Auf Cem Özdemirs Wahlparty: Kostenlose Brezel-Tattoos für die Feiernden – Panorama

Auf einer Veranstaltung des Reutlinger Generalanzeigers, eines wichtigen südwestdeutschen Investigativ-Blattes, wurde der ehemalige Bundesumweltminister und erfolgreiche Grünen-Spitzenkandidat in Baden-Württemberg, Cem Özdemir, vor einigen Tagen mal gefragt: „Sie müssen sich ein Tattoo stechen lassen, welches würden Sie sich wählen?“ Özdemir antwortete: „Der Ronaldo hat doch mal gesagt, dass man auf ein schönes Auto doch auch kein Aufkleber draufmacht.“ Applaus. Der Satz, auch, wenn er nicht von Ronaldo, sondern von Kim Kardashian stammen dürfte („You don’t put a bumper sticker on a Bentley“), erinnerte viele politische Beobachter natürlich sofort an den Schauspieler Sky Dumont, der, in einem anderen Kontext allerdings, mal meinte, ein schönes Haus stelle man sich doch auch nicht hinter eine Hecke.

Nun ist es mit den Hecken und den Aufklebern halt so eine Sache. Das weiß auch der Reutlinger Generalzeiger. Denn dort hieß es erst vor wenigen Tagen in einem Artikel: „In der Reutlinger Praxisklinik R. lassen immer mehr Menschen ihre Tattoos weglasern.“ Könnte sein, dass sie dort bald noch mehr zu tun haben werden: Denn bei der Stuttgarter Wahlparty von Özdemirs Partei konnten sich seine Anhänger jetzt von einem eigens dafür angeheuerten Tätowierer kostenlos eine Brezel (baden-württembergische Schreibweise!) unter die Haut stechen lassen. Özdemir gilt, da er aus Bad Urach stammt, wo angeblich der Bäcker Frieder die Brezel erfand, als Experte für verschlungenes Laugengebäck. Ja, man kann sagen, dass für Özdemir die Brezel das ist, was eine Bratwurstsemmel für Markus Söder: eine Brücke zwischen Gartenhecke und Bentley.

Doch spätestens, seitdem sich Florian Silbereisen vor 15 Jahren mal ein sehr, sehr großes Tattoo mit Helene Fischer auf den Oberkörper tätowieren ließ (das Paar gab Ende 2018 seine Trennung bekannt), ist auch in der deutschen Arschgeweih-Szene eine gewisse Zurückhaltung spürbar. Denn während man die Entscheidung, sich einen Sticker aufs Auto zu kleben oder einen Busch vors Haus zu stellen, recht schnell wieder revidieren kann, ist das vollständige Entfernen von Tattoos meist deutlich komplizierter.  In Stuttgart jedenfalls, so berichtet nicht nur der Reutlinger Generalanzeiger, habe sich lediglich etwa ein halbes Dutzend Özdemir-Anhänger am Wahlabend etwas stechen lassen, wenn auch keine großen Bilder von Helene Fischer, Kim Kardashian oder Sky Dumont. Denn: Man weiß ja nie, wann man die mal wieder leid ist.