Aktien, Anleihen, Gold … Wohin mit 25.000 Euro im März?

Im Iran sowie in der Ukraine herrschen Krieg und die Staaten sind immer höher verschuldet. Gleichzeitig notieren viele Aktienmärkte nahe ihren Höchstständen. Das wirkt wie ein Widerspruch – als hätte sich die Börse von der wirtschaftlichen Realität abgekoppelt.
Allen Unkenrufen zum Trotz: An den Kapitalmärkten wirken derzeit zwei strukturelle Kräfte gleichzeitig, die historisch häufig den Beginn längerer Marktphasen markieren: steigende Liquidität im Finanzsystem und ein neuer technologischer Produktivitätsschub.
Der Einfluss der Liquidität auf die Kapitalmärkte wird häufig unterschätzt. Langfristig reagieren Vermögenspreise stark auf Veränderungen der globalen Geldmenge. Ist mehr Kapital im System vorhanden, steigt typischerweise auch die Nachfrage nach Anlageklassen wie Aktien oder Immobilien.
Liquidität allein erklärt jedoch keine langfristig steigenden Aktienkurse. Entscheidend ist, ob sie auch auf reale wirtschaftliche Dynamik trifft. Genau hier kommt der zweite große Treiber der kommenden Jahre ins Spiel: ein neuer Produktivitätsschub durch Künstliche Intelligenz (KI). Große Technologieunternehmen investieren derzeit massiv in die entsprechende Infrastruktur – von Rechenzentren über Chips bis hin zu Softwareplattformen.
Zum Vergleich: Im Jahr 2024 investierten Meta, Microsoft, Amazon und Alphabet zusammen circa 200 Milliarden US-Dollar in KI. Aktuellen Schätzungen zufolge soll dieses Volumen bis zum Jahr 2030 auf rund 550 Milliarden Dollar anwachsen. Dieser Investitionszyklus zählt bereits jetzt zu den größten der Technologiegeschichte. Solche Phasen markieren häufig den Beginn neuer Innovationszyklen, die weit über einzelne Branchen hinauswirken.
KI sorgt für deutliche Produktivitätsgewinne
Der entscheidende Effekt liegt jedoch nicht in der Technologie selbst, sondern in ihrer wirtschaftlichen Wirkung. So zeigen beispielsweise Studien der Stanford University, dass KI die Bearbeitungszeit vieler Aufgaben drastisch reduzieren kann – in manchen Branchen um mehr als die Hälfte. Besonders stark sind die Effizienzgewinne in Bereichen wie Programmierung, Datenanalyse oder technischen Tätigkeiten. Technologien mit solchen Effekten werden in der Ökonomie als Querschnittstechnologien bezeichnet. Ähnlich wie Elektrizität oder das Internet verändern sie ganze Wirtschaftsstrukturen.
Für Unternehmen bedeutet das vor allem eines: steigende Produktivität. Und Produktivität ist langfristig der wichtigste Treiber für wachsende Gewinne. Genau deshalb lassen sich die Kurssteigerungen vieler Aktienmärkte in den vergangenen Jahren weniger durch spekulative Übertreibung als durch reale Gewinnsteigerungen erklären.
Wenn man diese beiden Entwicklungen zusammen denkt, ergibt sich eine interessante Perspektive für die kommenden Jahre. Liquidität schafft die finanziellen Rahmenbedingungen für Investitionen. Produktivität sorgt dafür, dass diese zu realem Wachstum und steigenden Unternehmensgewinnen führen.
Historisch betrachtet entstehen die stärksten Marktphasen meistens dann, wenn genau diese Kombination wirkt: Es steht ausreichend Kapital im System zur Verfügung und es gibt gleichzeitig einen technologischen Innovationsschub.
No risk, no fun
Ein technologischer Produktivitätsschub ist natürlich nicht frei von Risiken. Der viel diskutierte Bericht „The 2028 Global Intelligence Crisis“ von Citrini Research beschreibt beispielsweise ein Szenario, in dem Unternehmen ihre Produktivität zwar massiv steigern, gleichzeitig jedoch viele Tätigkeiten automatisiert werden und zahlreiche Menschen ihren Arbeitsplatz verlieren. In diesem Extremfall könnten steigende Unternehmensgewinne mit schwächeren Einkommen im Konsumsektor einhergehen.
Historisch betrachtet haben sich solche Befürchtungen jedoch selten bewahrheitet. Große technologische Sprünge – von der Elektrifizierung bis zum Internet – haben langfristig nicht zu weniger, sondern zu mehr wirtschaftlicher Aktivität geführt. Produktivität schafft neue Geschäftsmodelle, neue Nachfrage und letztlich auch neue Arbeitsplätze.
Aus Anlegersicht ist nicht entscheidend, welches Unternehmen die beste Vision hat, sondern welche neuen Technologien sie am erfolgreichsten in Wachstum und Wettbewerbsvorteile umsetzen können. In Phasen technologischer Transformation entscheidet daher weniger der Gesamtmarkt – sondern die Auswahl der Geschäftsmodelle, die den Produktivitätsschub tatsächlich monetarisieren können.
Die 25.000-Euro-Frage
Bei einer Anlage von 25.000 Euro könnten etwa 60 Prozent in globale Aktien mit starkem Technologiebezug investiert werden. Diese stammen weiterhin überwiegend aus den USA. Aktien aus China und anderen asiatischen Ländern sollten jedoch nicht vernachlässigt werden. Bitcoin könnte mit circa fünf Prozent als Absicherung gegen steigende Geldmengen und Staatsverschuldung beigemischt werden. Rohstoffe könnten ähnlich gewichtet werden, da eine steigende Produktivität und eine bessere technologische Infrastruktur langfristig auch den Bedarf an physischen Ressourcen erhöhen. Eine kleine Position in kurzlaufenden Staatsanleihen sorgt für Liquidität, die bei Kurskorrekturen für Nachkäufe eingesetzt werden kann.
Über den Autor: Marco Rumpf ist seit 1998 als geschäftsführender Gesellschafter bei der DRH Vermögensverwaltung GmbH tätig. Dort verantwortet der Bankkaufmann und Bankfachwirt die Bereiche Risikomanagement, Portfoliomanagement sowie die strategische Unternehmensführung.
Diese Publikation dient nur zu Informationszwecken und zur Nutzung durch den Empfänger. Sie stellt weder ein Angebot noch eine Aufforderung seitens oder im Auftrag der DRH Vermögensverwaltung GmbH dar.
