Berlin · Ferienhaus, Campingplatz, Bauernhof? Oder doch ein Kreuzfahrtschiff, Clubhotel oder All-inclusive-Resort? Urlaub mit Kindern kann total unterschiedlich sein. Eine kleine Entscheidungshilfe.
Jeder Urlaub mit Kindern ist so individuell wie die Familie, die ihn unternimmt. Und wie man die Auszeit gestaltet, hängt natürlich stark von den Vorlieben der Eltern ab.
Zugleich ändern sich mit Kindern die Bedürfnisse. Der Roadtrip oder die Rucksackreise kommt vielleicht erst einmal nicht mehr in Frage. Angehende und junge Eltern fragen sich: Was ist möglich? Was macht allen Freude, ohne dass die Erholung auf der Strecke bleibt?
Hier sind sieben Modelle für den Familienurlaub im Schnell-Check.
1. Camping – ein großer Abenteuerspielplatz
Ja, der begrenzte Platz nervt manchmal. „Dadurch entsteht schnell mal Chaos“, sagt Nadine Weinmann, die auf www.vierimbus.de von ihren Campingreisen im Bulli mit der Familie erzählt. „Und leider gibt es bei Urlaub auf dem Campingplatz oft genau so viele Haushaltsaufgaben wie daheim.“ Ordnung halten etwa, und alle müssen mit anpacken.
Aber: „Nirgends finden die Kinder schneller neue Freunde als auf einem Campingplatz“, ist Weinmann überzeugt. „So bleibt auch für die Eltern mehr Zeit für Erholung.“ Ob auf dem Platz selbst oder in der Natur drumherum: Die Kinder können viel entdecken, wie auf einem großen Abenteuerspielplatz. Auch die Eltern finden schnell Freunde.
- viel Natur, Bewegung und Freiheit für Kinder
- oft günstig, besonders bei Selbstverpflegung
- Gemeinschaft mit anderen Familien
- wenig Komfort und Wetterabhängigkeit
- viel Vorbereitung und Equipment nötig
- sanitäre Anlagen oft einfach
Fazit: Geeignet für Familien mit Outdoor-Affinität, weniger für Komfortliebhaber, die im Urlaub möglichst nichts tun möchten.
Viele fragen sich: Ist Camping etwas für mich? „Ich empfehle, mit kleinem Budget zu starten“, rät Weinmann. Das heißt: Ausrüstung leihen oder das Allernötigste anschaffen, Camping für ein paar Tage ausprobieren und dafür einen Platz mit viel Komfort buchen.
Eine Möglichkeit ist auch die Miete eines stationären Mobilheims. „Das verbindet die Annehmlichkeiten eines Ferienhauses mit dem lockeren und naturnahen Campingplatz-Flair“, sagt Weinmann.
2. Cluburlaub – Rundum-Sorglos-Paket mit Animation
Eine Sache hat Esther Mattle schon irritiert: „In einem Clubhotel ist das Tragen eines Armbandes meistens Pflicht, was vielleicht etwas peinlich ist, wenn man außerhalb des Hotels unterwegs ist.“
Trotzdem sagt die Autorin des Familienreiseblogs www.travel-sisi.com aus der Schweiz: „Unser All-Inclusive-Urlaub als Familie war viel besser als erwartet.“ Vor allem in der Nebensaison profitiere man von einem sehr guten Preis-Leistungs-Verhältnis. Auch ist der Aufenthalt entspannter, als man vielleicht annehmen würde. „Das Angebot des Hotels kann genutzt werden, muss aber nicht“, sagt Mattle.
Cluburlaub ist ein Rundum-Sorglos-Programm mit Buffet, Pool, Sport- und Freizeitangeboten, Animation und Kinderbetreuung. Die Hotels befinden sich meist in beliebten Sonnenzielen, dort aber häufig etwas ab vom Schuss – was wiederum kein Problem sein muss. Viele Gäste verlassen das Resort gar nicht. Das Angebot ist vielseitig.
