Algerischer Autor und Dissident Boualem Sansal verurteilt: juristische Groteske – Kultur

Das Ende des Verfahrens gegen den Schriftsteller Boualem Sansal bleibt dem Geist der ganzen Sache treu: Es handelt sich um eine Demonstration politischer Willkür. Es war keine Öffentlichkeit zugelassen, und die Anklagepunkte variierten wie das Wetter im nahenden April. Der Prozess fand statt, ohne dass der französische Anwalt des Angeklagten, François Zimeray, einreisen durfte. Vertreter des Regimes suchten Sansal in seinem Knast-Krankenzimmer auf und empfahlen ihm, einen nichtjüdischen Vertreter zu wählen, dem werde man ein Visum ausstellen. Da waren sie allerdings an den Falschen geraten: In seiner armen Jugend in Algier, im Viertel Belcourt, heute Belouizdad genannt, wohnte Sansal direkt neben der Synagoge. Der dortige Rabbi förderte ihn, gab Nachhilfe und ließ ihn in seinen Räumen Hausarbeiten machen. Immer wieder bedauerte es Sansal, dass die algerischen Juden das Land verlassen mussten. Zeitlebens, auch in seiner großen Rede für den Friedenspreis 2011, sprach sich Sansal für den Frieden zwischen Palästinensern und Israelis aus. Jedenfalls verteidigte sich Sansal fortan selbst.