Auf dem Kunstmarkt Spaniens sind Künstlerinnen gefragt

Zwei ganz unterschiedliche Gemälde von Francisco de Goya (1746 bis 1828) waren die beiden Spitzenlose auf dem spanischen Kunstmarkt des Jahrs 2025. Das eine zeigt in einem Ganzkörperporträt von 1788 den Barons von Menglana, Don José Cistué y Coll. Das Bildnis des angesehenen Juristen und Universitätsprofessors hat die aragonische Regionalregierung von den Erben des Porträtierten für 3,6 Millionen Euro erworben und dem Museum in Huesca übergeben.

Zweimal Goya an der Spitze

Denselben Preis bewilligte ein Bieter für ein Frühwerk Goyas im erst 2024 in Madrid eröffneten Auktionshaus Magna Art Auctions. Die „Anbetung des Kreuzes“ malte Goya um 1772 vermutlich für die Kirche in Torrecilla de Valmadrid. Dort vergoldete sein Vater damals den Hauptaltar. Das Gemälde stammt aus einer privaten katalanischen Sammlung, ist mit einer Exportgenehmigung des spanischen Kulturministeriums versehen und wurde zum Ausgangspreis abgegeben.

Eines der beiden teuersten Werke des Jahres im spanischen Kunsthandel 2025: Goyas 1788 gemaltes Porträt des Barons von Menglana hat die aragonische Regionalregierung für 3,6 Millionen Euro gekauft.
Eines der beiden teuersten Werke des Jahres im spanischen Kunsthandel 2025: Goyas 1788 gemaltes Porträt des Barons von Menglana hat die aragonische Regionalregierung für 3,6 Millionen Euro gekauft.Museo de Huesca

Mit 2,2 Millionen Euro einen beachtlichen Preis zahlte der spanische Staat auch für ein Konvolut von neun Ölbildern mit Perlmutt-Inkrustationen. Entstanden Ende des 17. Jahrhunderts im Vizekönigreich Neuspanien, dem heutigen Mexiko, kommen die seltenen Bildnisse der Jungfrau Maria nun in Madrids Museo de América. Sie stammen aus dem Palast des Marquis de la Montilla in Sevilla.

Bietergefecht um eine Frau in der Schlacht

Ein Bietergefecht löste eine der Forschung bislang unbekannte Arbeit von Luca Giordano (1634 bis 1705) aus. Das Auktionshaus Abalarte aus Madrid bot die monumentale Darstellung einer Amazone in der Schlacht oder der kämpfenden Assyrerkönigin Semiramis für 180.000 Euro an. Erst bei 700.000 Euro fiel der Hammer. Dem Vernehmen nach ging das Werk an einen ausländischen Sammler am Telefon.

Nur geringfügig weniger, umgerechnet 687.000 Euro, zahlte die Inselregierung Mallorcas bei einer Onlineversteigerung von Sotheby’s in London für eine sehr gut erhaltene Seekarte aus dem 15. Jahrhundert. Der mallorquinische Kartograph Pere Rosell fertigte sie 1447 auf Pergament. Informationen über die wichtigsten Entfernungen, Riffe und Häfen erhielt er von Seeleuten, den Auftrag für die Karte von der florentinischen Familie Martelli, die als Rivalin der Medici galt. Zuverlässig sind nur die Informationen über den westlichen Teil des Mittelmeers. Im östlichen taucht sogar Babylon auf, obwohl die einst größte Stadt der Welt nie am Meer lag und zu Rossels Lebzeiten bereits ein Mythos war.

Nicht die raue See, sondern liebliche Mädchen sind das nächste Motiv. Dank des Legats des Prado-Konservators Juan José Luna sicherte der spanische Staat der Pinakothek des Prado ein Bildnis der Töchter des Malers Luis Paret (1746 bis 1799). Das Ölbild auf Kupfer „María y Luisa“ von 1783 kostete 395.000 Euro.

