
Die vier Astronauten der „Artemis 2“-Mission haben sich weiter von der Erde entfernt als jemals Menschen vor ihnen. Nun sind sie auf dem Rückweg. Lesen Sie alle Entwicklungen in unserem Protokoll.
Erstmals seit 1972 haben sich Menschen wieder auf den Weg in Richtung Mond gemacht. Im Rahmen der „Artemis 2“-Mission sind drei Männer und eine Frau an Bord einer „Orion“-Kapsel mit dem Raketensystem „Space Launch System“ (SLS) vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral im US-Bundesstaat Florida abgehoben. Nach einem Vorbeiflug am Mond befindet sich die Crew nun auf der Rückreise zur Erde.
Alle Entwicklungen der Mission im Liveticker:
Freitag, 10. April
15:17 Uhr – Schiff wartet auf Astronauten
Am errechneten Landeort im Pazifik wartete schon das Bergungsschiff „USS John P. Murtha“ mit zahlreichen Flugzeugen und Helikoptern auf die US-Astronauten Reid Wiseman, Victor Glover und Christina Koch sowie ihren kanadischen Kollegen Jeremy Hansen.
9:03 Uhr – „Artemis 2“-Crew vor „Feuerball“-Landung
Nachdem sie als erste Menschen seit mehr als 50 Jahren um den Mond herumgeflogen sind, steht den vier „Artemis 2“-Astronauten mit der Rückkehr zur Erde die letzte große Herausforderung ihrer Mission bevor. „Seit dem 3. April 2023, als wir für diese Mission ausgewählt worden sind, denke ich über die Rückkehr nach“, sagte US-Astronaut Victor Glover bei einer Pressekonferenz aus der „Orion“-Kapsel. Es sei wie „einen Feuerball durch die Atmosphäre zu reiten“.
Mit einem komplizierten Manöver soll die Crew – bestehend neben Glover aus den US-Astronauten Christina Koch und Reid Wiseman sowie dem Kanadier Jeremy Hansen – in der kommenden Nacht gegen 2.07 Uhr MESZ im Pazifik nahe San Diego aufkommen. Zeitweise soll ihre Kapsel dabei eine Geschwindigkeit von bis zu etwa 38.400 Kilometern pro Stunde erreichen, was die Astronauten extremen körperlichen Belastungen aussetzt.
7:47 Uhr – Große Hitze, körperliche Belastungen
„Orion“ ist beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre großer Hitze ausgesetzt. Die Astronauten sollen durch einen speziellen Hitzeschild geschützt werden. Für rund sechs Minuten wird planmäßig die Kommunikation mit dem Kontrollzentrum ausfallen. Mithilfe von Fallschirmen soll die Kapsel anschließend abgebremst im Pazifik aufkommen. Letzte Wettervorhersagen und letzte Außenaufnahmen von „Orion“ sähen gut aus, hieß es von der Nasa.
Donnerstag, 9. April
8:56 Uhr – Schnelligkeitsrekord wird wohl nicht geknackt
Einen Schnelligkeitsrekord werden die Astronauten bei ihrer Rückkehr aber – anders als ursprünglich gedacht – wohl doch nicht knacken, sagte Nasa-Manager Rick Henfling. „Unsere Vorhersage für ‚Artemis 2‘ ist, dass wir eine Maximalgeschwindigkeit von 10.657 Metern pro Sekunde erreichen werden. Das ist weniger als der Rekord von ‚Apollo 10‘ von 11.094 Metern pro Sekunde.“
Die vier „Artemis 2“-Astronauten sind die ersten Menschen seit mehr als 50 Jahren in der Nähe des Mondes. Sie waren in der vergangenen Woche an Bord der „Orion“-Kapsel mit dem Raketensystem „Space Launch System“ vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral im US-Bundesstaat Florida abgehoben und dann um den Mond herumgeflogen. Dabei entfernten sie sich auch weiter von der Erde als jemals Menschen zuvor.
