Attentat auf Charlie Kirk: Strenge Sicherheitsauflagen und eine „seltsame Schwere“ – Die schwierige Rückkehr zur Normalität

An der Utah Valley University wird in Kürze der Unterricht wieder aufgenommen. Nach der Erschießung von Charlie Kirk herrscht am Campus noch immer Fassungslosigkeit. Viele Studenten, die die Tat aus nächster Nähe beobachtet haben, kämpfen mit den wiederkehrenden Erinnerungen an die brutale Tat.

Während Ermittler das Wochenende damit verbrachten, im Fall des getöteten Charlie Kirk weitere Details über den Todesschützen herauszufinden, versuchen Studenten der Utah Valley University in ihren Alltag zurückzufinden.

Der einflussreiche rechtskonservative Aktivist Kirk war am Mittwoch als Gastredner auf dem Campus der Universität im Bundesstaat Utah aufgetreten und diskutierte mit Studenten gerade über Waffengewalt, als in der Attentäter mit nur einem einzigen Schuss niederstreckte.

Dass der 22-jährige mutmaßliche Täter Tyler Robinson inzwischen festgenommen wurde, und der Schütze somit nicht länger frei herumläuft, hat auf dem Campus für ein wenig Beruhigung gesorgt. Dennoch hat die Universität angekündigt, die Sicherheitsvorkehrungen zu verstärken, wenn der Unterricht am 17. September wieder aufgenommen wird.

Denn die Debatten um Kirks Bedeutung werden trotz aller Appelle und Bitten um mehr Anstand in politischen Diskussionen weiterhin hitzig geführt. Das hat Konsequenzen: Mehrere Menschen, die Kirk nach seinem Tod kritisiert hatten, wurden entlassen oder suspendiert. So gab das Unternehmen Office Depot am Freitag bekannt, einen Mitarbeiter in einem Geschäft in Michigan entlassen zu haben, nachdem er sich geweigert habe, Flyer für eine Mahnwache für Kirk zu drucken, und diese als „Propaganda“ bezeichnete. Am Donnerstag filmte sich ein Influencer vor dem Haus des demokratischen Gouverneurs von Illinois, J.B. Pritzker, und forderte die Zuschauer dazu auf, nach der Ermordung von Kirk „Maßnahmen zu ergreifen“. Die Sicherheitsvorkehrungen für Pritzker wurden verstärkt.

Zudem sind weiterhin viele Fragen offen: Was war das Motiv des Täters? Wie hat er die Tat geplant? Waren Sicherheitslücken vermeidbar, die es Robinson ermöglichten, Kirk von einem Dach aus zu erschießen und anschließend tagelang unterzutauchen?

Gedenken auf dem Universitätscampus

An einer provisorischen Gedenkstätte in der Nähe des Haupteingangs der Utah Valley University in Orem hat unterdessen das Gedenken an Kirk begonnen. Menschen legen Blumen nieder, Autos fahren durch die umliegenden Straßen, hupen, hissen amerikanische Flaggen und zeigen Botschaften wie „Wir lieben dich, Charlie“, „Charlie 4 Ever“ und „RIP Charlie“.

In dem Bereich, in dem Kirk, Gründer der Organisation „Turning Point USA“, erschossen wurde, beginnt ein Team damit, Zelte und Banner abzubauen und Spuren der Tat zu beseitigen.

An einer für Kirk aufgebauten Gedenkstätte versammeln sich fassungslose Studenten. Unter ihnen ist Alec Vera, der nach eigenen Angaben Zeuge der Erschießung war und es erst am Freitagabend geschafft hatte, sein Haus zu verlassen. Er sei benommen gewesen, habe sich nicht konzentrieren können und Menschen gemieden, seit er zusah, wie Kirk etwa 9 bis 12 Meter vor ihm zusammengebrochen war, erzählt er. Eine Autofahrt sollte ihm helfen, auf andere Gedanken zu kommen. Den Kopf freizubekommen. Dann hielt er an der Gedenkstätte an. „Ich hatte einfach das Bedürfnis, hierherzukommen, um mit allen zusammen zu sein, um entweder zu trösten oder getröstet zu werden. Um mich einfach mit denen zu umgeben, die ebenfalls trauern“, sagt Vera.

