

In den USA geht es bei den Abnehmitteln voran: Die dortige Zulassungsbehörde FDA hat mit dem Wirkstoff Orforglipron nun die zweite Diätpille zugelassen. Es darf nun zur Behandlung von Fettleibigkeit und anderen gewichtsbedingten Erkrankungen eingesetzt werden.
Orforglipron (Handelsname: Foundayo) vom Hersteller Eli Lillys ist ein GLP-1-Medikament. Es wirkt so, wie die mittlerweile weit verbreiteten Abnehmspritzen: Es ahmt das Hormon GLP-1 nach, das im gesunden Körper Appetit und Sättigungsgefühl reguliert. Die Tablette muss einmal täglich eingenommen werden, ist damit also einfacher anzuwenden als die Abnehmspritzen. Wegen der guten Datenlage hatte die FDA das Mittel innerhalb von nur 50 Tagen zugelassen, wie die Behörde angab.
In einer klinischen Studie mit mehr als 3000 fettleibigen Erwachsenen verloren die Teilnehmer über einen Zeitraum von mehr als 16 Monaten bis zu 11,2 Prozent ihres Körpergewichts, durchschnittlich etwa zwölf Kilogramm. Die Kontrollgruppe, die ein Placebo erhielt, nahm laut dem New England Journal of Medicine lediglich 2,5 Kilogramm ab, das sind rund zwei Prozent.
Die neue Tablette ist eine Konkurrenz für die Abnehmpille Wegovy (Wirkstoff Semaglutid). Dieses Mittel von Novo Nordisk, das auf die Diätspritze des dänischen Herstellers zurückgeht, wurde im Dezember 2025 zugelassen. Es ist die Tablettenform der Abnehmspritze Wegovy, die seit zweieinhalb Jahren auch in Deutschland zur Behandlung von Übergewicht zugelassen ist. Die ebenfalls von Novo Nordisk hergestellte Abnehmspritze Ozempic richtet sich vor allem an Diabetes-Patienten.
Machen Tabletten den Unterschied?
Den Zulassungsdaten von Eli Lilly zufolge haben adipöse Patienten mit der neuen Diätpille mehr Gewicht verloren als mit einem Placebo. Allerdings war der Gewichtsverlust niedriger, als Analysten erwartet hatten – und auch niedriger als etwa bei den beiden Abnehmspritzen Mounjaro und Zepbound von Eli Lilly selbst.
Die Hoffnungen auf GLP-1-Rezeptor-Agonisten in Tablettenform sind hoch, denn sie sind einfacher anzuwenden als die Abnehmspritzen.
Die Daten der Abnehmpille von Eli Lilly zeigten, dass Patienten im Vergleich zur Abnehmspritze etwas weniger an Gewicht verloren haben. Bei den Nebenwirkungen unterschieden sich Abnehmspritze und Abnehmpille nicht wesentlich voneinander.
Bei der Präsentation dieser Daten im vergangenen August bezweifelte Stephan Martin, Diabetologe und Direktor des Westdeutschen Diabetes- und Gesundheitszentrums WDGZ, allerdings, dass der Sprung von Abnehmspritzen zu Abnehmpillen wirklich so groß ist. Die grundsätzlichen Probleme der GLP-1-Abnehmprodukte blieben schließlich auch bei den Tabletten bestehen. „Von Semaglutid wissen wir, dass ein Absetzen zu einem Jojo-Effekt führt und dass neben der Fettmasse auch die Muskelmasse abnimmt. Das bedeutet: Wer nicht bereit ist, sich damit lebenslang zu therapieren, nimmt nach dem Absetzen aber nur Fett zu – man tauscht also Muskeln durch Fett aus.“
Er geht davon aus, dass letztlich der Preis der Abnehmpille, sollte sie auch hierzulande auf den Markt kommen, darüber entscheide, ob sie breit eingenommen würde – oder nicht.
Stefan Kabisch, Endokrinologe und Studienarzt am Deutschen Zentrum für Diabetesforschung der Berliner Charité, wies damals darauf hin, dass der Wirkstoff in der Studie durch den Vergleich mit einem Placebo besser dastehe, als er eigentlich ist. Das suggeriere, „dass es bisher keine potentiell ebenbürtige Therapie gäbe. Allerdings gibt es sehr effektive GLP-1-Analoga zur Injektion und vor allem hochwirksame Ernährungstherapien.“ Diese könnten unter gleichen Bedingungen einen genauso großen Gewichtsverlust bewirken – und ebenfalls die damit einhergehenden metabolischen Vorteile erzielen.
Der von Pfizer getestete Wirkstoff Danuglipron für eine Abnehmpille wie Orforglipron verursacht Leberschäden und ist deshalb in klinischen Tests durchgefallen.
