Auftaktspiel der Handball-EM: Deutschland besiegt Österreich – Sport

Zwei Minuten vor dem Ende nahm der Hauptdarsteller des Abends die Sache höchstselbst in die Hand: Die renitenten Österreicher hatten sich tatsächlich noch einmal auf drei Tore herangearbeitet, Sebastian Frimmel, mit neun Treffern bester Schütze des Abends und mit reichlich Selbstvertrauen gesegnet, trat zum Strafwurf an die Siebenmeterlinie. Doch Wolff baute seinen knapp zwei Meter großen Körper zur unüberwindlichen Mauer auf und parierte den Strafwurf. Damit war der Widerstand der Österreicher gebrochen, Deutschland feierte mit dem 30:27-Sieg einen gelungenen Einstand in das EM-Turnier, wo das Ziel der DHB-Auswahl mindestens das Erreichen des Halbfinals ist.

Mit dem Ergebnis war Trainer Alfred Gislason zufrieden, gleichwohl sagten seine Gesichtszüge etwas anderes. Denn die Österreicher, nicht erst seit dem Remis bei der vergangenen EM so etwas wie ein Angstgegner der Deutschen, brachten diese nach einer phasenweise überzeugenden Leistung in der Endphase noch in Bedrängnis. An der Abwehr wollte der Bundestrainer keine Kritik üben, selbige sei „sehr stark“ gewesen, aber der Angriff ließ aus seiner Sicht zu wünschen übrig: „Da haben wir zu viele Fehler gemacht, teilweise das leere Tor nicht getroffen, da müssen wir uns wirklich steigern.“

Die Österreicher entpuppten sich einmal mehr als der unangenehme Gegner, denen der überragende Wolff vor dem Spiel „Anti-Handball, den keiner sehen will“, attestiert hatte. Eine Einlassung, die beim Gegner die letzten Reste an Motivation aktiviert habe, wie sein Gegenüber Constantin Möstl, der ebenfalls eine sehr starke Leistung bot, vor dem Spiel angemerkt hatte.

Was der deutsche Torhüter damit gemeint hatte, trugen die Österreicher nach dem schnellen 1:4-Rückstand gegen die DHB-Auswahl zur Schau: Trainer Iker Romero, als Aktiver 2005 Weltmeister, nahm Möstl vom Feld und brachte den siebten Feldspieler. Das ist sein bevorzugtes Mittel, um einen scheinbar überlegenen Gegner aus dem Rhythmus zu bringen. Die Österreicher nahmen fortan Tempo aus der Partie und spielten lange Angriffe, was den Gegner Nerven kostet und Geduld erfordert, beides wurde von der deutschen Abwehr allerdings mit zunehmender Spieldauer immer besser aufgebracht. Weil auch die Österreicher eine bissige Abwehr zu stellen wussten, blieb es eine torarme Partie, die beiden Torhüter waren die prägenden Akteure. Der siebten Feldspieler birgt bekanntermaßen das Risiko des verwaisten Tores, doch die deutschen Werfer, einmal auch Wolff, verfehlten zu oft den leeren Kasten des Gegners.

Auch Gruppengegner Spanien hat Probleme beim Auftaktsieg gegen Serbien

Trotz der ausgelassenen Chancen setzten sich der Favorit immer weiter ab, was an den beiden großen Pluspunkten dieser jungen deutschen Mannschaft lag: Zum einen bildeten Kapitän Johannes Golla und der Gummersbacher Nationalteam-Novize Tom Kiesler im Innenblock eine herausragende Abwehr, die den zu Spielbeginn phasenweise stockenden Angriff kaschierte. Und dann konnten die Deutschen die Offensive dank ihres breiten Kaders besser ins Spiel bringen, was vor allem am flinken Spielmacher Juri Knorr, der anfangs auf der Bank geblieben war, sowie EM-Debütant Miro Schluroff lag.

Zur Pause führte das DHB-Team 12:8, blieb nach dem Wechsel erst souverän, verpasste es allerdings, den Österreichern vorzeitig den Zahn zu ziehen. „Wir versäumen es zehn Minuten vor Ende und fünf Toren Vorsprung, das Spiel endgültig zu ziehen“, monierte Gislason in der ARD. Ein Sonderlob spendierte der Isländer dagegen neben seiner Abwehr auch Kapitän Johannes Golla, mit sieben Treffern erfolgreichster Werfer, sowie den Außen Lukas Zerbe (6 Tore) und Lukas Mertens (2). Den Turnier-Flow, der das Team ins Halbfinale tragen soll, gelte es aber noch zu finden: „Es gibt vieles, was wir noch besser machen müssen.“

Im zweiten Spiel der Gruppe A behielt der zweimalige Europameister Spanien erwartungsgemäß mit 29:27 Toren die Oberhand. Dabei wurde es in einer Partie, die von den Iberern lange kontrolliert wurde, in der Schlussphase nochmals eng, letztlich sicherte der nicht immer überzeugende Magdeburger Torhüter Sergey Hernandez den Spaniern den gelungenen Turniereinstand. Am Samstag trifft Deutschland im zweiten Gruppenspiel auf Serbien.