildbahn, und weil sie einander so selten begegnen, wurde beobachtet, dass junge, alleinstehende Männchen die Rufe anderer Honigfresserarten und sogar die anderer Vögel nachahmen. Diese Gesänge sind aber Teil der Paarungsrituale des Warzenhonigfressers. Sollten sie ganz in Vergessenheit geraten, würden diese vom Aussterben bedrohten Vögel nicht einmal mehr wissen, wie sie einen Partner finden sollen.

Wissenschaftler der Australian National University (ANU) und der Taronga Conservation Society Australia arbeiten seit mehreren Jahren daran, den Gesang dieser Art wiederherzustellen, als Teil eines langjährigen Zuchtprogramms. Zunächst spielte das Team den Jungvögeln Aufnahmen von Gesängen nur vor. Später wurden dann zwei Männchen aus freier Wildbahn den gezüchteten hinzugesellt, um den jungen Artgenossen das Singen beizubringen. Ziel des Ganzen ist es, gesangstüchtige Vögel irgendwann auszuwildern und so zur Populationserholung beizutragen.

Im Idealfall braucht es natürlich keine eigene Vogelschule, um Gesänge weiterzugeben. Denn weil eben nicht alles in der Natur rein dem Instinkt entspringt, bringen Tiere einander in der Regel die wichtigsten Dinge ohne weitere Intervention bei. Das tut der Mensch ja auch – und bestätigt damit zugleich irgendwie sein Tiersein.

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