Auch Scholz war schon im Café „Nö“

Bald werden sich Historiker der Frage zuwenden, was von Olaf Scholz’ Kanzlerschaft bleibt. Eine Antwort steht jetzt schon fest: das „Nö“. Mit diesem Wörtchen antwortet Scholz gelegentlich, wenn Journalisten gern mehr von ihm hören würden. Entsprechend steht das „Nö“ für eine Kluft zwischen Kanzler und Journalisten, wobei Ersterer wohl sagen würde, das liege nicht am Kanzler.

Journalisten wiederum rächen sich mit Texten, die Titel tragen wie „Der Nö-Kanzler“, „Ein Kanzler, ein Nö“, „Mister Nö“ oder schlicht „Nö“. Anlass bot zum Beispiel ein Fernsehinterview 2022, in dem der Journalist Scholz fragte, ob dieser Energiespartipps für die Bürger habe. Scholz entgegnete: „Nö.“ Oder vergangenes Jahr, als eine Journalistin ihn am Abend der Europawahl fragte, ob er das miese Ergebnis der SPD kommentieren wolle: „Nö.“

Das Café geht mit seinen prominenten Gästen nicht hausieren

Dass am „Nö“ eigentlich nichts verkehrt ist, belegt die Tatsache, dass ein gleichnamiges Café im Regierungsviertel äußerst beliebt ist. Der Wirt, ein Jazzschlagzeuger, erklärte den Namen einmal damit, dass man lieber auch mal „Nö“ sagen solle statt immer nur „Jaja, das machen wir schon“, und dann passiere doch nichts. So gesehen ist die Antwort „Nö“ wie ein Glas Wein: an sich gut, bloß nicht in jeder Situation passend.

Im Café Nö heißt es Ja zum Glas Wein
Im Café Nö heißt es Ja zum Glas WeinFriederike Haupt

Wie um das anzudeuten, hängt im Café eine Kopie des Vermeer-Gemäldes „Das Glas Wein“. Die Weinkarte ist opulent, allerdings kein Fall für Wichtigtuer, die mit Flaschen im dreistelligen Eurobereich Geschäftsabschlüsse feiern, sondern eher etwas für Fans von Winzerstuben. Somit auch für Politiker, die dem Volk nahe bleiben wollen. Der frühere Bundespräsident Joachim Gauck saß hier schon, so wie auch Arbeitsminister Hubertus Heil. Das Café geht damit aber nicht hausieren, Fotos von Promi-Gästen an den Wänden fehlen.

Wäre das Café Nö ein Land, seine Bürger wären glücklich

An einem Mittwochabend im Frühjahr sind auffallend viele Gäste gut gelaunt, lautes Juchzen von den Nebentischen, ein Tinder-Date flirtet auf Englisch, eine Gruppe sehr gut angezogener Frauen bestellt noch eine Runde. Auf der Karte stehen Besonderheiten, die man in Berlin sonst lange suchen kann, zum Beispiel die in Rotwein eingelegten Pflaumen im knusprigen Speckmantel, Stück ein Euro. Wäre das Café Nö ein Land, seine Bürger wären glücklich.

Was folgt daraus für Olaf Scholz? War er überhaupt schon mal im „Nö“? Eine entsprechende Anfrage der F.A.S. beantwortet der Regierungssprecher nicht etwa mit „Nö“, sondern mit „Jawohl“. Er selbst sei dabei gewesen. Allerdings zu einer Zeit, als der Kanzler noch nicht Kanzler war. Bald ist er kein Kanzler mehr. Vielleicht geht er dann mal wieder ins „Nö“. Als Denksportaufgabe für Historiker.