
Gesundheitspolitiker von SPD und CDU haben sich für höhere Alkoholpreise in Deutschland ausgesprochen. „Internationale Erfahrungen zeigen sehr deutlich: Eine maßvolle Erhöhung der Alkoholpreise
senkt insbesondere den riskanten Konsum, vor allem bei Jugendlichen und
Vielkonsumierenden“, sagte der gesundheitspolitische Sprecher der
SPD-Bundestagsfraktion, Christos Pantazis, der Rheinischen Post. Aus gesundheitsökonomischer Perspektive sei „die
derzeitige Alkoholbesteuerung in Deutschland nicht mehr zeitgemäß„. Sie sei „seit Jahren kaum angepasst worden“.
Die gesundheitspolitische Sprecherin der
Unionsfraktion, Simone Borchardt (CDU), befürwortete „die Einführung
einer zweckgebundenen Abgabe“. Eine solche dürfe aber „kein Instrument
der Haushaltskonsolidierung sein, sondern muss ein gezieltes
gesundheitspolitisches Steuerungsinstrument werden“.
Beispiel Litauen zeigt spürbare Erfolge
Der Fokus müsse dabei „klar auf hochprozentigem Alkohol
liegen“, sagte Borchardt. Dort sei „das Risiko für Abhängigkeit,
schwere Erkrankungen und die langfristigen Belastungen des
Gesundheitssystems besonders hoch„. Mit den Einnahmen sollten
„Prävention, Suchtberatung, Therapieangebote und die Versorgung alkoholbedingter Erkrankungen nachhaltig gestärkt werden“.
Studien zeigen, dass Preiserhöhungen bei Alkohol große Auswirkungen haben können. In Litauen sorgte der im Land zunächst stark umstrittene Schritt seit 2017 für deutlich weniger Alkoholtote und mehr Steuereinnahmen. Der befürchtete Konsum von illegalem Alkohol blieb aus.
Alkohol ist in Deutschland eine Alltagsdroge. Laut dem Robert Koch-Institut konsumiert ein Drittel der erwachsenen Menschen in Deutschland Alkohol in gesundheitsschädlichen Mengen. Das zeigt eine neue Studie des RKI. 44,2 Prozent
der Männer sind durch ihren Alkoholkonsum einem moderaten oder sogar
hohen Gesundheitsrisiko ausgesetzt. Bei Frauen liegt der Anteil bei 21,4
Prozent.
Von moderaten Gesundheitsrisiken spricht das RKI
bei drei bis sechs Getränken pro Woche. Ab sieben Getränken pro Woche ist das Risiko demnach hoch. Ein bis zwei Getränke hält das
Institut noch für ein geringes Risiko, nur der
gänzliche Verzicht auf Alkohol sei risikofrei.
