Aus Sorge vor Le Pen?: Lagarde will EZB-Spitze angeblich vorzeitig verlassen

Aus Sorge vor Le Pen?Lagarde will EZB-Spitze angeblich vorzeitig verlassen

18.02.2026, 08:28 Uhr

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Es gab schon einmal Gerüchte um einen vorzeitigen Rücktritt Lagardes. (Foto: picture alliance / Eibner-Pressefoto)

Im April nächsten Jahres wird Frankreich voraussichtlich einen neuen Präsidenten wählen. Oder eine Präsidentin – die könnte dann Le Pen heißen. Laut einem Bericht will EZB-Chefin Lagarde dem zuvorkommen und die Spitze der Notenbank neu besetzen lassen.

EZB-Präsidentin Christine Lagarde wird einem Medienbericht zufolge voraussichtlich vorzeitig aus dem Amt scheiden. Es werde damit gerechnet, dass sie ihre Amtszeit nicht vollständig absolvieren werde, meldete die Zeitung „Financial Times“. Sie beruft sich dabei auf eine mit Lagardes Überlegungen vertraute Person. Regulär sitzt Lagarde noch bis Ende Oktober 2027 auf ihrem Posten.

Lagarde wolle ihren Posten an der Spitze der Europäischen Zentralbank (EZB) räumen, bevor im April 2027 die französischen Präsidentschaftswahl stattfinden. Sie wolle Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und Bundeskanzler Friedrich Merz die Gelegenheit geben, eine neue Spitze für die Europäische Zentralbank zu finden. Macron darf 2027 nach zwei aufeinanderfolgenden Amtszeiten nicht erneut antreten.

Die rechtspopulistische Partei „Rassemblement Nationale“ von Marine Le Pen liegt in Umfragen seit einiger Zeit vorne und macht sich deshalb berechtigte Hoffnungen, die Stichwahl um das Präsidentenamt zu gewinnen. Für die zweitgrößte Wirtschaftsmacht Europas wäre das ein Umbruch. Er könnte auch den Rest der Eurozone und deren Architektur erschüttern könnte. Möglicherweise möchte Lagarde dem zuvorkommen und zumindest für den Zeitraum der nächsten EZB-Präsidentschaft diese stabilisieren. Dass der linkspopulistischen Partei „La France Insoumise“ ebenso Chancen auf die Stichwahl nachgesagt werden, dürfte Lagarde nicht beruhigen.

Schon einmal gab es Gerüchte

Im Sommer des vergangenen Jahres hatte die EZB bereits schon einmal einen Medienbericht zurückgewiesen, demzufolge Lagarde frühzeitig aus ihrem Amt ausscheiden könnte. „Präsidentin Lagarde hat sich stets voll und ganz für ihre Aufgabe eingesetzt und ist entschlossen, ihre Amtszeit zu Ende zu bringen“, sagte ein Notenbank-Sprecher damals.

Die „Financial Times“ hatte zuvor den damaligen Gründer des Weltwirtschaftsforums (WEF), Klaus Schwab, damit zitiert, Lagarde habe mit ihm in Frankfurt den Führungswechsel beim WEF besprochen. Es wird seit Längerem spekuliert, Lagarde könnte an die Spitze des WEF wechseln.

Ein EZB-Sprecher kommentierte die neuerlichen Gerüchte: Lagarde konzentriere sich voll und ganz auf ihre Aufgabe und habe keine Entscheidung über das Ende ihrer Amtszeit getroffen.

Quelle: ntv.de, lwe/rts