André Ventura gegen António José Seguro: Stichwahl in Portugal

In Portugal hat es die rechtspopulistische Chega-Partei in die Stichwahl um das Präsidentenamt geschafft. Der Chega-Vorsitzende André Ventura wird am 8. Februar gegen den früheren Vorsitzenden der sozialistischen Partei (PS) António José Seguro antreten, der nach Auszählung von 95 Prozent der Wahlkreise mit rund 30 Prozent einen deutlichen Vorsprung hat und kaum noch zu schlagen ist.

Die migrantenfeindliche Chega-Partei setzte damit ihren Aufstieg weiter fort. Im vergangenen Mai war sie mit 22 Prozent bereits zweitstärkste Kraft im Parlament geworden. Dieses Ergebnis könnte Ventura jetzt sogar noch übertreffen. Am Abend beanspruchte er die Führung der portugiesischen Rechten für Chega.

Erste Stichwahl seit 40 Jahren

Bei der Wahl am Sonntag war eine Rekordzahl von Kandidaten angetreten. Keiner der insgesamt elf Bewerber erhielt jedoch die nötige Mehrheit. Für Portugal hat das die erste Stichwahl seit 40 Jahren zur Folge. Traditionell lösen sich an der Staats- und Regierungsspitze die Sozialisten und die (derzeit regierende) konservative PSD ab.

Der von der PSD unterstützte Kandidat Luís Marques Mendes schnitt am Sonntag mit rund 12 Prozent deutlich schlechter ab als Ventura. Auch Henrique Gouveia e Melo blieb chancenlos. Der Vizeadmiral der Marine und frühere U-Boot-Kapitän hatte die große Impfkampagne gegen das Coronavirus generalstabsmäßig organisiert und sich dabei Ansehen erworben.

Zunächst hatte der parteilose Bewerber als Favorit für die Nachfolge des populären Präsidenten Marcelo Rebelo de Sousa gegolten, der nach zwei Amtszeiten ausscheidet. Beide Kandidaten lieferten sich ein Duell um den vierten und fünften Platz, während der Sozialist Seguro ein viel besseres Ergebnis erzielte als seine PS-Partei bei der Parlamentswahl 2025 (rund 23 Prozent).

Schon vor der Wahl am Sonntag hatten Vertreter anderer Parteien angekündigt, dass sie in der Stichwahl dem Herausforderer Venturas zu einer Mehrheit verhelfen werden. Das Präsidentenamt hat vorwiegend repräsentative Funktionen, der Staatschef kann jedoch das Parlament auflösen, was der Amtsinhaber mehrmals getan hat. Ventura strebt das Amt des Ministerpräsidenten an, das seiner erst 2019 gegründeten Partei politisch einen viel größeren Gestaltungsspielraum geben würde.