- keine Planung nötig
- Kostenkontrolle durch All-inclusive-Verpflegung
- Kinderclubs und Programme entlasten Eltern
- wenig Individualität, teils Massenbetrieb
- teuer in der Hochsaison
- oft wenig Infrastruktur drumherum
Fazit: Geeignet für Familien mit Kleinkindern und Eltern mit Erholungsbedarf, weniger für Individualisten oder Entdecker.
Bloggerin Mattle hat noch einen Tipp: „Wir nehmen uns gerne ein Mietauto, um auch die Destination zu entdecken.“ Das hilft auch, falls die Kinder das Unterhaltungsprogramm oder die Betreuung nicht annehmen.
Wem ein Cluburlaub zu viel organisiertes Spektakel ist, der kann ein klassisches Familienhotel wählen, wie man sie am Mittelmeer häufig findet. Auch dort gibt es Sonnengarantie, All-inclusive-Verpflegung und Kinderbetreuung für entspannte Tage ohne Orga-Stress.
3. Ferienhaus – Selbstbestimmter Urlaub mit viel Platz
Ob in Strandnähe, auf dem Land oder in den Bergen: Im Ferienhaus lassen sich die Urlaubstage flexibel gestalten.
„Als Familie kann man einfach in seinem eigenen Rhythmus in den Tag hineinleben“, sagt Nadine Lessenich, die auf www.planethibbel.com über ihre Familienreisen bloggt. Man müsse keine Sorgen haben, dass man mit zwei aufgeweckten Kindern andere Gäste störe.
„Da meine Söhne mittlerweile Teenager sind, kann ich rückblickend sagen, dass Urlaube im Ferienhaus für uns immer am entspannendsten und auch günstigsten waren“, sagt die Bloggerin. Auch wenn es im Urlaub manchmal lästig sei, einkaufen und kochen zu müssen.
- viel Platz, Privatsphäre und Flexibilität
- günstig bei längeren Aufenthalten oder mit mehreren Kindern
- ideal für Selbstverpflegung und Tagesausflüge
- kein Service oder Kinderbetreuung
- Planung und Eigenverantwortung liegen komplett bei den Eltern
- Auto meist nötig
Fazit: Geeignet für Familien mit mehreren Kindern oder befreundete Familien. Weniger geeignet für Eltern, die Entlastung suchen.
Nadine Lessenich hat noch ein paar Tipps und Hinweise:
- Die Unterkunft sollte ausreichend groß sein – gerade dann, wenn man wie die Bloggerin mit zwei Teenagern im Urlaub ist.
- Gerade bei einem längeren Aufenthalt ist das Haus idealerweise so schön eingerichtet, dass man sich wie zu Hause fühlt.
- Für Regentage genug Bücher und Spiele mitnehmen. Außerdem hilft es, wenn Indoor-Ausflugsziele schnell zu erreichen sind.
Alternative: Ferienparks mit Extra-Service
Das Ferienhaus muss nicht einsam im Grünen stehen. Es kann auch zu einem größeren Ferienpark gehören. Diese Urlaubsanlagen bieten oft einen hotelähnlichen Service – zum Beispiel eine Rezeption, Pool und Freizeitangebote sowie frische Brötchen zum Frühstück.
- Ferienhaus-Feeling, aber mit mehr Annehmlichkeiten
- kinderfreundliche Ausstattung, viele Spielmöglichkeiten
- weniger Privatsphäre
- je nach Anlage laut und trubelig
Ferienparks seien für viele Familien sicher praktisch, sagt Lessenich. „Ich persönlich bin jedoch kein Fan davon, da mir die Unterkünfte meist zu steril und unpersönlich sind.“
4. Kreuzfahrt: Viel sehen, wenig Stress
Welches Vorurteil über Kreuzfahrten hält sich hartnäckig?
