Alternde Lkw‑Flotten: MAN fordert EU‑Abwrackprämie

Die europäischen Lkw-Flotten werden immer älter – und gleichzeitig geraten Speditionen durch hohe Kosten, strengere Klimavorgaben und zunehmenden Wettbewerb unter Druck. Viele Unternehmen können sich Elektro-Lkw nicht leisten, obwohl die Branche die Klimaziele der EU erfüllen muss. MAN‑Chef Alexander Vlaskamp sieht den geplanten Wandel hin zu E‑Lkw deshalb ernsthaft gefährdet und fordert staatliche Unterstützung.

Im Gespräch mit dem Handelsblatt spricht sich Vlaskamp für eine europäische Abwrackprämie aus. Sie soll helfen, gealterte Diesel-Lkw schneller durch moderne, emissionsärmere Modelle zu ersetzen. Ohne staatliche Unterstützung werde der Umstieg zu langsam vorankommen, denn Elektro-Lkw sind weiterhin deutlich teurer – und die Ladeinfrastruktur hinke hinterher.

Die EU schreibt vor, den CO₂-Ausstoß schwerer Nutzfahrzeuge bis 2030 um 45 Prozent zu senken. Viele Hersteller halten dieses Ziel jedoch für unrealistisch.
Ein Kernproblem: fehlende Netzanschlüsse und jahrelange Genehmigungsverfahren. Einige Speditionen warten bis zu drei Jahre auf neue Kapazitäten.

Der Nutzfahrzeugmarkt elektrifiziert sich langsamer als geplant.
Durch die schwache Konjunktur, hohe Anschaffungskosten und Unsicherheit über Antriebe lassen Speditionen ihre Fahrzeuge länger laufen.
Das Durchschnittsalter der europäischen Lkw liegt inzwischen bei rund 14 Jahren – deutlich höher als bei Pkw.

Vlaskamp fordert ein klares Förderprogramm: Staaten sollen bis zu 50 Prozent des Anschaffungspreises übernehmen oder steuerliche Abschreibungen erleichtern.
Die Prämie solle sich am CO₂-Ausstoß orientieren – E-Lkw würden damit stärker gefördert als Diesel.

Die Situation ist angespannt: Trotz Milliardeninvestitionen in neue Technologien ist die Nachfrage schwach.
Der europäische Lkw-Markt schrumpfte zuletzt auf unter 310.000 Neuzulassungen. Besonders Deutschland tut sich schwer.

MAN erzielte 2025 einen operativen Gewinn von 904 Millionen Euro – leicht weniger als im Vorjahr.
Die operative Marge blieb mit 6,4 Prozent konstant. Wachstum kam aus dem Busgeschäft und dem Van-Segment.
Im Kerngeschäft sank der Lkw-Absatz auf 63.296 Fahrzeuge – deutlich unter früheren Spitzenwerten über 100.000 Einheiten.

Seit Herbst steigen die Auftragseingänge wieder, wenn auch von niedrigem Niveau.
Im vierten Quartal erreichte MAN eine Marge von über acht Prozent.
Langfristig bräuchte die Branche jedoch ein Marktvolumen von 380.000 bis 400.000 Einheiten statt aktuell 307.000.

Chinesische Hersteller wie BYD verstärken ihren Markteintritt und bauen Werke in Osteuropa.
MAN reagiert mit tiefen Einschnitten und einer neuen Produktionsstrategie.

Der Karosseriebau wird von München ins polnische Krakau verlagert.
Bis 2030 sollen rund 2.300 Stellen in Deutschland sozialverträglich abgebaut werden.
Gleichzeitig investiert MAN bis 2035 rund eine Milliarde Euro in deutsche Standorte wie München, Nürnberg und Salzgitter.

Vlaskamp betont, dass die deutschen Werke das Rückgrat bleiben sollen – der Ausbau in Osteuropa sei jedoch entscheidend, um gegenüber chinesischen Wettbewerbern konkurrenzfähig zu bleiben.