
Im nordrhein-westfälischen Landesvorstand der AfD ist es zu einem offenen Konflikt gekommen. Nach Informationen der ZEIT aus Parteikreisen verlief eine Vorstandssitzung am vergangenen Wochenende lautstark und kontrovers. Zuvor hatte Landesvize Fabian Jacobi klargestellt, dass er vor einem Jahr Unterlagen aus der Personalakte des Landesgeschäftsführers und Landtagsabgeordneten Klaus Esser an die Staatsanwaltschaft Aachen übergeben hat. Dabei soll es sich um Dokumente zu einem gefälschten Lebenslauf und einem unrechtmäßig angegebenen Berufsabschluss handeln.
Nach den Unterlagen war nach Informationen der ZEIT zuvor erfolglos gesucht worden; sie waren in der Landesgeschäftsstelle der Partei nicht auffindbar gewesen.
Seit über einem Jahr ermittelt die Staatsanwaltschaft Aachen gegen Esser wegen des Vorwurfs der Urkundenfälschung und des Anstellungsbetrugs. Esser soll ein Examenszeugnis im Fach Jura gefälscht und sich im Anschluss auch als Jurist ausgegeben haben. Im November 2024 hatten Ermittler sein Haus durchsucht. Die Staatsanwaltschaft bereitete einen Strafbefehl in Höhe von 13.500 Euro vor. Esser bestreitet die Vorwürfe und hat angekündigt, diese Geldzahlung nicht zu akzeptieren.
Esser steht seit Längerem parteiintern in der Kritik. Gegen ihn läuft ein Parteiausschlussverfahren, das der Landesvorstand angestrengt hatte. Nach einer Einigung zwischen dem Landesvorstand und Esser vom Oktober 2025 verzichtete die Partei in Nordrhein-Westfalen zuletzt auf einen Ausschluss. Der Bundesvorstand der AfD trat dem Verfahren jedoch bei, um den Kompromiss auf Landesebene wieder aufzulösen und das Verfahren fortzuführen.
Jacobi sagte der ZEIT, er habe die Unterlagen an die Ermittler weitergegeben, weil die NRW-Landesführung der Staatsanwaltschaft zuvor zugesichert hatte, die Ermittlungen gegen Esser zu unterstützen. Zudem habe er die Unterlagen im Juli 2025 an das Landesschiedsgericht der Partei übergeben, das sich damals noch mit dem Ausschlussverfahren gegen Esser befasste. Woher er die Unterlagen hatte, wollte Jacobi auf Nachfrage nicht sagen, dies sei ein parteiinterner Vorgang, den er nicht kommentiere.
Seine Landesvorstandskollegen habe er zunächst nicht aktiv über die Weitergabe informiert. „Ich hatte kein Vertrauen darin, dass der Vorstand an einer rechtsstaatlichen Aufklärung der Vorwürfe gegen Herrn Esser interessiert ist“, begründete er. Das habe sich später sogar bestätigt, als im Oktober 2025 der Landesvorstand das Ausschlussverfahren gegen Esser beendete. Außerdem sei die Vertraulichkeit der Kommunikation nicht gewährleistet gewesen: „Ich schicke keine sensiblen Unterlagen an den E-Mail-Verteiler des Vorstands.“ Er habe lediglich mündlich einen Vorstandskollegen informiert, der zugleich im Bundesvorstand sitzt.
Beobachter im Landesverband vermuten einen Zusammenhang mit den innerparteilichen Machtkämpfen: Der NRW-Bundestagsabgeordnete Jacobi gehört dem politischen Lager um den Dortmunder Bundestagsabgeordneten Matthias Helferich an, das zum Landesparteitag am kommenden Samstag den Landesvorsitzenden Martin Vincentz ablösen will. Gemeinsam mit seinem Fraktionskollegen Christian Zaum will Jacobi am Samstag auf dem Landesparteitag für den Vorsitz kandidieren.