„Kreuzfahrten sind nur etwas für ältere Leute“, sagt Tommy Michel aus Pirna in der Sächsischen Schweiz, der auf www.urlaubspapa.de von seinen Familienreisen berichtet. Das Gerücht habe mit der Realität nichts gemein. „Wer schon einmal in den Ferien auf einem Schiff mit 1.500 Kindern an Bord war, kann das bestätigen.“
Tatsächlich haben die Reedereien als Zielgruppe besonders Familien im Visier. Sie bieten Kids Clubs und jede Menge Unterhaltung, damit die Eltern relaxen und eine möglichst sorglose Zeit haben können.
„Das Schöne an einer Kreuzfahrt ist, dass du einmal den Koffer auspacken musst und trotzdem viele neue Orte in kurzer Zeit kennenlernen kannst“, sagt Michel. Der Vater entscheidet vor allem anhand der Route, wohin die Reise jeweils geht. „Auch das gute Essen und Trinken an Bord ist ein Faktor, der für uns wichtig ist.“
- viele Angebote für Kinder (abhängig vom Schiff)
- keine ständigen Ortswechsel, Koffer bleibt im Zimmer
- viel Abwechslung ohne organisatorischen Aufwand
- eingeschränkte Bewegungsfreiheit an Bord
- teils hohe Zusatzkosten etwa durch Landausflüge
- Umweltbilanz kritisch
Fazit: Geeignet für Familien, die Abwechslung und Rundum-Service mögen, weniger für Individualreisende und Nachhaltigkeitsbewusste.
Und ab welchem Alter des Kindes ist eine Seereise möglich?
„Unser jüngster Sohn war zum ersten Mal mit 17 Monaten an Bord eines Kreuzfahrtschiffes“, erzählt Michel. „In den letzten Jahren haben wir aber auch schon unzählige Babys auf den Schiffen entdeckt, die teils noch deutlich jünger waren.“ Der Blogger rät Einsteigern zu einer Kurzreise, um die Reiseform einfach mal auszuprobieren.
5. Urlaub auf dem Bauernhof – Natur und Tiere
Natur, Landluft und Tiere als Attraktion für die Kleinen: Urlaub auf dem Bauernhof bedeutet Entschleunigung – doch viele dürften damit auch eine gewisse Rustikalität und Komfortverzicht verbinden.
Dieses Bild ist nicht ganz falsch, aber unvollständig. „Das alte Klischee vom einfachen Bauernhofurlaub stimmt längst nicht mehr“, sagt Lucia Vaccaro Notte von der Little Travel Society. „Viele familiengeführte Höfe verbinden heute authentisches Landleben mit überraschend viel Stil und Hotelluxus wie Wellnessangeboten.“
Vaccaro Notte berichtet von ihrem letzten Trip auf einen bayerischen Hof nahe dem Tegernsee: Morgens gab es regionale Produkte aus der Frühstückskiste, tagesüber stand Kühe füttern und Ponyreiten auf dem Programm, abends Wellness in der eigenen Sauna. „Rundum-Komfort, aber mit Stallduft und Sonnenaufgängen im Grünen: Best of both worlds!“
- Tiere zum Anfassen, viel Platz zum Spielen
- ländliche Ruhe, kindgerechte Umgebung
- authentische Einblicke in Landwirtschaft und Natur
- eventuell weniger Komfort und Unterhaltung für ältere Kinder
- Wetterabhängigkeit
- oft abgelegene Lage, Auto meist nötig
Fazit: Geeignet für Familien mit Kleinkindern oder Grundschulkindern, die Natur und Tiere lieben. Weniger geeignet für Familien mit Teenagern oder mit dem Wunsch nach viel Unterhaltung.
6. Urlaub im Freizeitpark – Kurztrip mit viel Action
Wir machen Sommerurlaub in Disneyland – diesen Satz wird man kaum von Eltern hören. Ein Vergnügungspark ist nicht unbedingt etwas für den Haupturlaub in den großen Ferien. Aber für einen Kurztrip.
