Unter den 200 Tieren, um die sich die Tierheilpraktikerin Ann-Christin Pabst, 40, auf ihrem Tierschutzhof „Heile Seele“ im niedersächsischen Bad Sachsa kümmert, befindet sich auch ein Huhn, welches sich neuerdings als Hahn definiert. Ein Anruf.
SZ: Frau Pabst, wieso heißt Ihr Tierhof eigentlich „Heile Seele“?
Ann-Christin Pabst: Weil wir hier nicht nur versuchen, Tieren ein neues Zuhause zu geben, sondern ihnen auch bei der Bewältigung traumatischer Erlebnisse helfen möchten. Und nicht nur Tiere, auch Menschen, die zu uns kommen, haben oft eine schwere Lebensgeschichte und sollen möglichst ein Stück weit Heilung erfahren.

Hat Hahn Peter auch Schlimmes erlebt? Wie man hört, passte er zuletzt nicht mehr in seine Gruppe?
Eigentlich handelt es sich bei ihm um ein Huhn namens Petra. Als Petra aber, offenbar aufgrund einer Hormonveränderung, immer mehr männliche Eigenschaften entwickelte und auch zu krähen begann, wurde sie der pädagogischen Einrichtung für Kinder, in der sie in Nordrhein-Westfalen zuletzt lebte, etwas lästig. Vor allem die Nachbarschaft litt unter ihrer Lautstärke.
Das Krähen ist ja so eine Unart männlichen Geflügels.
Unart? Das ist halt die Natur.
Ja, eben.
Zum Glück ist unser Tierhof weit ab vom Schuss. Da stört Peter jetzt niemanden mehr.
Stimmt es, dass Sie über Instagram auf ihn aufmerksam wurden?
Richtig. Und da uns gerade ein anderer Hahn verstorben war, hatten wir auch wieder Platz. Wegen der bereits erwähnten Eigenschaften von Hähnen ist ihre Vermittlung oft sehr schwierig.
Medial hatten zuletzt auch homosexuelle Schafe Interesse erregt. Wie erklären Sie sich das?
Die Natur ist viel vielfältiger als manche Menschen immer noch meinen. Die Überraschung darüber hat sicher auch kulturelle Gründe. Dabei war es schon immer falsch zu glauben, dass Diversität etwas rein Menschliches ist.
Also musste Peter bei Ihnen gar nicht „geheilt“ werden?
Nein. Queeres ist im Tierreich gar nicht so unüblich. Es gibt ja auch Kaiserpinguine, die gleichgeschlechtlich leben. Oder Giraffen. Und auch Geschlechtsangleichung kommt nicht nur bei Geflügel vor.
Wie geht es ihm jetzt? Es heißt, er habe drei Frauen?
Drei? Er hat mittlerweile zehn! Weil er über einen Zaun in eine Gruppe geflogen ist, in der kürzlich ein weiterer Hahn verstarb. Sein Kamm, seine Kehllappen, die Federn und Sporen, das alles hat sich bei ihm verändert. Auf Hühner dürfte er recht attraktiv wirken.
Würde es sich denn anbieten, ihn zu einer Art Werbeträger für Ihren „Heile Seele“-Tierhof zu machen? Das Profilbild zu ändern oder T-Shirts mit ihm zu drucken?
Na ja. Wir haben eigentlich gar nicht damit gerechnet, dass er interessant ist, aber freuen uns jetzt natürlich auch über Ihr Interesse, da wir ja spendenfinanziert sind. Nur: Zu viel Aufmerksamkeit sollte man ihm auch nicht widmen.
Das könnte ihn zu eitel machen?
Vielleicht.