Eine Frau kniet weinend nieder. Andere stehen still da oder unterhalten sich leise mit Freunden. Am Rand des Campus sind Bäume mit roten Absperrbändern umwickelt. Auf den Parkplätzen stehen ein paar Autos, die Besitzer wohl bei der hastigen Flucht zurückgelassen hatten. Ein Student bittet einen Polizisten, ihm zu erlauben, sein hinter der Absperrung stehendes Fahrrad zu holen. Er lächelt, als der Polizist ihn durchlässt. Die Universität hatte mitgeteilt, dass Menschen ihre Sachen nach dem Wochenende abholen können.

Als die Studentin Marjorie Holt Blumen zum Campus bringt, bricht sie in Tränen aus. Sie ist noch nicht bereit, zum Campus zurückzukehren, erzählt die 18-Jährige. Seit der Tat werde sie von dem Schrecken heimgesucht, den sie miterlebt hat. Dem Geräusch eines einzigen Schusses, in dem Moment, in dem Kirk gerade eine Frage beantwortete. „Ich sah ihn umfallen, ich sah das Blut, aber aus irgendeinem Grund konnte ich nicht begreifen, was passiert war“, sagt sie. Da sie wegen starker Kopfschmerzen und Übelkeit nicht schlafen konnte, rief sie ihren Vater an. Er brachte sie nach Hause, ins etwa 65 Kilometer entfernte Salt Lake City. Die Rückkehr zum Campus werde sich „schrecklich anfühlen, wie eine Last auf meinem Herzen“, glaubt die Studentin.

Das Unbehagen bleibt

Eine Frau namens Vera sagt, Kirk sei am Haupttreffpunkt des Campus erschossen worden, wo Studenten für gewöhnlich ein Nickerchen machen, meditieren oder Hausaufgaben erledigen. „Wenn ich zurückkomme und das sehe, werde ich mich erst wohl sehr unwohl fühlen. Weil ich weiß, dass ich jedes Mal daran vorbeigehen muss und weil ich weiß, was hier passiert ist“, sagt Vera.

Der Student Alexis Narciso erzählt von Flashbacks – immer dann, wenn er einen Knall, eine Hupe oder andere laute Geräusche höre. Er habe nur etwa drei Meter von Kirk entfernt gestanden. „Ich fühle mich einfach taub. Ich fühle nichts“, sagt Narciso. „Ich möchte weinen – aber gleichzeitig auch nicht.“

Jessa Packard, eine alleinerziehende Mutter von zwei Kindern, die in der Nähe wohnt, sagt, dass ihr Unbehagen auch nach der Festnahme des Verdächtigen nicht abnehme. Das Sicherheitssystem ihres Hauses hat ein Video v0n Robinsons Auto aufgenommen, mit dem er laut Polizei zum Campus gefahren ist. Nach der Tat seien Polizeibeamte in ihre Nachbarschaft gekommen, hätten Gärten durchsucht und die Aufnahmen sichergestellt.

„Es herrscht eine wirklich seltsame Schwere, und ehrlich gesagt habe ich immer noch große Angst“, sagt Packard. „Die Tatsache, dass sich so ein Mörder in meiner Nachbarschaft aufgehalten hat (…) fühlt sich wirklich unheimlich an.“

Halle Hanchett, eine 19-jährige Studentin der nahe gelegenen Brigham Young University, hat Blumen zur Gedenkstätte mitgebracht. Sie blickt still auf den Ort, an dem der Auftakt zu Kirks „American Comeback Tour“ in Gewalt endete. Sie erzählt, dass sie gerade ihr Handy herausgeholt habe, um Kirk zu filmen, als sie den Schuss hörte, gefolgt von Schreien aus der Menge. Dann habe sie Blut gesehen, und mitbekommen, wie Kirks Sicherheitsteam zu ihm vorgedrungen sei. Auch den Schrecken in den Gesichtern um sie herum habe sie wahrgenommen. Sie legte sich in Embryo-Stellung auf den Boden und fragte sich: „Was ist los? Werde ich sterben?“

„In den letzten Tagen habe ich einfach nicht viel gesagt. Ich habe mich irgendwie zurückgezogen und vor mich hingestarrt“, sagte Hanchett, während sie mit ihrem Partner neben einem plätschernden Springbrunnen steht. „Die Erinnerung an die Tat spielt sich einfach immer wieder von vorn ab.“ Sie bete um die Kraft, weiterzumachen, sagt sie. „Und darum, es so sehen zu können: ‚Okay, ich war dabei. Was kann ich daraus lernen? Und wie kann ich anderen helfen, daraus zu lernen?‘“

AP/dp