

Der hessische Arbeitsmarkt zeigt ein zweigeteiltes Bild. Obwohl die Arbeitslosigkeit in Hessen seit geraumer Zeit zunimmt, gibt es gleichzeitig einen Anstieg der Beschäftigung: Während die Gesamtbeschäftigung mit Schwerpunkt im öffentlichen Dienst in den vergangenen drei Jahren leicht zugelegt hat, bauen Branchen der Industrie weiter Stellen ab. Das geht aus dem „Hessischen Regionaldatenreport“ des Instituts für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK) der Goethe-Universität Frankfurt hervor, der auf Daten der Bundesagentur für Arbeit basiert.
Auffällig ist zudem die Entwicklung bei jungen Menschen. Der Bestand der Arbeitslosen, die direkt nach einem Abschluss arbeitslos geworden sind, ist von Februar 2022 bis 2026 in allen Gruppen gestiegen. Besonders stark hat er mit einem Plus von 61 Prozent bei Hochschulabsolventen zugenommen. Auch bei Personen ohne Berufsabschluss ist der Anstieg mit 43 Prozent hoch, während er bei Absolventen einer Ausbildung mit 14 Prozent deutlich geringer ausfällt. Der Report wertet dies als mögliches Signal für eine stärkere Differenzierung: Fachkräfte bleiben gesucht, während der Einstieg für Akademiker schwieriger werden könnte. Besonders schlecht ist die Lage für diejenigen, die keinerlei Berufsausbildung haben.
Öffentlicher Dienst, Gesundheit und Finanzwirtschaft legen zu
Insgesamt stieg die Zahl der Beschäftigten im Landesdurchschnitt – sozialversicherungspflichtig und geringfügig Beschäftigte zusammen – von 3,066 Millionen im Dezember 2022 auf rund 3,64 Millionen im ersten Quartal 2026. Das entspricht einem Rekordwert. Hinter dem Gesamtwert verbergen sich jedoch deutliche Verschiebungen zwischen den Sektoren.
Zu den Wachstumssektoren zählt vor allem die öffentliche Verwaltung: Ihre Beschäftigtenzahl erhöhte sich seit Dezember 2022 um acht Prozent auf rund 184.000 im Dezember 2025. Auch das Gesundheits- und Sozialwesen wuchs mit einem Plus von sieben Prozent kräftig und kommt inzwischen auf etwa 430.000 Beschäftigte. Die Finanz- und Versicherungsdienstleistungen legten um sechs Prozent auf rund 160.000 zu. Zuwächse verzeichneten zudem Verkehr und Lagerei mit einem Plus von fünf Prozent sowie Erziehung und Unterricht mit vier Prozent. Das Gastgewerbe liegt zwar ebenfalls acht Prozent über dem Basiswert, der Report weist jedoch darauf hin, dass dieser Anstieg stark vom niedrigen Ausgangsniveau Ende 2022 nach der Corona-Pandemie geprägt ist.
Auf der Verliererseite stehen dagegen vor allem die Industrie und die Baubranche. Im verarbeitenden Gewerbe sank die Beschäftigung zwischen Dezember 2022 und Dezember 2025 um fünf Prozent auf etwa 432.000. Das Baugewerbe verlor drei Prozent (auf rund 152.000). Rückgänge zeigen sich außerdem in den Berufen der Information und Kommunikation sowie im Handel, zu dem auch Autohäuser und Kfz-Instandhaltung gezählt werden (jeweils minus zwei Prozent).
Ein Blick in die Berufsgruppen unterstreicht die schlechte Lage in der industriellen Produktion. In den Maschinen- und Fahrzeugtechnikberufen ging die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten zwischen Juni 2023 und Juni 2025 um ein Prozent zurück, während die Arbeitslosigkeit in dieser Berufsgruppe um 25 Prozent zulegte. Besonders deutlich war der Beschäftigungsrückgang auf Helferniveau mit einem Minus von acht Prozent. In den Metallerzeugungs- und Metallverarbeitungsberufen fiel der Rückgang noch deutlicher aus: minus zehn Prozent Beschäftigung binnen zwei Jahren.
Für den Februar 2026 hatte die hessische Arbeitsagentur eine leichte Entspannung gemeldet, die Arbeitslosenquote war im Vergleich zum Januar unverändert bei 6,1 Prozent geblieben. Ob daraus eine nachhaltige Trendwende wird, bleibt abzuwarten. Zumal der Irankrieg in die Studie noch nicht einbezogen worden ist.
