Alternative für Deutschland: AfD-Außenpolitiker Moosdorf traf sich mit Putin-Berater in Moskau

Matthias Moosdorf, Bundestagsabgeordneter und außenpolitischer Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion, hat Anfang März in Moskau an einem Treffen mit Anton Kobjakow, einem hochrangigen Berater von Wladimir Putin, teilgenommen. Dabei wurden Pläne für ein Chorfestival besprochen, die sogenannten World Choir Games, die 2027 in Russland stattfinden sollen. Unterstützt werden soll der Wettbewerb vom russischen Außenministerium und von der russischen Stiftung Roscongress, heißt es in einer Meldung der Staatsagentur Tass. Auch die von der russischen Regierung gegründete Kulturstiftung selbst hat darüber berichtet.

Moosdorf, der auch als Cellist aktiv ist, tritt seit Längerem immer wieder in Russland in Erscheinung. In seiner Funktion als außenpolitischer Sprecher folgte Moosdorf auf Petr Bystron. Der heutige Europaabgeordnete steht im Verdacht, Geld aus Russland angenommen zu haben, was Bystron bestreitet.

Moosdorf ist wegen seines Engagements in Russland auch in seiner eigenen Partei umstritten. Neben seinem Bundestagsmandat hat er eine Honorarprofessor an der Moskauer Gnessin-Akademie angenommen. Die Kreml-nahe Musikhochschule weist ihn mittlerweile als Mitarbeiter aus. Nachdem das Engagement im vergangenen Herbst bekannt wurde, gab es innerhalb der AfD-Fraktion Bestrebungen, Moosdorf als Sprecher abzusetzen, was scheiterte. Moosdorf behielt den Posten – und plant nun offenbar weitere Kooperationen mit Russland.

Demnach ist Moosdorf an Planungen für ein knapp zweiwöchiges Festival im übernächsten Jahr beteiligt, bei dem Chöre aus verschiedenen Ländern auftreten sollen, mit Russland als Gastgeber. In Meldungen über das Vorbereitungstreffen mit dem Putin-Berater Kobjakow wurde Moosdorf nicht als AfD-Politiker genannt, sondern als Mitglied des Organisationskomitees der World Choir Federation und des Vereins Interkultur. Auf einem Foto des Treffens ist neben Moosdorf auch Hans-Joachim Frey zu sehen, ein deutscher Kulturmanager, der seit Längerem in Russland arbeitet, dort Bälle und andere Events organisiert und für seine Verdienste von Wladimir Putin die russische Staatsbürgerschaft sowie einen „Orden der Freundschaft“ erhalten hat.

Telegram-Posting der Stiftung Roscongress mit einem Foto des Gesprächs in Moskau; 3. von links: Matthias Moosdorf, 4. von rechts: Anton Kobjakow © Screenshot: ZEIT ONLINE (Telegram)

Ob das Treffen mit dem Putin-Berater Kobjakow im Kreml oder an einem anderen Ort in Moskau stattgefunden hat, ist nicht bekannt. Moosdorf selbst will sich nicht dazu äußern. Eine Anfrage von ZEIT ONLINE ließ er unbeantwortet.

Das geplante Festival wird offenbar von obersten Stellen in Russland protegiert. Das russische Außenministerium „unterstützt die Initiative aktiv und betrachtet sie als einen wichtigen Schritt zur Stärkung der internationalen humanitären Beziehungen“, schreiben Tass und die Stiftung. Gedacht ist das Event offenbar auch als Inszenierung russischer Propaganda. Der Wettbewerb sei „nicht nur wichtig, um junge Menschen für das kulturelle Erbe zu begeistern, sondern auch um die Erinnerung an Ereignisse zu bewahren, die in der Geschichte unseres Landes eine Schlüsselrolle gespielt haben“, sagte Kobjakow den Berichten zufolge. Man wolle betonen, „wie wichtig es ist, Traditionen zu bewahren und die heroische Vergangenheit zu respektieren“. Für die Vorbereitung des Festivals sei außerdem eine Kooperationsvereinbarung mit der russischen Stiftung Roscongress unterzeichnet worden, wurde mitgeteilt.

Moosdorf pflegt eine große politische und persönliche Nähe zu Russland, auch in der Diskussion über die europäische Militärunterstützung der Ukraine: „Die russische Musik ist einer der bedeutendsten Beiträge zur Weltkultur“, sagte Moosdorf am 14. Februar auf einer Wahlkampfveranstaltung mit dem Bundestagskandidaten Maximilian Krah im sächsischen Stollberg. „Dann überlegt man sich zweimal, ob ein Land, ob ein Volk, ob eine Nation, die so etwas hervorbringt, wirklich besiegbar ist.“ Viele Europäer, die das versucht hätten, seien „auf Putins Schlachtfeldern geendet“, sagte Moosdorf und nannte als Beispiele den Krieg Napoleons gegen Russland 1812 und den Feldzug der nationalsozialistischen Wehrmacht. 

Bei der AfD, die während des Bundestagswahlkampfs vor allem die Nähe zu Tech-Milliardär Elon Musk in den USA suchte, fallen die Reaktionen zu Moosdorfs neuesten Aktivitäten in Russland äußerst knapp aus. „Die AfD hat von dem geschilderten Sachverhalt keine Kenntnis“, teilte ein AfD-Parteisprecher auf Anfrage von ZEIT ONLINE mit. Auch der Sprecher der Bundestagsfraktion will von der Angelegenheit noch nie gehört haben. Er betont aber, dass diese „keinen Bezug zu unserer parlamentarischen Arbeit hat“.