Das patriotisch-völkische Lager um den Dortmunder
Bundestagsabgeordneten Matthias Helferich will mit einer Doppelspitze beim
Landesparteitag im März den amtierenden Landeschef in Nordrhein-Westfalen,
Martin Vincentz, herausfordern. Bei dem Führungsduo handelt es sich um die
beiden Bundestagsabgeordneten Christian Zaum und Fabian Jacobi. Zaum ist zudem
Sprecher des Bezirks Arnsberg und Mitglied der Deutschen Burschenschaft, Jacobi
ist stellvertretender Vorsitzender des NRW-Landesvervbands. Die Kandidatur gab Zaum am Montagmorgen
über seinen Telegram-Kanal bekannt. Helferich hat diese auf Anfrage der ZEIT bestätigt. Damit wird der seit vielen Monaten
erbittert geführte Machtkampf zwischen Helferich und dem vorgeblich gemäßigten Vincentz
beim Landesparteitag seinen Höhepunkt finden.
Gerade die Kandidatur von Zaum gilt als überraschend.
Bereits im Juni 2024 hatte der NRW-Landesverband seinen Rauswurf aus der Partei
beantragt. In seiner ehemaligen Funktion als stellvertretender Sprecher des
Kreisverbands Siegen soll der Gymnasiallehrer in 20 Fällen Anhängern der Partei
die Mitgliedschaft verweigert haben, um so neue Mehrheitsverhältnisse zu
verhindern, die seine Wiederwahl womöglich gefährdet hätten. Damit habe er sich
parteischädigend verhalten. Das geht aus dem Ausschlussantrag hervor, der der
ZEIT vorliegt. Die Gegenseite wiederum behauptet, das Vincentz-Lager habe
gezielt versucht, den Kreisverband mit Helferich-Gegnern zu fluten, um neue
Machtverhältnisse zu schaffen.
In der Doppelspitze soll Zaum für die völkische Prägung
stehen. Jacobi hingegen soll das Duo auch für gemäßigtere Anhänger wählbar
machen, wie aus dem Umfeld der beiden zu hören ist. Der Jurist Jacobi gilt als
pressescheuer Einzelgänger, der sich angeblich keinem Lager wirklich zugehörig
fühlt, allerdings auch für Vincentz offenbar keine allzu großen Sympathien mehr
hegt.
Vincentz, Chef des mitgliederstärksten Landesverbands der
AfD, gilt schon länger als geschwächt. Zuletzt hatte er bei der Wahl zum
Landesvorstand der neuen AfD-Jugendorganisation Generation Deutschland eine Niederlage
einstecken müssen. Sein Kandidat verlor gegen den von Helferich unterstützten
Patrick Heinz. Vor allem aber dürften Vincentz die Ermittlungen gegen
seinen Vertrauten Klaus Esser zugesetzt haben. Seit mehr als einem Jahr
ermittelt die Staatsanwaltschaft Aachen gegen den Landtagsabgeordneten wegen des
Vorwurfs der
Urkundenfälschung und des Titelmissbrauchs. Esser soll ein Examenszeugnis im
Fach Jura gefälscht und sich im Anschluss auch als Jurist ausgegeben haben. Im
November 2024 hatten Ermittler sein Haus durchsucht. Die Staatsanwaltschaft
will Medienberichten zufolge einen Strafbefehl in Höhe von 13.500 Euro
erlassen. Esser bestreitet die Vorwürfe und hat angekündigt, die Geldzahlung
nicht zu akzeptieren. Gegen ihn läuft außerdem ein Parteiausschlussverfahren.
Der Jurist Helferich selbst wurde bereits erstinstanzlich
aus der Partei ausgeschlossen. Grund dafür war vor allem ein rassistischer
Social-Media-Post, in dem er migrantische Menschen mit „Viechern“ gleichgesetzt
hatte. Helferich hat gegen das Urteil Widerspruch eingelegt. Über seinen Fall
muss jetzt das Bundesschiedsgericht entscheiden. Einen Termin gibt es dem
Vernehmen nach noch nicht. Helferich gilt als enger Vertrauter des Thüringer
AfD-Landeschefs Björn Höcke. Seine radikale und migrationsfeindliche Haltung
hat ihm zahlreiche Erwähnungen in den Gutachten des Verfassungsschutzes
eingebracht.
Sollte die Doppelspitze den größten Landesverband der AfD tatsächlich
übernehmen, wäre dies ein klares Zeichen: für die zunehmende Radikalisierung der
AfD auch in westdeutschen Bundesländern.