7:37 Uhr – Rückreise zur Erde läuft
Die vier Astronauten der „Artemis 2“-Mondmission bereiten sich auf ihre Rückkehr zur Erde vor. Die Crew habe – nachdem sie von dem Song „Under Pressure“ von Queen und David Bowie aufgeweckt worden sei – noch einmal zahlreiche wissenschaftliche Tests durchgeführt und damit begonnen, Equipment zu verstauen, teilte die US-Raumfahrtbehörde Nasa mit. Zwischendurch gratulierte ihnen zudem der kanadische Premierminister Mark Carney per Live-Schalte: „Die Kanadier können gar nicht stolzer auf euch sein.“
In der Nacht zum Samstag (MESZ) soll die Crew – bestehend aus den US-Astronauten Christina Koch, Victor Glover, Reid Wiseman und dem Kanadier Jeremy Hansen – im Pazifik wieder auf der Erde aufkommen. Die Wettervorhersage sehe derzeit gut dafür aus, hieß es von der Nasa.
Mittwoch, 8. April
17:08 Uhr – „Eine der gefährlichsten Situationen der ganzen Mission“
Die Crew bereitet sich auf den Wiedereintritt in die Erdatmosphäre vor. „Das ist – neben dem Start – eine der gefährlichsten Situationen der ganzen Mission“, sagt Walter Ulrich, Raumfahrt-Experte. Ulrich war als Astronaut selbst schon zehn Tage im All. Im Vergleich zum Start muss der Hitzeschild der Kapsel beim Landeanflug mit 40.000 Kilometern pro Stunde doppelt so viel Reibungsenergie standhalten.
Besonders kritisch: Der Hitzeschild der Kapsel hatte schon bei der ersten Mission „Artemis-1“ Probleme. Eine Harzschicht, die bei starker Erwärmung vergast, um die enorme Hitze abzuführen, bildete Blasen, welche die Oberfläche des Schildes abplatzen ließ.
Die Ingenieure der Nasa entschieden sich schließlich für eine Lösung, die Ulrich „überhaupt nicht gut“ findet. Der Weidereintrittswinkel der Kapsel in die Erdatmosphäre wurde verändert, um die Zeit des Landeanflugs zu reduzieren. Das Problem: „Man weiß nicht genau, ob die wesentlich höhere Hitze, die dabei frei wird, von den Kacheln ausgehalten werden kann.“
8:05 Uhr – Spektakuläre Bilder von Mond und Erde
Den Astronauten der Mondmission Artemis 2 ist eine Aufnahme der Erde aus bisher noch nie gesehener Perspektive geglückt. Die Nasa veröffentlichte am Dienstag im Onlinedienst X ein Foto der Erde, die hinter dem Mondhorizont versinkt. Das Bild des „Erduntergangs“ erinnere „an das ikonische Erdaufgangs-Foto“, das der US-Astronaut Bill Anders vor mehr als 57 Jahren geschossen habe, erklärte die Nasa. Anders gehörte zur Besatzung der Mission Apollo 8, die im Dezember 1968 erstmals den Mond umrundet hatte.
Das Weiße Haus veröffentlichte auf X zudem das Foto einer totalen Sonnenfinsternis, die die Artemis-Astronauten beobachten konnten. Dabei schob sich der Mond vollständig vor die Sonne. Dies sei „ein Anblick, den nur wenige in der Geschichte der Menschheit je gesehen haben“, erklärte das Weiße Haus.
Die Nasa machte unter dem Titel „Sicherheit geht vor“ dazu ein Foto der vier Astronauten mit Spezialbrillen publik. Die Besatzung trug sie, um Netzhautschäden beim Blick Richtung Sonne zu vermeiden. Das Besatzungsmitglied Victor Glover hatte den Anblick der Sonnenfinsternis „überwältigend“ genannt. An Bord der Orion-Kapsel sind daneben die US-Astronauten Christina Koch und Kommandeur Reid Wiseman sowie der Kanadier Jeremy Hansen.
saha/jmr/nw mit dpa/AP/ceb/säd
