
Gegen Müller verwandelte Zverev nach 3:04 Stunden seinen dritten Matchball. Die Partie war Mitte des dritten Satzes wegen eines plötzlichen Regenschauers für 37 Minuten unterbrochen. Und dann waren da noch die Schmerzen: „Da war etwas mit der Achillessehne. Es ist mir da ein bisschen reingefahren. Ich hatte etwas Angst“, sagte Zverev im Interview auf dem Court. Er habe dann den Physio gerufen und eine Schmerztablette bekommen. „Ich habe mich dann gut bewegt und gut gespielt. Hoffentlich wird es morgen wieder gut sein.“
Boris Becker: „Vieles hat mir gut gefallen“
Lob gab es von Deutschlands Tennis-Legende Boris Becker, der ihn zuletzt häufig kritisiert hatte. „Da hat mir sehr vieles gut gefallen. Eineinhalb Sätze fand ich es sehr gut, dann hat er eine kleine Krise gehabt“, sagte Becker als Experte bei Eurosport. „Ich glaube, die Regenunterbrechung hat ihm geholfen. Er kam wieder zur Ruhe und hat im vierten Satz vielleicht seinen besten Satz gespielt.“
Bei den Frauen ist am Donnerstag (3.00 Uhr MEZ/Eurosport) noch Laura Siegemund gegen die australische Qualifikantin Maddison Inglis im Einsatz. Eva Lys, Tatjana Maria und Ella Seidel waren alle bereits in der ersten Runde ausgeschieden.
Zverev hatte gegen Müller zunächst alles im Griff. Der Weltranglisten-Dritte führte 6:3, 3:0 und spielte konzentriert und variabel. Immer wieder streute der Olympiasieger von 2021 einen Stoppball ein, rückte für seine Verhältnisse oft ans Netz vor.
Doch dann verlor Zverev auf einmal völlig seinen Rhythmus. Im anders als an den Vortagen dieses Mal deutlich kühleren Melbourne haderte Zverev auf einmal mit der Stärke seiner Schlägerbespannung. Müller nutzte die Schwächephase des Deutschen, machte fünf Spiele in Serie und schaffte wenig später völlig überraschend den Satzausgleich.
Plötzlich regnet es
Zverev schaute verunsichert zu seinem Team am Spielfeldrand, fing sich dann aber wieder. Im dritten Satz schaffte er ein frühes Break und ließ sich auch nicht davon aus der Ruhe bringen, dass Müller ihm sofort ebenfalls das Service abnahm. Zverev gelang zum 4:2 ein weiteres Break, ehe plötzlich ein heftiger Regenschauer alle überraschte.
Weil das Dach über der John Cain Arena nicht rechtzeitig geschlossen werden konnte, musste die Partie für 37 Minuten unterbrochen werden. Ballkinder sorgten mit Handtüchern dafür, dass der Platz getrocknet und wieder bespielbar wurde.
Zverev nach Unterbrechung mit Behandlung
Nach der Unterbrechung brauchte Zverev unter dem nun geschlossenen Dach nur wenige Minuten, um sich den dritten Satz zu sichern. Auch im vierten Durchgang begann der gebürtige Hamburger gut und nahm dem Franzosen sofort den Aufschlag ab.
Doch dann ließ Zverev auf einmal den Physiotherapeuten kommen, um sich am Fuß behandeln zu lassen. Auch sein Vater Alexander Senior und Bruder Mischa rätselten, was die Probleme verursacht hatte. Doch Zverev kehrte auf den Platz zurück und brachte den Vorsprung ins Ziel. Mit einem Ass machte er den Sieg perfekt. „Ich habe eine Schmerztablette genommen. Ich war ein bisschen besorgt, deshalb habe ich es checken lassen“, sagte Zverev.
Der Hamburger, der weiterhin als erster Deutscher seit Boris Becker 1996 in Melbourne einen Grand-Slam-Titel gewinnen will, überstand bei seiner elften Turnierteilnahme zum neunten Mal die zweite Runde. 2020 und 2024 schaffte er danach den Sprung ins Halbfinale, im vergangenen Jahr erreichte er sogar das Endspiel, unterlag dem Italiener Jannik Sinner dann aber glatt.