Viele Freizeitparks ermöglichen eine oder mehrere Übernachtungen direkt im oder beim Park, oft in eigenen Themenhotels und direktem Zugang zu den Attraktionen. Beispiele aus Deutschland:
- der Europa-Park mit der Rulantica-Wasserwelt (Baden-Württemberg)
- das Phantasialand in Brühl (Nordrhein-Westfalen)
- das Heide Park Resort in Soltau (Niedersachsen)
- das Legoland Deutschland Resort in Günzburg (Bayern)
- der Serengeti-Park in Hodenhagen (Niedersachsen)
- das Tropical Islands Resort in Krausnick (Brandenburg)
Patricia Wons, die auf www.familien-reiseblog.de schreibt, war mit ihrem Sohn zwei Tage im Phantasialand. War das nicht stressig?
„Absolut nicht“, sagt Wons. „Im Gegensatz zu einem Tagesausflug kann man das Programm viel besser entzerren.“ Wobei es natürlich auf das Alter der Kinder ankommt. Die Bloggerin empfiehlt einen Aufenthalt ab etwa vier Jahren, in einem kindgerechten Themenhotel.
„Man kann mit kleinen Kindern zwischendurch entspannt Pausen einlegen, zum Beispiel für den Mittagsschlaf“, sagt Wons. „Das ist auch hilfreich, wenn sehr junge Geschwister dabei sind.“ Außerdem lassen viele Parks ihre Hotelgäste morgens eine Stunde früher in den Park. „Das ist mit jungen Kindern natürlich auch praktisch.“
- kurze Wege, keine tägliche Anfahrt
- hoher Erlebniswert, Angebote für verschiedene Altersgruppen
- rundum organisierte Infrastruktur
- hohe Kosten, besonders bei großen Familien
- wenig Erholung, Reizüberflutung möglich
- eignet sich nur für begrenzte Aufenthaltsdauer
Fazit: Geeignet für Familien mit Kindern im Vor- und Grundschulalter, die Action, Shows und Attraktionen mögen. Nicht geeignet für Familien, die Wert auf Ruhe, Entspannung und Natur legen.
8. Städtereise – Kultur geht auch mit Kindern
Sightseeing mit Kindern, das klingt anstrengend. Muss es aber nicht sein – mit guter Vorbereitung und einem flexiblen Zeitplan.
Das sagt Lena Maria Hahn vom Blog www.family4travel.de, die mit ihrer Familie regelmäßig Städtereisen macht. Sie rät: „Genügend Zeit einplanen zum Einfach-treiben-lassen und für Zufallsentdeckungen.“
Hahn gibt folgende konkrete Tipps:
- Pro Tag nicht mehr als ein bis zwei Sehenswürdigkeiten oder Attraktionen vornehmen, die man unbedingt sehen will – und den Zeitslot und Eintritt rechtzeitig online vorab buchen. „Am besten macht ihr euch eine Liste, was ihr zusätzlich gerne sehen würdet, aber nach dem Motto: alles kann, nichts muss“, rät Hahn.
- Schon im Vorfeld sollten Eltern die schönsten zentral gelegenen Spielplätze recherchieren. „Die Zeit, die ihr dort verbringt, ist nicht vertan, sondern bringt euren Kindern Spaß für lau und Ausgleich zum Kulturprogramm. Und euch selbst tut die Pause auch gut.“
- Bildung und Unterhaltung kombinierbar (Mitmachmuseen, Zoos etc.)
- gute Infrastruktur (ÖPNV, familienfreundliche Gastronomie)
- ideal für kurze Reisen oder Brückentage
- viel Lauferei, potenziell stressig
- Unterkunft und Verpflegung oft teurer als auf dem Land
- Lärm, Hitze und Trubel in der Hochsaison
Fazit: Besonders geeignet für kulturinteressierte Eltern mit Schulkindern oder Teenagern. Weniger geeignet für Familien mit kleineren Kindern oder erholungsbedürftige Eltern.
Hahn findet aber, dass Städtetrips im Grunde in jedem Alter funktionieren können. Es muss ja nicht gleich Paris sein. „Wir mögen kleinere Städte lieber, weil sie entspannter sind und meistens weniger überlaufen“, sagt die Mutter von drei Kindern.
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