Ein sonniger Nachmittag auf Gut Aiderbichl in Henndorf bei Salzburg. Hier trifft die AZ die Schweizer Schlagersängerin, Komponistin und Fernsehmoderatorin Francine Jordi (48) für eine exklusive Foto- und Textproduktion. Lachend nimmt sie ein frei laufendes Huhn und einen dreibeinigen Hasen auf den Arm, streichelt Ponys, Alpakas, Ziegen und Pferde, klettert ins Gehege mit den wild umherlaufenden Eseln. „Ich bin sensibel, aber nicht ängstlich“, sagt die Sängerin. Und begrüßt Dieter Ehrengruber, der die Geschicke des Tierrefugiums leitet, herzlich wie einen alten Bekannten.
Frau Jordi, was verschlägt Sie hierher zum Gut Aiderbichl?
FRANCINE JORDI: Die Tiere geben so viel Harmonie ab, es ist immer wieder so schön, hier zu sein! Meine Lieblinge sind die Rollstuhlhunde, mich interessieren die Schicksale dahinter und was sie erlebt haben. Wir sehen da immer sofort Mitleid und leiden mit ihnen mit. Die Tiere selbst sehen sich nicht, als wären sie nicht normal. Für sie ist es einfach „so, wie es ist“. Sie akzeptieren es, haben trotz allem Spaß und Freude. Wir können ganz viel von den Tieren lernen! Mitgefühl ist wichtig, mit Mitleid ist niemandem geholfen. Jeden so zu nehmen, wie er ist – und vor allem sich selbst so zu akzeptieren, wie man ist, mit all seinen Stärken und Schwächen! Das ist etwas Menschliches, was uns auch als Individuen auszeichnet! Und das ist auch die Botschaft meiner neuen Single, „Mutmacher-Song – Viele Wären Gern Wie Du“, die am 10. April erscheint.

© Dominik Beckmann
von Dominik Beckmann
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Ihre neue Single trägt aber noch eine weitere Botschaft.
Eine Herausforderung unserer Zeit ist das gegenseitige Vergleichen. In der digitalen Welt wird Überperfektion gelebt und auch die Prominenten zeigen dort nur ihre Sonnenseite. So kommen Menschen ganz schnell in diese Minderwertigkeit, haben das Gefühl, nicht mithalten zu können. Dabei ist es doch so, dass jeder an sich zweifelt – gerade die, die auf den ersten Blick so perfekt erscheinen. Das möchte ich den Menschen in Erinnerung rufen. Du bist genug und es gibt viele, die gern so wären wie du…

© Dominik Beckmann
von Dominik Beckmann
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Darf man fragen, was Ihre eigenen Schwächen sind?
Meine Ungeduld! Wenn ich etwas möchte, dann will ich das sofort umsetzen und handeln. Ich bin extrem loyal, doch das ist in meinem Fall eine Schwäche, denn ich möchte den Menschen noch helfen, auch wenn sie das gar nicht wollen. Ich möchte das Beste für sie, weil sie das Beste verdient haben. Und mein ausgeprägter Gerechtigkeitssinn kann auch zu einer Schwäche werden, da ich Ungerechtigkeit schlecht stehen lassen kann.
Wo sehen Sie sich in 20 Jahren?
Meine Herausforderung ist es, nicht mehr so weit zu planen, sondern den Moment zu genießen, im Hier und Jetzt zu leben. Morgen kann schon wieder alles ganz anders sein und meine Welt wieder kopfstehen, wer weiß das schon? Von daher will ich gar nicht für lange Zeit planen. Heute möchte ich weiterhin gern für die Menschen singen. Aber wer weiß, was in zwei Tagen oder einem Jahr ist, das Schicksal kann einen jeden Moment treffen, das habe ich gelernt. Genießen wir also den Augenblick, wenn es uns gut geht, wenn wir es schön haben, wenn wir ein Zuhause, etwas zu essen und Frieden haben.