Bei Magna Art für 325.000 Euro versteigert: Lavinia Fontanas Ölgemälde „Dame mit Dienerin und Hündchen“, 1604/1614
Bei Magna Art für 325.000 Euro versteigert: Lavinia Fontanas Ölgemälde „Dame mit Dienerin und Hündchen“, 1604/1614Magna Art

Ebenfalls für den Prado bestimmte der Staat „Die Heimsuchung“ von Juan Bautista Maíno (1581 bis 1649). Das religiöse Motiv hatte die Galerie Jaime Eguiguren Arts & Antiques aus Uruguay 2022 auf der TEFAF in Maastricht angeboten. Jetzt zahlte das spanische Kulturministerium 375.000 Euro für das farbenfrohe Bildnis der Gottesmutter und ihrer Cousine Elisabeth, beide in freudiger Erwartung.

Das Museum Reina Sofía fügte seiner Sammlung für 300.000 Euro ein kleines Werk von Maruja Mallo (1902 bis 1995) hinzu. Die spanische Malerin schuf das realistische Porträt einer jungen schwarzen Frau 1948 im Exil in Argentinien. Es hat nichts mit den surrealistischen oder abstrakt-geometrischen Werken der Mitstreiterin der Gruppe „Generation 27“ zu tun. Dennoch ist die Ausdruckskraft des Profilbilds unbestreitbar. Die Akquisition markiert einen neuen Höchstpreis für Maruja Mallo und steht im Kontext der Vorbereitung einer Retrospektive, die für 2026 unter dem Titel „Máscara y Compás“ im Reina Sofía geplant ist.

Schon zu Lebzeiten äußerst erfolgreich

Maruja Mallo ist aber nicht die einzige Künstlerin, die es 2025 in die Bestenliste des spanischen Kunstmarkts schaffte. Die italienische Malerin Lavinia Fontana (1552 bis 1614) und die spanische Bildhauerin Luisa Roldán (1652 bis 1706) sind beide mit jeweils zwei Werkenvertreten. Die Ölbilder „Dame mit Dienerin und Hündchen“ und „Dame mit Kind“ der italienischen Manieristin fanden zum Ausgangspreis von 325.000 respektive 275.000 Euro bei Magna einen neuen Liebhaber.

Zugunsten des Prado für 275.000 Euro bei Ansorena ersteigert: Terrakottagruppe „Rast auf der Flucht nach Ägypten“ von Luisa Roldán Villavicencio aus dem späten 17. Jahrhundert
Zugunsten des Prado für 275.000 Euro bei Ansorena ersteigert: Terrakottagruppe „Rast auf der Flucht nach Ägypten“ von Luisa Roldán Villavicencio aus dem späten 17. JahrhundertPrado

Zwei farbige Terrakottagruppen der „Roldana“ Luisa Ignacia Roldán Villavicencio (1652 bis 1706), sicherte sich der Staat beim Auktionshaus Abalarte taxgerecht für je 275.000 Euro. Die „Rast auf der Flucht nach Ägypten“ geht an den Prado in Madrid und die „Muttergottes“ nach Valladolid in das nationale Skulpturenmuseum. Luisa Roldán genoss – wie auch Lavinia Fontana – schon zu Lebzeiten Anerkennung und wurde 1692 Bildhauerin des Hofes. Dennoch ist der jetzige Ankauf ihr erstes Werk, das im Prado ausgestellt wird.

Insgesamt zeigte sich der spanische Kunstmarkt auch im vergangenen Jahr mit einstelligen Millionenbeträgen bei den Spitzenlosen im internationalen Vergleich bescheiden – trotz einer Tendenz zu Alten Meistern. Das Kulturgut, sei es spanischen, hispanischen oder ausländischen Ursprungs, wird im Land gepflegt. Entsprechend bleibt sein Kulturministerium einer der wichtigsten Käufer. Nachteilig ist, wenn der Staat von seinem Vorkaufsrecht Gebrauch macht, die lange Zeitspanne, die ihm zur Zahlung gewährt werden muss.

Ein neues Gesetz, das Mäzenen und Sammlern Anreize verschaffen soll, wird seit Jahren diskutiert, aber nicht verabschiedet. Es könnte den Markt beleben und hochkarätige Werke, die noch zurückgehalten werden, in die Auktionshäuser bringen.