

„Mit der Karte bitte“, das ist ein Satz, der vielen Deutschen inzwischen leicht über die Lippen geht. Und meistens ist es mit dem Bezahlen schnell getan, wenn man das Plastikkärtchen oder Handy ans Lesegerät hält. Doch insbesondere kleinere Betriebe wie Kioske, Friseure und Restaurants bestehen weiter aufs Bargeld – zum Unmut mancher Kunden und zur Verwunderung vieler Touristen. Die Bundesregierung will das nicht länger hinnehmen. Geschäfte sollten „mindestens eine digitale Zahlungsoption“ anbieten, so steht es im Koalitionsvertrag – für „echte Wahlfreiheit im Zahlungsverkehr“. Und natürlich, um Steuerbetrug zu bekämpfen.
Verglichen mit Sozialreformen, Energiewende und der Modernisierung der Streitkräfte, ist das ein einfaches Vorhaben dieser Regierung, könnte man meinen. Doch auf sichtbare Fortschritte wartet man seit vergangenem Sommer vergeblich. Jetzt wird die Koalition recht deutlich an ihr Versprechen erinnert – von ihrem schwarz-roten Pendant auf Landesebene in Berlin. Der Senat unter Regierungschef Kai Wegner plant eine Bundesratsinitiative, damit Kunden deutschlandweit auch mit Karte oder digital bezahlen können. Für die Bundesregierung ist es peinlich, dass sie nun von den Berliner Kollegen überholt werden könnte.
Denn eigentlich ist es überfällig, dass Deutschland aufschließt zu europäischen Nachbarn, wo von Parkuhr bis zum Marktstand mit der Karte gezahlt werden kann. Es ist eines modernen Staates nicht würdig, Bürger und Touristen an den nächstbesten, überteuerten Geldautomaten zu zwingen, um einen Kaffee oder einen Kaugummi zu kaufen. Dass hohe Gebühren für die Kartenzahlung fällig werden, ist schon lange kein glaubwürdiges Argument mehr. Dank etlicher Start-ups wie Sumup ist das digitale Bezahlen für Händler kein schlechtes Geschäft mehr, auch bei kleinen Beträgen.