© Dominik Beckmann
von Dominik Beckmann
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2017 wurde bei Ihnen Brustkrebs diagnostiziert, nach einer erfolgreichen Tumoroperation folgten Chemotherapie und Bestrahlung, wie geht es Ihnen heute?
Gut! Und natürlich fragt man sich: Warum kommen solche Schicksalsschläge, warum kann das Leben nicht einfach nur Sonnenschein sein im Paradies? Bei allen Tiefschlägen hat man die Möglichkeit, liegen zu bleiben oder über sich selbst hinauszuwachsen und unglaubliche Kräfte in sich selbst zu entdecken. Deshalb glaube ich: Alles hat seinen Sinn, seine Berechtigung. Das beziehe ich auf meine Krankheit und auf den Tod meines Labradors Theo im letzten Herbst. Theo war so ein wunderbarer treuer Begleiter, von ihm habe ich unter anderem Gelassenheit gelernt und er hat mir gezeigt, was es heißt, bedingungslos zu lieben. Ich bin unglaublich dankbar, dass ich fast 15 Jahre mit ihm verbringen durfte. Jetzt führt meine Maltipoo-Dame Liseli seine Aufgaben weiter. Und meine Fitnesstrainerin ist sie obendrein. (lacht)
„Es gibt eine höhere Energie“
Sind Sie ein gläubiger Mensch?
Ja, wie auch immer man es nennen will, Gott, Universum, Buddha. Es gibt eine höhere Energie, die uns auch die Möglichkeit gibt, das Beste aus unserem Leben zu machen. Aber ich glaube nicht, dass es die Aufgabe von dem Höheren ist, uns zu retten. Wir Menschen tragen selber die Verantwortung. Wir werden von einer Kraft unterstützt, die aber nicht zuständig ist, uns ein angenehmes Leben zu machen. Wir können lernen, umzudenken, sich aufs Positive zu fokussieren und das Negative loszulassen.
Also haben Sie Ihre Mitte gefunden?
Die findet man nie! (lacht) Immer, wenn man denkt, so, das fühlt sich jetzt hervorragend an in meinem Leben, alles ist wunderbar, dann denkt sich das Leben: Ja, aber wenn dir jetzt so wohl ist, dann öffne doch die nächste Tür, die nächste Herausforderung, entwickle dich weiter. Das Leben ist entwickeln, lernen, neue Erfahrungen machen, weiterkommen. Da ist man nie in seiner Mitte. Es gibt immer Wellen. Für mich heißt glücklich zu sein nicht, dass man keine Probleme hat. Sondern dass man alle Sorgen und all die Zweifel meistern und damit umgehen – und dann noch Freude empfinden kann. Und wenn ich singen darf, bin ich ja sowieso sehr glücklich.

© Sascha Baumann
von Sascha Baumann
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„Haben Sie auch wieder einen Partner?
Ich bin Single. Ich möchte eine Partnerschaft mit einem Mann, wo man das Glück zusammen teilt und nicht das Drama. Ich kann alleine sein, selbst mein Leben meistern. Eine Partnerschaft muss stimmig sein, wirklich auf Augenhöhe. Ich möchte nicht nur eine Beziehung, damit ich nicht alleine bin. Das bin ich sowieso nicht mit meiner Familie und meinen Freunden. Das Alleinsein, diese Ruhe und auch mich selbst auszuhalten, habe ich in den letzten Jahren gelernt. Und ich habe mein Liseli, sie ist meine Kameradin. Aber kein Kinderersatz!
„Das war für mich nie ein Thema“
Sie wollten nie Kinder?
Das war für mich nie ein Thema. Ich habe Freunde, auf der ganzen Welt verteilt, einige extrem tiefe Freundschaften, manche schon seit der Schulzeit, das sind Beziehungen, die in 30, 40 Jahren gereift sind. Das ist ein grosses Geschenk. Und natürlich kommen ab und zu neue dazu, manche gehen auseinander, das ist schmerzhaft! Aber wo eine Tür geschlossen wird, geht eine andere auf. Man muss die Hände frei machen, um wieder etwas Neues anpacken zu können.

© IMAGO/Dwi Anoraganingrum
von IMAGO/Dwi Anoraganingrum
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Verraten Sie uns Ihr Resümee des Besuches hier?
Wir können unendlich viel von Tieren lernen, sie geben Sicherheit und Wärme, das sollten wir im Kollektiv wieder an die Menschen in unserem Umfeld weitergeben! Der Mensch braucht andere Menschen, Freude und Liebe zu teilen mit anderen, während der Covid-Zeit hat man sich zu sehr abgekapselt. Gerade mit den aktuellen Problemen, die wir in der Welt haben, bläst uns ein eisiger Wind entgegen. Diese Probleme können wir nur gemeinsam lösen, jeder Mensch, so wie er sein Leben lebt, ist wichtig. Das alles leben uns die Vierbeiner in dieser wunderbaren Gemeinschaft hier vor. Und auch, wie man Menschen und Tiere zusammenbringt.
